Chronik | Welt
14.06.2017

London: Eltern warfen Kinder aus dem brennenden Hochhaus

Mindestens sechs Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben, über das Schicksal der Kinder war vorerst nichts bekannt.

Eltern haben Augenzeugen zufolge in ihrer Verzweiflung Kinder aus dem brennenden Hochhaus in London geworfen, darunter auch ein Baby. Eine Mutter habe ihren Säugling aus dem "neunten oder zehnten Stock" geworfen, sagte Samira Lamrani der britischen Nachrichtenagentur PA am Mittwoch.

Die Frau habe von einem halb geöffneten Fenster aus mit Gesten angedeutet, dass sie das Kind herunterwerfen wolle. Daraufhin sei ein Mann in Richtung des Fensters gerannt und habe das Baby aufgefangen. Was später aus der Familie wurde, war zunächst nicht bekannt.

Der 17-jährige Tiago Etienne sagte der PA, er habe gesehen, wie Eltern drei Kinder ungefähr aus dem 15. Stock geworfen hätten. "Sie waren jung, vielleicht zwischen vier und acht Jahre alt." Er habe aber nicht sehen können, ob die Kinder von der Polizei oder der Feuerwehr aufgefangen worden seien.

Auch andere Eltern nahmen das Wagnis in Kauf, um ihre Kinder zu retten. "Sie haben erst länger mit ihren Kindern an den Fenstern gestanden und sie dann in die Tiefe geworfen", sagte eine 30-jährige Frau. Über das Schicksal der Kinder war zunächst nichts bekannt.

Sicherheitsvorschriften

Ein Brand wie jener in London wäre in Österreich nicht denkbar. "In Österreich wäre das so definitiv nicht möglich", sagte Christian Feiler, Sprecher der Berufsfeuerwehr Wien.

"Es ist höchst dramatisch, dass buchstäblich ein ganzes Hochhaus brennt", sagte der Oberbrandrat. Für Österreich kann er sich einen solchen Vorgang, der in London vermutlich zahlreiche Todesopfer gefordert hat, unter normalen Umständen nicht vorstellen. Zu streng seien die Sicherheitsvorschriften, deren Umsetzung auch regelmäßig kontrolliert werde.

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