"Es hätte nicht besser laufen können", freute sich  der Projektverantwortliche des Schiffseigners Costa, Franco Porcellacchia.

© APA/CLAUDIO GIOVANNINI

Italien
09/17/2013

Wrack der Costa Concordia aufgerichtet

Die erste Phase der Bergung ist abgeschlossen. Jetzt wird nach den zwei Toten gesucht, die sich nach wie vor auf dem Schiff befinden sollen.

Die spektakuläre Operation zur Bergung des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" ist am Dienstag in der Früh erfolgreich abgeschlossen worden. "Das Schiff ist wieder in einer aufrechten Position", sagte der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, um 4.00 Uhr Früh auf der Insel Giglio. Das 290 Meter lange Schiff war 19 Stunden lang mit Stahlseilen aufgerichtet worden.

"Es hätte nicht besser laufen können", sagte der Projektverantwortliche des Schiffseigners Costa, Franco Porcellacchia, am Dienstag in der Früh vor Journalisten. Der Zivilschutzchef und Vertreter der Bergungsteams umarmten sich, im Hafen von Giglio "applaudierten" Schiffssirenen.

Nach der Aufrichtung der Costa Concordia haben die Techniker am Dienstag begonnen, die Lage des Wracks zu überprüfen. Außerdem beginnt die Suche nach den beiden Toten, die sich nach wie vor in dem Schiff befinden. Ingenieur Franco Porcellacchia versicherte, dass die Aufrichtung gelungen sei, ohne dass schädliche Stoffe aus dem Wrack ins Meer gelandet seien. Außerdem beginnt die Suche nach den beiden Toten, die sich nach wie vor in dem Schiff befinden. Dabei handelt es sich um die sterblichen Überreste der italienischen Passagierin Maria Grazia Tricarico und des indischen Crew-Mitglieds Russel Rebello.

Die erste Phase der Bergung im "Zeitraffer":

The damaged side of the capsized cruise liner Cost

The damaged side of the capsized cruise liner Cost

ITALY ACCIDENTS COSTA CONCORDIA SALVAGE EFFORT

The damaged side of the capsized cruise liner Cost

EPAepa03272694 Titan-Micoperi rig is seen near the Costa Concordia off the Isola del Giglio, Italy, 19 June 2012. Costa Concordia salvagers have indicated that the operation, that involves the refloating and towing away thw shipwreck, will take a full yea

EPAepa03272702 Titan-Micoperi rig is seen near the Costa Concordia off the Isola del Giglio, Italy, 19 June 2012. Costa Concordia salvagers have indicated that the operation, that involves the refloating and towing away thw shipwreck, will take a full yea

EPAepa03272700 Titan-Micoperi rig is seen near the Costa Concordia off the Isola del Giglio, Italy, 19 June 2012. Costa Concordia salvagers have indicated that the operation, that involves the refloating and towing away thw shipwreck, will take a full yea

EPAepa03272701 Salvage vessels are seen near the Costa Concordia off the Isola del Giglio, Italy, 19 June 2012. Costa Concordia salvagers have indicated that the operation, that involves the refloating and towing away thw shipwreck, will take a full year

EPAepa03272697 Titan-Micoperi rig is seen near the Costa Concordia off the Isola del Giglio, Italy, 19 June 2012. Costa Concordia salvagers have indicated that the operation, that involves the refloating and towing away thw shipwreck, will take a full yea

EPAepa03194329 (FILE) A file photo dated 31 January 2012 of the listed Costa Concordia cruise ship off the coast of Giglio Island (Isola del Giglio), Italy. Three months after the tragedy of the Costa Concordia cruise ship off the Italian coast the cruise

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Risiko-Bergung

Es handelte sich um eine einzigartige Aktion mit dem Risiko, dass die "Costa Concordia" auseinanderbrechen würde. Der 114.500 Tonnen schwere Kreuzfahrtriese musste aus seiner eingekeilten Lage zwischen zwei Felsen befreit und um insgesamt 65 Grad gedreht werden. Dies wurde in mühevoller Kleinarbeit vollbracht: Millimeter für Millimeter wurde der Koloss mit Seilen, Flaschenzügen und Schwimmkörpern in eine aufrechte Position gebracht. Das Schiff lag seit Jänner 2012 in einer fast waagerechten Position vor der toskanischen Küste im Meer, nachdem es dort auf einen Felsen gefahren und gekentert war.

Nach der erfolgreichen Aufrichtung soll das Wrack mittels schwimmenden Containern gehoben werden, damit es in einen Hafen geschleppt werden kann. Dies soll aber erst im Frühjahr passieren, da die Winterstürme abgewartet werden sollten. Die Kosten der Bergeaktion, an der 500 Arbeiter beteiligt sind, werden mit 600 Millionen Euro beziffert.

