Kulinarische Revolution auf Kuba

A man unloads a car loaded with lettuce for wholes
Foto: REUTERS/DESMOND BOYLAN Salateinkauf in Havanna - immer mehr  Gastronomen setzen dort auf leichte Kost.

Bis zur Öffnung Kubas gab es beinahe ausschließlich staatliche Restaurants - mit fettigem Essen und mäßigem Service. Inzwischen wächst die gesunde Konkurrenz. Ein Land im Wandel.

Ein Teller mit buntem, frischem Salat steht vor Ramon Alfonso. "Das ist meine erste Begegnung mit veganem Essen", sagt der 65-Jährige, während er im "Cafe Bohemia" in Havannas in seinem Kohl stochert. Ihm schmeckt das Essen, das derzeit in Kuba Einzug hält. Seit der Annäherung des kommunistischen Landes an den ehemaligen Erzfeind USA erleben er und seine Landsleute eine kulinarische Revolution.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Alfonso hat in seinem Heimatland viele politische Veränderungen durchgemacht. Die Küche des Inselstaates blieb dabei immer gleich: Reis, Bohnen, Fleisch - diese Zutaten überlebten auch die jahrelange Wirtschaftskrise. Salat sei er "einfach nicht gewöhnt", sagt der alte Mann nun etwas verlegen. "Aber er ist lecker und gesünder." Zudem passe die leichte Kost besser zum tropischen Wetter.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Die Touristen scheinen das ähnlich zu sehen: Traditionelle Gerichte wie "Vaca frita" und "Ropa vieja" - in Tomatensauce mariniertes und frittiertes Kalbs- oder Rindfleisch - stehen zwar noch auf den Speisekarten der Restaurants, die Nachfrage nach gesünderem Essen wächst aber stetig. Junge Gastronomen setzen deshalb statt auf die traditionell eher kalorienreichen Speisen auf frische und leichte Gerichte.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE In der Küche des "Versus 1900" präsentieren Küchenchef Alain Prieto und sein Kollege Omar Gil stolz ihr selbst angebautes Bio-Gemüse. Es riecht nach Rosmarin, Gil bereitet knusprige, vegetarische Tempura vor. "Die Menschen ändern ihre Essensgewohnheiten", sagt der 23-jährige Prieto, "sie essen raffinierter".

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Für kubanische Verhältnisse sind Restaurants wie das "Versus 1900" oder das "Cafe Bohemia" absolute Neuheiten. Obwohl die Regierung schon vor fünf Jahren private Restaurants erlaubte, wird die gastronomische Veränderung erst mit den zahlreichen Touristen sichtbar, die inzwischen auf den Terrassen in Havanna sitzen. Dieses Jahr werden rund vier Millionen Urlauber erwartet, viele davon aus den USA.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Bis zur Öffnung Kubas hatte es beinahe ausschließlich staatliche Restaurants gegeben - mit fettigem Essen und mäßigem Service. Inzwischen aber wächst die neue, gesunde Konkurrenz massiv: In einem staatlichen Restaurant in Havanna haben die vier Kellner nichts zu tun - das private "Cafe de las Letras" nebenan ist voll.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE "Staatliche Gastronomie hat nicht funktioniert", sagt die Köchin Annalisa Gallina. Vor drei Jahren kam die 37-jährige Italienerin nach Kuba, um für das "Cafe Bohemia" zu arbeiten. Bis vor kurzem, erzählt sie, sei Salat nur Dekoration am Tellerrand gewesen. Und für viele Kubaner habe das Motto gegolten: "Ohne Reis, Bohnen und Fleisch ist es kein Essen."

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Die Italienerin überrascht die Kundschaft mit ungewöhnlichen Saftmischungen: So rührt sie in Guavensaft Pfeffer und Basilikum, vermengt Karottensaft mit Ingwer oder Ananas mit Minze. Kubaner, die im Ausland waren, zeigen sich nach Gallinas Erfahrung am offensten für Neues - seit der Übernahme der Amtsgeschäfte von Staatschef Fidel Castro durch seinen Bruder Raul im Jahr 2008 wurden die Reisebestimmungen gelockert, Hunderttausende Kubaner haben seitdem das Essen in anderen Ländern probieren können.

