Chronik | Welt
02.07.2018

Indiens weiße, weise Frauen sind spirituell und höchst effizient

Brahma Kumaris: In den ärmsten Regionen Indiens gibt es Frauen, die das Leben für alle leichter machen.

„Die Welt ändert sich nur, wenn wir uns ändern“, sagt Anne Bonin, eine Pharmamanagerin, die bei den weißen Frauen Indiens, den Brahma Kumaris, durch Meditation neue innere Kraftfelder sucht. „Man wird bewusster, Geist und Intellekt sind klarer, man kann schneller Entscheidungen treffen, Probleme überwinden und auch anderen helfen, stabil zu bleiben.“

Die spirituelle Universität der Brahma Kumaris liegt in Rajasthan am Mount Abu in Indien. Geleitet wird sie von der inzwischen 102-jährigen Dadi Janki, die 1916 in Hyderabad in Pakistan geboren wurde. Ihre große Stütze und Nachfolgerin ist Schwester Jayanti. Beides charismatische Frauen, die durch Raja Yoga näher zu Gott und zum Licht kommen wollen und damit das irdische Leben leichter und wohl auch fröhlicher machen. In dieser Welt sind alle Religionen willkommen, ob Buddhisten, Christen, Juden oder Muslime. Auch Männer dürfen bei den Frauen mittun, denn die Frauen tragen nach einem alten chinesischen Sprichwort eben nur „das halbe Himmelsgewölbe“.

Die Doyenne unter den Kulturjournalisten, Koschka Hetzer -Molden, hat einen beeindruckenden Film über die Weißen Frauen gemacht, der am Dienstag in der ORF-Sendung kreuz und quer ausgestrahlt wird. Hetzer-Molden kam vor 20 Jahren das erste Mal zu den Brahma Kumaris und dann immer wieder. Sie bewundert, wie die Frauen ohne großes Tamtam Spitäler und Krankenstationen, Schwesternschulen und ein solarthermisches Kraftwerk errichtet haben. Für die Sonnenkollektoren bekamen sie etwa zwölf Millionen Euro Förderungen von der deutschen und der indischen Regierung. Das Kraftwerksprojekt wurde von einem gebürtigen Deutschen, Bruder Golo, vorangetrieben. Und im Spital arbeitet der Chefarzt ohne Honorar. 70 Prozent der Patienten werden gratis behandelt. Sie kommen oft über staubige Straßen von weit her. Nur jene 30 Prozent, die es sich leisten können, werden zur Kassa gebeten.

Die Brahma Kumaris sind also außerordentlich effizient, weltweit tätig und bestens vernetzt. Gegründet wurden sie 1936 von dem Juwelier Dada Lekhraj, der sein Vermögen den Frauen hinterließ. Das ist auch die einzige leise Kritik, die der Theologe Paul Zulehner an der Bewegung äußert, die er ansonsten ziemlich gut und authentisch findet. „Die weißen Frauen wurden von einem Mann gegründet.“

Suche das Gute in Dir

Die Lehre ist im Grunde einfach und doch höchst kompliziert: „Sieh Dich wie Du bist, suche eine Verbindung zum Göttlichen, erinnere Dich wieder an das Gute in Dir – und Dein Leben wird besser sein“, fasst es Schwester Jayanti zusammen. Die Menschen wollten sich wieder echten Werten zuwenden. Spiritualität könne helfen, Friede, Wahrheit, Liebe und Freunde wieder zu finden. Die Universität ist eine nicht staatliche Organisation mit beratendem Status im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und UNICEF. Für ihre Projekte erhielt sie unter anderem den Peace Messenger Award der UN.

Fernsehtipp: ORF 2, kreuz und quer, Dienstag, 3. Juli 23.30 Uhr