Zwischen dem Ehepaar Kohl und der CDU bahnt sich ein Streit um 400-Aktenordner-Archiv an

© REUTERS/TOBIAS SCHWARZ

Kohl und Scheel
06/29/2014

Streit um das Erbe alter Herren

Die Ehefrauen sorgen für Ärger.

von Susanne Bobek

Die großen alten Politiker Deutschlands kriegen es vielleicht nicht mehr ganz mit, aber ihre wesentlich jüngeren Ehefrauen bringen sie in die Schlagzeilen. Ex-Bundespräsident Walter Scheel wird mit beinahe 95 Jahren in einem Pflegeheim betreut. Er ist dement. Seine Frau Barbara, 72, beanspruchte aber sein Büro und seinen Dienstwagen. Sie muss sich jetzt davon verabschieden.

Auch die 50-jährige Frau des heute 84-jährigen Wiedervereinigungskanzlers Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, sorgt für Aufregung. Laut Spiegel-Informationen ist sie drauf und dran, sich zur alleinigen Erbin des politischen Nachlasses ihres Mannes machen zu wollen. So ließ sie sich angeblich bereits Ende 2010 das Handarchiv des sehr kranken Altkanzlers aus dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Augustin bei Bonn in das Privathaus nach Oggersheim bringen. Das Handarchiv besteht aus 400 Aktenordnern. Offiziell wurde der Stiftung mitgeteilt, dass Kohl es für die Abfassung des vierten Bandes seiner Memoiren brauche. Doch in der CDU bezweifelt man, dass der alte Herr noch die Kraft findet, seine Erinnerungen zu vollenden. Stiftungsehrenpräsident Bernhard Vogel forderte Kohl und seine Frau auf, die Akten zurückzugeben.

Meike Kohl-Richter hat in einem Interview erklärt, dass sie die "alleinige Entscheidungsbefugnis" über den Kohl-Nachlass innehaben soll. Nach dem Streit mit Kohls Söhnen, Walter und Peter, die nicht einmal zur Hochzeit eingeladen worden waren und den Kontakt zum Vater abbrechen mussten, vermutete die Süddeutsche Zeitung, dass die neue Frau den Altkanzler isoliert. "Sie pflegt, schützt und kontrolliert ihn." Sie halte frühere Freunde und Vertraute auf Distanz.

Erst vor Kurzem wurden Geldüberweisungen von alten auf neue Privatkonten bekannt. Außerdem hat sich die Ehefrau vor Gericht die Herausgabe von 200 Tonbändern erstritten, die Grundlage für die Memoiren sind.

Scheel abgeschoben

Im Fall des demenzkranken ehemaligen Bundespräsidenten von 1974 bis ’79, Walter Scheel, hat sich das Bundespräsidialamt eingeschaltet. Der Leasingvertrag für den VW Phaeton wurde aufgelöst, Ehefrau Barbara, 72, dürfe das Fahrzeug nicht mehr nützen. Das Büro des ehemaligen Bundespräsidenten in Bad Krozingen wird mit 1. August geschlossen. Scheels Büroleiter muss künftig im Präsidialamt in Berlin arbeiten. Damit soll verhindert werden, dass sich Barbara Scheel einmischt.

Die Affäre ins Rollen gebracht hat der Träger des Pflegeheims, in dem Scheel betreut wird. Barbara Scheel dürfte dort für so viel Ärger mit dem Pflegepersonal gesorgt haben, dass das Bundespräsidialamt zu Hilfe gerufen werden musste.

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