Chronik | Welt
26.03.2017

Mehr als tausend Bootsflüchtlinge vor Libyens Küste gerettet

Neues Rettungsschiff von Ärzte ohne Grenzen rückte zu erstem Einsatz aus. EU erwägt Einsatz an Libyens Südgrenze.

Vor der libyschen Küste sind in der Nacht zum Sonntag mehr als tausend Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet worden. Wie die Hilfsorganisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen mitteilten, wurden die Flüchtlinge von mehreren Schlauch- und Holzbooten geborgen.

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Für eine junge Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie wurde nach Angaben von SOS Mediterranee bewusstlos auf einem Schlauchboot gefunden und später auf dem Rettungsschiff "Aquarius" für tot erklärt. Die "Aquarius", die von den beiden Hilfsorganisationen zusammen betrieben wird, brachte den Angaben zufolge bei einem sechsstündigen Rettungseinsatz insgesamt 645 Flüchtlinge in Sicherheit. Ein zweites Schiff von Ärzte ohne Grenzen, die erst vor wenigen Tagen in Malta gestartete "Prudence", nahm nach Angaben der Hilfsorganisation bei ihrem ersten Einsatz weitere 412 Menschen auf.

Im Mittelmeer kentern immer wieder behelfsmäßige Flüchtlingsboote. Binnen einer Woche wurden mehr als 6.000 Menschen aufgegriffen, die mit Schiffen die Überfahrt von Afrika Richtung Europa versuchten. Seit Jahresbeginn gelangten auf diese Weise bereits mehr als 22.000 Menschen nach Italien.

Einsatz an Libyens Südgrenze

Im Kampf gegen illegale Migration will die EU jetzt auch helfen, die Südgrenze Libyens zu schützen. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) und die EU-Kommission prüften, ob und unter welchen Bedingungen eine EU-Polizeimission entsendet werden könnte, berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf hohe EU-Diplomaten. Die Polizisten sollten libysche Grenzbeamte bei ihrer Arbeit unterstützen.

Denkbar sei aber auch, dass einzelne Länder wie Italien im Rahmen bilateraler Hilfen Polizisten und Grenzschützer entsenden, hieß es in Diplomatenkreisen. Die endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. In jedem Fall wolle die EU der Regierung von Premier Fayez al-Sarraj technische Hilfen wie Drohnen, Hubschrauber und Satellitentelefone zu Aufklärungszwecken anbieten, um Migranten aus den südlichen Nachbarstaaten Niger, Tschad und Sudan die Flucht nach Libyen zu erschweren.

Ziel sei ein besseres Management des Flüchtlingsstroms entlang der zentralen Mittelmeerroute. Der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos arbeite indessen an Plänen, wonach künftig Flüchtlinge aus Libyen auf legalem Weg in die Europäische Union umgesiedelt werden sollen.