Chronik | Welt
30.01.2018

Jessica – vom missbrauchten Straßenkind zur Spitalsleiterin

Internationaler Tag der Straßenkinder.Mit österreichischer Hilfe eröffnet eine engagierte Nonne Burschen und Mädchen neues Lebensperspektiven.

Als Teenager stand das Leben von Jessica an der Kippe. Zu Hause regelmäßig missbraucht, ging auch in der Schule bald nichts mehr. Schließlich nahm sie Reißaus, schmiss die Ausbildung, landete auf der Straße – und der Weg schien vorgezeichnet: Drogen, Prostitution, ein frühes Ende. Doch dann fand die damals 14-Jährige durch Zufall den Weg in die Salesianer-Einrichtung "Fundacion Don Bosco" in der ecuadorianischen Stadt Ambato, die sich um Straßenkinder kümmert. Jessica holte den Schulabschluss nach, schaffte es sogar an die Uni. Heute leitet sie nach einem Wirtschaftsstudium das San-Lorenzo-Spital.

Die Nonne Narciza Pazmino, die die Fundacion leitet, ist stolz auf "ihr Mädchen", wie sie bei einem Wien-Besuch dem KURIER sagte. Insgesamt 230 Kinder und Jugendliche betreut sie in dem Zentrum, 30 schlafen dort – in Ermangelung anderer Möglichkeiten. Neben psychologischer und sozialer Unterstützung durch Fachpersonal gibt es auch Lernhilfe für diejenigen, die sie brauchen.

"Das größte Problem ist das familiäre Umfeld, aus dem die Burschen und Mädchen stammen. Oft kennen sie von zu Hause nur Gewalt, und oft können die Eltern gar nicht lesen und schreiben. Sie schicken ihre Kinder schon früh als Schuhputzer etwa auf die Straße, damit sie Geld verdienen", sagt Schwester Narciza, deren Projekt von der österreichischen entwicklungspolitischen NGO "Jugend Eine Welt" (JEW) unterstützt wird. Auch als der Staat einmal monatelang nicht die Gehälter zahlte, sprang JEW ein.

Burgenländerin half mit

Tamir Alcazar kennt die Situation der Straßenkinder, derer alljährlich am 31. Jänner am internationalen Tag der Straßenkinder gedacht wird, bestens. "Ich habe wie schon 50 andere Österreicher zuvor von 2016 bis 2017 ein Volontariat in der Fundacion gemacht. Vor allem die Kluft Arm-Reich ist schon sehr auffällig und schockierend", sagt die heute 21-Jährige in akzentfreiem Deutsch.

Sie kam im Alter von sieben Jahren mit ihrer Mutter und dem österreichischen Stiefvater, der in dem Andenstaat Entwicklungshelfer gewesen war, von Ecuador nach Österreich. Jetzt studiert die Burgenländerin transkulturelle Kommunikation – und überlegt, selbst für länger als Entwicklungshelferin in ihre arme Ur-Heimat zu gehen.

SPENDEN: Jugend Eine Welt. Raiffeisen Landesbank Tirol. IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000.