Umweltschutz

Die Bergeaktion hatte am Montag in der Früh mit Verspätung begonnen, auch ihr Abschluss verzögerte sich mehrmals. Bei der Aktion wurde besonderer Wert darauf gelegt, eine Verschmutzung des Meeres zu vermeiden. Die Leiterin des Umweltbeobachtungszentrums der Insel Giglio, Maria Sargentini, sagte, dass die Gewässer rund um das Wrack jede Stunde untersucht wurden, um einen etwaigen Austritt umweltschädlicher Stoffe zu erkennen.

Bei dem Schiffsunglück im Jänner 2012 waren 32 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Leichen, die im Wrack vermutet wurden, konnten auch am Montag nicht gefunden werden. Die Bergungsteams hoffen, sie nach dem Aufrichten noch ausfindig zu machen. An Bord des Urlauberschiffes waren mehr als 4000 Menschen gewesen, darunter 77 Österreicher. Kapitän Franceso Schettino muss sich wegen des chaotischen Rettungseinsatzes derzeit vor einem Gericht in Grosseto in der Toskana verantworten.

Premier Letta gratulierte zu erfolgreicher Bergung

Der italienische Premier Enrico Letta hat Zivilschutzchef Franco Gabrielli und den Technikern des italo-amerikanischen Konsortiums Titan-Micoperi zur gelungenen Aufrichtung des Wracks der "Costa Concordia" vor der toskanischen Insel gratuliert. "Wir sind auf all jene stolz, die an diesem Einsatz teilgenommen haben", twitterte der italienische Regierungschef. Auch Umweltminister Andrea Orlando feierte die Bergung des Schiffes. "Jetzt muss man das Wrack stabilisieren und es in einen Hafen bringen, wo es zerlegt werden kann", erklärte Orlando.

Die Bergung im Zeitraffer

Die Bergung im Detail

Costa Concordia auf Google Maps

Was, wenn das Schiff sinkt?

Die erste Phase der spektakulären Bergungsaktion ist erfolgreich abgeschlossen - das Schiff steht waagrecht im Wasser. Befürchtungen, das Schiff könnte auseinanderbrechen, haben sich vorerst nicht bewahrheitet. Doch das Risiko besteht weiter - im Frühjahr soll das Wrack gehoben und abgeschleppt werden.

Direkt vor der Insel Giglio liegt das Pelagos-Schutzgebiet. Es ist das größte seiner Art in europäischen Gewässern und ein Zufluchtsort für Delfine, Schweins- und Zwergwale. Grandiose Korallenriffe wachsen genau unterhalb des Ozeanriesen. „Und wenn dieses Riesenschiff großflächig in die Tiefe rutschen würde, radiert es über 200 Meter den gesamten Boden ab“, sagt der Meeresbiologe Gerhard Herndl von der Universität Wien. Ein Korallen-Kahlschlag wäre die Folge. Alle Bodenorganismen wären betroffen. „Das wäre ein Desaster, denn in der Folge würden auch die Fische abwandern.“ Bis sie wiederkehren, könnte es sehr lange dauern, ist der Wissenschaftler überzeugt.

Schon jetzt hat das maritime Ökosystem gelitten – Lärm und Schmutz der Bergungsarbeiten setzen ihm zu. Und das Wrack ist eine ökologische Zeitbombe, weil zwar der Treibstoff aus den Tanks abgepumpt worden ist, es aber noch jede Menge Diesel, Schmierstoffe, Chemikalien, Putzmittel und Farben enthält. Außerdem hat es nur drei Stunden vor der Katastrophe Verpflegung gebunkert, um 4229 Gäste zehn Tage lang durchzufüttern. Die verrottet nun im Bauch des Schiffes.

Giglio aber lebt vom sauberen Meer, deshalb soll das Schiff nicht vor Ort zerlegt, sondern als Ganzes aus dem Meeresschutzgebiet abgeschleppt werden, hat das italienische Umweltministerium verfügt. Danach plant man, den Meeresboden abzusaugen, Unterwasserpflanzen neu anzusiedeln und die Plattformen zu entfernen. Sogar alle Bohrlöcher, die in den Meeresboden getrieben wurden, müssen wieder verfüllt werden. So steht es im Bergungsvertrag. Kein Wunder, dass die Kosten mittlerweile von 236 auf eher 500 Millionen Euro gewachsen sind. Zahlen muss der Schiffseigner Costa Cruises.

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