Chronik | Welt
27.04.2017

Jared Kushner: Smart, aber nicht ganz sauber

Trumps Schwiegersohn und Berater im Dunstkreis dubioser Investoren.

Bubengesicht, freundliches Lächeln – Jared Kushner wirkt wie das Gegenbild seines Schwiegervaters Donald Trump. Was sie aber vereint: beide sind Geschäftsmänner und kamen mit Immobilien zu viel Geld. Diese Rolle könnte für Kushner, der zum Sonderbeauftragten im Weißen Haus avancierte und zu Fragen Israels und des Nahen Ostens beraten soll, problematisch werden. Reporter der New York Times deckten nun Geschäftsbeziehungen mit einem einflussreichen israelischen Familienclan auf, die einen Schatten auf seine Arbeit als Berater werfen. Doch alles der Reihe nach.

Kushner, ältester Sohn des Immobillienmagnaten Charles Kushner, der wegen Steuerhinterziehung und illegaler Wahlspenden ins Gefängnis musste, übernahm das Familienimperium mit 25 Jahren. In dieser Zeit lernte er Ivanka Trump kennen, das Paar hat mittlerweile eine Tochter und zwei Söhne.

Millionen-Darlehen

Zwischen 2012 und 2014 schloss Kushner mehrere Deals mit Raz Steinmetz ab, der ihm ein Darlehen im Wert von 550 Mio. US-Dollar gab. Laut Bloomberg investierte Steinmetz in 15 Bauprojekte in Manhattan, die Kushner gehören.

Sein israelischer Geschäftspartner ist aber auch Neffe von Beny Steinmetz. Er gilt als reichster Mann Israels, scheffelte mit Diamantenhandel und Rohstoffinvestments in Afrika ein Vermögen und lebt in Südfrankreich. Dort kam 2012 die Polizei vorbei, denn auf Ersuchen Guineas soll geprüft werden, ob Steinmetz, Mitbesitzer einer Eisenerz-Mine, korrekt Abbaulizenzen vergeben hat. Die Anfrage der Times, ob Jared Kushner die geschäftlichen Zusammenhänge der Steinmetz’ kannte und vor Abschluss des Darlehens prüfte, ließen die Sprecher von "Kushner Companiers" unbeantwortet. US-Medien sehen jedenfalls ein massives Problem in seinen Geschäften mit Israels einflussreichem Familienclan und seiner Rolle als politischer Vermittler.

Verflechtungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Trumps Schwiegersohn mit seinen geschäftlichen Verflechtungen in Kritik gerät. Mit seiner neuen Aufgabe gab der 36-Jährige zwar seinen ranghohen Posten im Family-Business auf, dennoch streicht er weiter Profite von Beteiligungsgesellschaften ein.

Zuletzt soll eine seiner Firmen 400 Mio. Dollar (etwa 375 Mio. Euro) aus einem Immobiliendeal mit einem chinesischen Unternehmen erhalten haben. Zudem war eine Beteiligung an einer "neuen Partnerschaft" vorgesehen. Dabei ging es um den Verkauf eines Wolkenkratzers an der Fifth Avenue. Damals wies ein Unternehmens-Sprecher einen Interessenskonflikt zurück: Kushner hätte seine Beteiligung an dem Gebäude bereits seit längerem verkauft. Ob sich der "Schwiegerminister" elegant aus der aktuellen Affäre rauswinden kann, wird sich zeigen. Dafür braucht es vermutlich mehr als ein nettes Lächeln.