Chronik | Welt
15.02.2018

Jacob Zuma hinterlässt einen Scherbenhaufen

Der Ex-Präsident muss mit einer Flut von Korruptionsanklagen rechnen.

Die Ära Jacob Zuma ist Geschichte. Der am Mittwoch zurückgetretene Präsident hinterlässt einen Scherbenhaufen in Südafrika.

Zuma war 2009 an die Macht gekommen. Als Präsident überlebte er unzählige Skandale und wurde 2014 sogar mit großer Mehrheit wiedergewählt. Hunderte Ermittlungsverfahren und acht Misstrauensvoten später musste der 75-Jährige gehen. Das Land sei unter Zumas Führung systematisch geplündert worden, hatte die einflussreiche Nelson-Mandela-Stiftung vor wenigen Tagen diagnostiziert.

Ramschniveau

Die Landeswährung Rand verfällt, fast jeder dritte Südafrikaner ist arbeitslos. Die Wirtschaft stagniert, das Einkommen ist so ungerecht verteilt wie sonst nirgendwo.

Als der ANC nach der Apartheid 1994 an die Macht kam, versprach er Beschäftigungszuwachs, höhere Einkommen und Verbesserungen für die schwarze Bevölkerung. Doch was blieb, sind eine Volkswirtschaft auf Ramschniveau, schlecht gebildete Bürger, extrem hohe Kriminalität, mangelnde Gesundheitsversorgung und ineffiziente Staatsbetriebe. Die soziale Ungleichheit – insbesondere zwischen Schwarzen und Weißen – ist gestiegen.

Doch Präsident Zuma schien sich in den vergangenen neun Jahren immer weniger für die Anliegen seines Volkes zu interessieren – was ihn zu kümmern schien, waren seine Privatangelegenheiten. Etwa der Ausbau seiner Residenz im Süden des Landes. Für die "Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen", wie es hieß, brauchte er 250 Millionen Rand (17,2 Mio. €) – genommen aus der Staatskasse.

Um an der Macht zu bleiben, hielt er durch Gefälligkeiten die Anführer verschiedener Gruppen bei Laune. Besonders begünstigt waren seine Freunde, die Gupta-Brüder. Die beiden haben mit Staatsunternehmen lukrative Geschäfte gemacht – ebenfalls zulasten der öffentlichen Hand. Eine Schlüsselrolle dabei übernahm Zumas Sohn Duduzane. Die Unternehmer-Brüder belohnten ihn mit Direktorenposten in ihrem Imperium, wenn er ihnen Geschäfte zuschanzte. Sie zahlten seine pompöse Hochzeit, eine Wohnung und luxuriöse Reisen.

Zumas Zukunft

Bei einer Aufhebung seiner Immunität hat der ehemalige Staatschef nun mit einer Flut von Anklagen wegen Korruptionsverdacht zu rechnen. Es gäbe aber eine Möglichkeit, diese zu verhindern: Wenn er mit einer neu gegründeten Partei ins Parlament einzöge. Punkten könnte er in ländlichen Regionen, in denen er seine Verbündeten weiß.

Möglich wäre aber auch ein Verbleib Zumas im ANC. Denn dort hat er immer noch zahlreiche Freunde. In alter Manier könnte er sich mit ihnen seine Immunität ausverhandeln.