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Das Interesse an neuen Gerichten spiegelt sich auch im Fernsehprogramm wider: Kochsendungen sind groß in Mode. Der Chef des kubanischen Gastronomie-Verbands, Eddy Fernandez, zeigt unterdessen Profiköchen, wie man traditionelle Gerichte neu interpretieren kann - "mit weniger Fett, Salz und Zucker und dafür mehr Obst und Gemüse".

CUBA-GASTRONOMY Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Fernandez gibt etwas Öl in eine Pfanne, fügt Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, gehacktes und vorgekochtes Rindfleisch hinzu und brät alles leicht an. Dann schmeckt er das Ganze mit einem Schuss Wein ab - fertig ist die neue, leichte Version von "Vaca Frita" - "frittierter Kuh". Das Umdenken ist nötig: In Kuba sind 45 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, zwölf Prozent leiden unter Fettleibigkeit.

11 Reise-Tipps für Kuba:

Im Salsa-Club durch die Nacht tanzen. Frisch gemixte Mojitos trinken. Im Oldtimer durch Havanna (Bild) cruisen. Doch die Zuckerinsel hält abseits dieses Touristenprogramms noch viel mehr bereit... 1.) Schalten Sie ab! Der vielerorts erschwerte Zugang zu Internet, vor allem außerhalb Havannas (Bild: Kapitol) erleichtert dieses Vorhaben. Ich selbst war das erste Mal in diesem Jahrtausend ein volles Monat gänzlich ohne Internet. 2.) Probieren Sie alle Köstlichkeiten des Landes! Heute Reis mit Bohnen, morgen Bohnen mit Reis? Ja, auch! Aber es gibt mehr zu entdecken, wenn Sie abseits von Touristenlokalen speisen. Vor allem privat wird regional und üppig gekocht, wie hier mit gebratenen Bananen, Maniok und einem frisch geschlachteten Huhn (Bild). 3.) Versuchen Sie, Spanisch zu sprechen - oder zumindest mit Händen und Füßen! Aus zwei simplen Gründen: Erstens werden Sie bei Zahlungen jeglicher Art weniger oft über den Tisch gezogen und zweitens begegnen Ihnen die Kubaner viel freundlicher - etwa, weil wir dadurch dieser Bäuerin helfen konnten, ihr ausgebüxtes Cochinito (Hausschweinchen) im Wald wiederzufinden. 4.) Leben Sie auf der Straße mit! Domino ist der liebste Zeitvertreib der Kubaner und wird im Freien an jeder Straßenecke (Bild: Trinidad) und in jedem Park gespielt. Stundenlang. Aber Achtung: Das traditionelle Spiel ist nichts für sanfte Gemüter. Lautstarke Wortgefechte gehören dazu, und es fliegen auch schon mal Dominosteine durch die Luft. 5.) Atmen Sie den Duft des Landes ein! Vor allem das Vinales-Tal (Bild: Bündel Zigarren) im Westen der Insel ist für seine Tabakfelder zu Recht berühmt. Auch als bekennender Nichtraucher sollte man einmal paffen, um herauszufinden, worin die Magie der kubanischen Zigarren liegt. 6.) Reisen Sie mit Gelassenheit! Seien Sie spontan und kombinieren Sie die Verkehrsmittel. Leihen Sie sich ein Fahrrad aus (Erfahrungswerte ca. 3 bis 5 kubanische Dollar pro Tag), fahren Sie mit dem Bus (kalkulieren Sie Wartezeiten beim Ticketkauf ein, Preis je nach Distanz) oder mieten Sie ein Auto. Pannen (Bild) sind da durchaus im Preis inbegriffen.... 7.) Tauchen Sie ein! Der bekannteste Strand der Insel, die Touristenhochburg Varadero an der Nordküste mit seinen breiten und malerischen Ständen, kann mit ein bisschen Glück auch menschenleer und für einen Zwischenstopp gut sein (Bild: Abendstimmung in Varadero). Die karibischen Gewässer im Süden sind aber wärmer. 8.) Entdecken Sie die Naturwunder! Kuba mag im Landesinneren auf den ersten Blick weniger spektakulär wirken, in den unzähligen Nationalparks und Schutzgebieten kreucht und fleucht es aber sehr, wie dieser handtellergroße Doppelfüssler vorzeigt. 9.) Lernen Sie Geschichte! An einem Regentag in Havanna empfiehlt sich ein halbtägiger Besuch im "Revolutionsmuseum". Über das gesellschaftliche System (Bild: Schulkinder in Baracoa) und die derzeitigen Verhältnisse lernt man aber am meisten, wenn man mit den Einheimischen spricht. 10.) Spielen Sie mit! Sieht man in den Dörfern, was kubanische Kinder und Jugendliche spielen, muss man sagen: Fußball läuft Fidel Castros geliebter Sportart Baseball den Rang ab. Man wird auch zum Mitspielen eingeladen (Bild: Kicken mit Jugendlichen in Baracoa). Die mitteleuropäische Mentalität lassen Sie aber besser am Spielfeldrand liegen: Denn die Spielkunst steht höher im Kurs als zu Siegen. 11.) Lassen Sie die Selfie-Stange zuhause! Wenn Sie nicht einen privaten Reise-Blog betreiben - oder so wie ich - von der Kollegin aus dem Reiseressort gebeten werden, aktuelle Bilder aufzutischen.... genießen Sie jeden Moment. (Bild: Promenade in Cienfuegos)

