Chronik | Welt
18.10.2017

Politischer Mord auf Malta

Das FBI wurde zu Hilfe gerufen: Mordmotiv: Zusammenhang mit Panama Papers vermutet.

"Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos", schrieb die bekannteste Investigativjournalistin Maltas eine halbe Stunde vor ihrem Tod. Die regierungskritische Bloggerin Daphne Caruana Galizia wurde am Montag ermordet. Jemand hatte eine Bombe an ihrem Peugeot angebracht. Das Auto flog aus einer Kurve auf ein Feld. Ihr ältester Sohn Matthew musste zusehen wie seine Mutter verbrannte. "Ich rannte um das Inferno im Feld, versuchte eine Tür aufzukriegen, aber da war nichts mehr zu machen", beschreibt er den Mord an seiner Mutter durch eine Autobombe.

Daphne Caruana Galizia wurde 53 Jahre alt, sie hinterlässt drei Söhne, ihr ältester, Matthew, will ihre Arbeit fortsetzen. Die Journalistin war eine Ein-Personen-Firma und bei den Mächtigen auf Malta gefürchtet. Ihr Blog mit dem Namen Running Commentary und ihre Kolumnen für The Malta Independent waren Pflichtlektüre.

Die Journalistin hatte enthüllt, dass eine in den sogenannten Panama Papers erwähnte Firma der Frau des Regierungschefs Joseph Muscat gehöre. Im Juni musste deshalb neu gewählt werden, doch Muscats Arbeiterpartei ging trotz der schweren Korruptionsvorwürfe als Siegerin hervor.

Daphne Caruana Galizia veröffentlichte auch Unterlagen, wonach zwei enge Vertraute von Joseph Muscat viel Geld auf Offshore-Konten geschafft haben. Sie vermutete, dass das Geld mit der Ausgabe von EU-Pässen an reiche Russen und Kasachen verdient wurde. Sie fand Verbindungen zur Spielemafia.

Der 43-jährige Sozialdemokrat Muscat sagte nach dem Mord: "Jeder weiß, dass Frau Galizia eine scharfe Kritikerin von mir war – sowohl politisch als auch persönlich." Dennoch sei diese "barbarische" Tat durch nichts zu rechtfertigen. Er sprach von einem "schwarzen Tag für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit". Die Opposition forderte umgehend, die Einsetzung einer Untersuchungskommission, denn die Journalistin war bereits vor zwei Wochen zur Polizei gegangen, weil sie Morddrohungen erhalten hatte. Die maltesischen Behörden haben Hilfe von niederländischen Gerichtsmedizinern und Beamte der US-Bundespolizei FBI angefordert. Die Spezialisten wurden noch am Dienstag in Malta erwartet.

Eine gegen alle

Daphne Caruana Galizia galt als laut, manchmal sehr nervig, doch immer bestens informiert. Sie legte sich mit allen an. Der maltesische Oppositionschef Adrian Delia hatte sie verklagt, nachdem sie ihm in einem Artikel Verbindungen zu Prostitution in London vorgeworfen hatte.

Kurz vor ihrem Tod veröffentlichte sie einen Artikel über eine Verleumdungsklage des Stabschefs des Ministerpräsidenten gegen einen Oppositionspolitiker.

Auf Malta wurden bereits am Montag Mahnwachen abgehalten. Die Ermordung der Journalistin und Kolumnistin, die an manchen Tagen laut des US-Magazins Politico bis zu 400.000 Leser (Malta hat nur 440.000 Einwohner) hatte, sorgt weltweit für Entsetzen. Die EU-Kommission äußerte sich ebenfalls geschockt. Denn Malta sei ja wohl nicht Russland, wo unliebsame Journalisten um ihr Leben fürchten müssen.

Daphne Caruana Galizia hat immer wieder maltesischen Geschäftsleuten unsaubere Machenschaften mit kasachischen Potentaten und Oligarchen vorgeworfen. Sie deckte Geldflüsse von Malta nach Panama auf und nannte ihr Land gerne einen "Mafia-Staat".

"Meine Mutter wurde ermordet, weil sie zwischen dem Rechtsstaat und jenen stand , die ihn verletzen wollen", schrieb Sohn Matthew am Dienstag auf Facebook.