Chronik | Welt
26.06.2017

Leichnam von Salvador Dalí wird für Vaterschaftstest exhumiert

Es soll überprüft werden, ob der weltbekannte und 1989 verstorbene Maler der biologische Vater einer Frau aus Katalonien ist.

Fast drei Jahrzehnte nach dem Tod des spanischen Künstlers Salvador Dalí sollen für einen Vaterschaftstest die sterblichen Überreste exhumiert werden. Eine Richterin in Madrid ordnete am Montag die Exhumierung des 1989 verstorbenen Malers an. Es soll überprüft werden, ob der weltbekannte Künstler der biologische Vater einer Frau aus Katalonien ist.

Die Spanierin Maria Pilar Abel Martinez behauptet, der Maler sei ihr leiblicher Vater. Salvador Dalí habe sie während einer Affäre mit einem Dienstmädchen im Jahr 1955 gezeugt.

Weil keiner der persönlichen Gegenstände des Künstlers für eine Überprüfung der möglichen Vaterschaft geeignet und auch ansonsten keine körperlichen Überreste auffindbar seien, habe sich der Richter dazu entschieden, Salvador Dalís Totenruhe zu stören.
Der Fall ist ungewöhnlich, doch auch in Deutschland wäre das Verfahren beispielsweise gleich: 2014 entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, das Recht der Kinder auf Feststellung der Vaterschaft sei wichtiger als die Totenruhe.
Der Nachwelt blieb Dalí nicht nur wegen seiner ständig wiederkehrenden Motive des Eis und der schmelzenden Uhren, sondern auch wegen seines ausgefallenen Schnurrbarts in Erinnerung. Er wusste nicht nur sein Werk, sondern auch sich selbst zu verkaufen. Über Selbstzweifel schien er erhaben gewesen zu sein. "Ich bin der Surrealismus", behauptete er. Zugleich war Dalí ein begnadeter Provokateur. Im sittenstrengen Spanien führte er eine Blondine nackt an einem Hundehalsband durch ein Dorf. Einem Werk gab er den Titel: "Manchmal spucke ich voller Freude auf das Bild meiner Mutter."
Einen wesentlichen Anteil am Erfolg Dalís hatte dessen Frau Gala. Die gebürtige Russin war die Muse und Managerin des Künstlers und hielt dessen Spleens in Grenzen. Im Laufe der Zeit wurde die Beziehung der beiden jedoch immer absonderlicher. Gala umgab sich im Schloss Pubol, das der Maler für sie erstanden hatte, im hohen Alter mit jungen Liebhabern. Dalí, der intimen Körperkontakt verabscheute, zog sich in den Fischerort Port Lligat zurück und versammelte einen "Hofstaat" von teils zweifelhaften Gestalten um sich.
" Dalí war ein großer Maler, aber kein Genie", lautet das Fazit, zu dem der Biograf Ian Gibson kam. Nach Ansicht des irischen Historikers hatte der Künstler seine beste Zeit von 1926 bis 1938. Danach habe er sich wiederholt und sei zu einem "besessenen Showman" geworden. Die Ursache des Niedergangs sieht Gibson darin, dass der Künstler seine homosexuellen Neigungen nicht eingestehen wollte. So sei die Kunst zu einer Maske geworden, hinter der Dalí seine Ängste verbergen wollte.
Rätsel gab der Künstler mit seiner politischen Haltung auf. Als junger Mann verkehrte er in linken Kreisen, später äußerte er Bewunderung für Adolf Hitler und arrangierte sich mit dem spanischen Diktator Francisco Franco (1939-1975). Die Historiker gehen überwiegend jedoch nicht davon aus, dass Dalí ein Faschist war. Sie betrachten die Rechtslastigkeit des Künstlers eher als eine Art von Opportunismus, die es ihm ermöglichte, sich daheim an der Costa Brava ungestört seiner Kunst zu widmen.