Kuba - ein Land im Wandel:

Kubaner sind davon überzeugt, dass ihr Boden den besten Tabak hervorbringt. Der Tabakanbauer Robaina produziert 5 Millionen Zigarren im Jahr, 10 Prozent davon darf er selbst verkaufen, 90 Prozent vertreibt der Staat. Auch Handarbeit sorgt für Qualität. Valle de Vinales in der Provinz Pinar del Rio, laut UNESCO "Kulturlandschaft der Menschheit". Wandmalerei im Valle de Vinales, "Mural de la Prehistoria", 1961 von Leovigildo Gonzales gemalt. Ein Biobauernhof. Schön langsam gibt es immer rmehr private Bauern. Endlose Strände... ... wo aber auch musiziert wird. Cadillac 1907... ... mit einer Art Autotelefon, einem Fernmelder. Im Museum der Revolution sind die Amerikaner Cretinos, in der Realität der Wirtschaft Kubas werden sie dringend gebraucht. Das Meisterwerk des Malers Pedro Pablo Oliva "Das große Blackout". Nach dem Ende der Sowjetunion war Kuba fast pleite und ohne Energieversorgung. Castro steht mit geschlossenen Augen da, während sein Lieblingsplatz, das Rednerpult, leer bleibt. So sah Oliva Staatschef Castro im Jahr 2000, als alten Opa. Das Bild ist nur in der Galerie des Künstlers zu sehen.

Havanna

Erstes US-Hotel auf Kuba seit der Revolution eröffnet

Bis 2020 will Kuba 85.000 neue Hotelzimmer bauen.

CUBA-US-TOURISM
Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE

Erstmals seit der kubanischen Revolution 1959 eröffnet auf der Karibikinsel wieder ein US-Hotel. Die Hotelkette Starwood Hotels & Resorts Worldwide übernahm am Dienstag das Four Points by Sheraton im Geschäfts- und Diplomatenviertel Miramar in der Hauptstadt Havanna.

CUBA-US-TOURISM Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE Das Gebäude gehört der staatlichen Firma Gaviota. Das US-Finanzministerium hatte Starwood vor dem historischen Besuch von Präsident Barack Obama im März als erstem US-Unternehmen die Erlaubnis erteilt, Geschäfte mit kubanischen Firmen zu machen.

A vintage car passes in front of the Four Points b… Foto: AP/Ramon Espinosa Starwood verhandelt derzeit mit zwei weiteren Staatsunternehmen über den Betrieb von Hotels im Zentrum Havannas. Seit dem Ende der Eiszeit zwischen den USA und Kuba legt der Tourismus auf der sozialistischen Karibikinsel kräftig zu. Im vergangenen Jahr besuchten 3,5 Millionen Urlauber das Land, in diesem Jahr sind es bereits über zwei Millionen. Bis 2020 will Kuba 85.000 neue Hotelzimmer bauen.

A U.S. flag and a flag of the Cuban military-run h Foto: REUTERS/ENRIQUE DE LA OSA CUBA-US-TOURISM Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE CUBA-US-TOURISM Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE

(apa, afp, kurier / dw) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?