Chronik | Welt
08.07.2017

Italien: Tausende bei Demo gegen Impfpflicht für Kinder

Nationale Kundgebung im norditalienischen Pesaro. Impfverweigerer beschuldigen Regierung, im Dienst der Pharma-Lobbys zu stehen.

Rund 10.000 Italiener haben am Samstagnachmittag gegen eine von der italienischen Regierung eingeführte Impfpflicht für Kinder demonstriert. Die Demonstranten in der norditalienischen Stadt Pesaro plädierten für die Abschaffung der Impfpflicht und für das Recht der Eltern, frei zu entscheiden, ob sie ihre Kinder impfen wollen oder nicht.

Eltern könnten Sorgerecht verlieren

"Freiheit, Freiheit!" skandierten die Demonstranten, zum Großteil Eltern mit Kindern. Umstritten ist vor allem, dass Eltern nicht geimpfter Kinder beim Jugendamt gemeldet werden und auch das Fürsorgerecht verlieren können. Auf sie kommen Bußgelder von bis zu 7.500 Euro zu. Die Impfpflicht gilt für insgesamt zehn Krankheiten, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Nicht geimpfte Kinder im Alter bis zu sechs Jahren werden künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Die Impfpflicht gilt ab dem kommenden Schuljahr, das im September beginnt.

Die Demonstranten in Pesaro bestritten eine Masern-Epidemie in Italien, die die Einführung einer Impfpflicht rechtfertige. In den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, bestehe keine Impfpflicht. Die Impfverweigerer beschuldigten die Regierung, im Dienst einflussreicher Pharma-Lobbys zu stehen.

Wegen des Verdachts eines Zusammenhangs von Impfungen mit einer Zunahme von Autismus-Fällen ist die Zahl der Impfgegner in Italien stark gestiegen. Die Wirksamkeit von Vakzinen sei nicht bewiesen, Impfschäden würden gezielt verschwiegen, erklären sie.

Ministerin erfährt Gegenwind

Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hatte sich seit Wochen für die Impfpflicht stark gemacht - zum Teil gegen den Widerstand aus dem Bildungsministerium, aber vor allem gegen den Protest der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung. Diese sieht in dem Gesetz ein "Geschenk für die Pharmaindustrie".