Chronik | Welt
18.04.2017

Bürgermeister von Amatrice verjagte "Selfie-Touristen"

Touristen hatten vor den Ruinen der vom Erdbeben zerstörten Ortschaft posiert und Fotos gemacht.

Touristen, die am Osterwochenende die vom Erdbeben am 24. August zerstörte Ortschaft Amatrice besuchten, haben den Ärger des Bürgermeisters Sergio Pirozzi zu spüren bekommen. Pirozzi verjagte Touristen, die Selfies vor den Erdbebentrümmern machten. "Touristen sind willkommen, niemand soll sich jedoch vor den Trümmern dieser Gegend fotografieren", protestierte der Bürgermeister.

Dies sei respektlos gegenüber den Opfern der Katastrophe. Bei dem Erdbeben in Amatrice hatten 238 Menschen das Leben verloren. Mehrere Touristen besuchten am Wochenende die Umgebung von Amatrice. "Ich appelliere an Besucher, unsere wunderbare Berge zu entdecken. Touristen sollen sich jedoch nicht vor den Trümmern fotografieren lassen, sonst werden sie es mit mir zu tun bekommen", so der für sein Temperament bekannte Pirozzi.

Tourismus hofft auf Neustart

Nach schweren Umsatzeinbrüchen in den vergangenen Monaten hoffen die mittelitalienischen Regionen Umbrien und Marke mit einem Neustart. Zu Ostern füllten sich die Hotels und die Restaurants der Gegend. Die Touristikbranche hofft auch auf Buchungen für den Sommer nach den schweren Verlusten der vergangenen Monaten.

Viele Unternehmen sehen im Erdbeben eine Möglichkeit zum Neustart. Diesen Willen zum Neubeginn will die Regierung unterstützen. Der Ministerrat in Rom verabschiedete vergangene Woche Maßnahmen, die den Wiederaufbau im Bebengebiet beschleunigen sollen. Davon soll auch der Tourismus profitieren.

Vorgesehen sind bürokratische Vereinfachungen für Unternehmen, die nach dem Erdbeben ihre Produktionswerke wieder in Betrieb nehmen wollen, sowie die Befreiung von Steuern. Gemeinden in der Erdbebenregion, die Aufträge für die Errichtung neuer Gebäude oder die Restaurierung von Immobilien ausschreiben wollen, sollen dies mit einer schnelleren Abwicklung tun können. Auch die Anstellung von Personal in den vom Erdbeben betroffenen Gemeinden soll erleichtert werden.