Lokalaugenschein bei den "Slumdogs"

India Daily Life
Foto: AP/Rafiq Maqbool Straßenkinder in Mumbai: Die Salesianer nehmen sie auf und bieten ihnen eine Zukunft. Weltweit leben Millionen Kinder auf der Straße

Alleingelassen und missbraucht: Für Kinder auf der Straße sind die Salesianer des Don-Bosco-Hilfswerks oft die einzige Hoffnung.

Mit sechs Jahren landete er auf der Straße, heute ist Mani vierzig und ein gemachter Mann. In der indischen IT-Metropole Bangalore leitet er ein Unternehmen, das Bibliotheken mit Software ausstattet. Seine harte Kindheit, die ein einziger Überlebenskampf war, hat er aber nicht vergessen.

Und die Menschen, die ihm eine zweite Chance eröffneten, ebenso wenig: Die Salesianer des Don-Bosco-Hilfswerks, die auch von der österreichischen Bruder-Organisation unterstützt werden.

„Als Mani geheiratet hat, sagte er zu mir: Du musst unbedingt kommen. Denn du warst für mich Vater und Mutter zugleich“, erzählt Pater George Mathew, der das Straßenkinder-Zentrum in Bangalore leitet.

straßenkinder, indien, salesianer… Foto: Walter Friedl „Vater und Mutter zugleich“: Pater George Mathew Er habe damals den Buben am Bahnhof aufgelesen. Irgendwie habe sich der Bursche in die Provinzhauptstadt durchgeschlagen. Woher er kam, konnte er nicht sagen, er wusste nicht einmal den Namen seines Vaters, seine Ursprungsfamilie konnte trotz aller Bemühungen nie gefunden werden. Doch unter den Fittichen der Geistlichen legte sich Mani gehörig ins Zeug – und machte seinen Weg.

„Pro Tag kommen 16 bis 17 Kinder in unsere sieben Zentren. Das sind rund 6000 pro Jahr“, sagt Mathew, der anlässlich des heutigen internationalen Tages der Straßenkinder auf Einladung des Hilfswerks der Salesianer, „Jugend Eine Welt“, zu Besuch in Wien ist.

Allein in Bangalore, das mit zwölf bis vierzehn Millionen Einwohnern aus allen Nähten platzt, leben rund 100.000 Kinder auf der Straße. Weltweit sind es geschätzt an die 100 Millionen. Sie sind ständig auf der Suche nach Essbarem und einer notdürftigen Schlafstelle für die nächste Nacht.

Sex-Industrie

„Überall lauern Gefahren. Vor allem Mädchen, aber auch Burschen werden oft als Prostituierte in der Sex-Industrie missbraucht, andere werden von der Drogenmafia als Boten angeheuert. Wenn sie aussteigen wollen, werden viele getötet, damit sie niemanden verpfeifen können. Wieder andere werden als Bettler losgeschickt und müssen den Großteil des Geldes der dahinterstehenden Organisation abliefern“, erzählt der Priester.

Die Gründe, warum Kinder auf der Straße landen, seien vielfältig. „Die meisten kommen aus ländlichen Gebieten, weil die Familien zu arm sind, alle Mitglieder zu versorgen.“

Wie Shameem, der in seinem zehnten Lebensjahr als blinder Passagier im Zug 1200 Kilometer nach Mumbai fuhr. Dort nahmen ihn ebenfalls Salesianer-Pater auf, nach Recherchen wurde seine Heimatregion eruiert und Shameem zunächst nach Bangalore überstellt.

Doch die Betreuer in der Millionenstadt waren ratlos: „B-Shop“, wie der Bub seinen Geburtsort nannte, gibt es nämlich nicht.

Shameem blieb also in einem der Betreuungszentren und ging wieder zur Schule. Danach absolvierte er eine zweijährige Zimmermann-Ausbildung – und fand dabei zufällig wieder zurück zu seinen Wurzeln: Denn ein anderer Lehrling stammte ebenso aus „B-Shop“. Und der wusste das Rätsel zu lösen. „B-Shop“ ist die verkürzte Bezeichnung der lokalen Bevölkerung für einen Ort nahe einer Goldmine, die während der britischen Kolonialzeit betrieben wurde. Die Bezeichnung leitete sich von „Beer-Shop“ ab.

Nach einer sieben Jahre dauernden Odyssee kehrte Shameem so zu seiner Familie zurück und betreibt in seinem Dorf nun ein eigenes kleines Unternehmen: eine Tischlerei. Sein Lieblingsmöbel ist übrigens das Bett. Denn auf das hatte er während seiner Zeit als Straßenkind lange verzichten müssen.

Spendenkonto: Jugend Eine Welt – Don Bosco Aktion Österreich. Konto 24000,BLZ. 36.000

Hintergrund

KURIER-Leser spendeten: „Eine nachhaltige Investition“

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Foto: KURIER /gruber franz

Concordia.„Irgendwann will ich für die Wiener Philharmoniker spielen.“ Catalin Batu, 21, studiert seit Oktober 2012 in Wien Musik. Bis dahin, schränkt der junge Rumäne ein, sei es noch ein weiter Weg. Eine sehr weite Strecke hat er in seinem Leben schon zurückgelegt – betreut, gefördert und gefordert vom Verein „Concordia Sozialprojekte“.

Mit elf Jahren kam Catalin in die „Stadt der Kinder“, die Pater Georg Sporschill rund 60 Kilometer von Bukarest entfernt gegründet hat.

Zuvor war er wie seine sieben Brüder in einem staatlichen Heim untergebracht gewesen. Der Alltag war trist. Bildung war ihm verwehrt geblieben.

Für Catalin eröffnete sich in der „Stadt der Kinder“ ein neuer Horizont, jener der Musik. „Ich spiele Horn. Seit kurzem Wiener Horn“, erzählt er. Was der Unterschied sei? „Der Klang“, sagt er, „macht für mich den größten Unterschied aus.“

Catalin besuchte mit Ulla Konrad, die die sozialpädagogischen Agenden von „Concordia“ leitet, den KURIER, um sich bei den Lesern zu bedanken. Zu Weihnachten waren sie aufgerufen worden, für „Concordia“ zu spenden. Konrad konnte von KURIER-Geschäftsführer Thomas Kralinger und der stellvertretenden Chefredakteurin Martina Salomon einen Scheck über 19.849 Euro entgegennehmen. Konrad: „Wir wollen uns sehr herzlich bei allen bedanken. Junge Menschen wie Catalin zeigen, dass das eine nachhaltige Investition ist.“

Pater Georg Sporschill kämpft seit 22 Jahren für Straßenkinder in Osteuropa. Der heutige „Tag der Straßenkinder“ ist auch ein Tag für Sporschill und „seine“ 900 Kinder, die „Concordia“ in Bulgarien, Rumänien und in Moldawien betreut.

Spendenkonto: Concordia Sozialprojekte, Raiffeisenbank Wien; Kontonummer.: 7034499, Bankleitzahl: 32000

www.concordia.or.at

(kurier) Erstellt am
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