Chronik | Welt
23.11.2017

Holz gegen die Kälte, Zuckerl für die Hoffnung

Concordia versorgt Menschen in großer Armut mit Tierspenden und Brennholz, mit Kuscheltieren und Bonbons.

Zina zuckt mit den Schultern. Was soll sie denn schon tun? Ihr neunjähriger Sohn hat einen ansteckenden Ausschlag. Doch um die Medikamente zu besorgen, müsste sie nach Transnistrien. Das ist nicht nur ein weiter Weg, dazu bräuchte sie eine Genehmigung. Und ihren Sohn kann sie nicht so lange allein lassen.

Concordia-Mitarbeiterin Irene Rohringer lässt bei Zinas Worten den Blick durch den Raum schweifen, der Küche, Wohn- und Schlafraum für fünf Personen ist. Die Decke wölbt sich in der Mitte gefährlich nach unten. Nicht auszudenken, was beim nächsten Erdbeben passiert.

Irene Rohringer wurde erst vor Kurzem auf die Roma-Familie in Micăuţi aufmerksam gemacht. Zu Schulbeginn wurden die Kinder mit Schulsachen ausgestattet. Aber der Hilfsbedarf ist offenbar viel größer.
Zehn Minuten später sitzt die Waldviertlerin Irene Rohringer, die seit elf Jahren für Concordia in Moldawien arbeitet, wieder in ihrem Kleinbus. Zinas Familie war nur ein Stopp an diesem Tag. Es gibt noch einige andere Familien, bei denen sie nach dem Rechten sehen möchte.

Kein Strom, kein Wasser

Denn Handlungsbedarf gibt es für den Sozialverein Concordia in Europas ärmstem Land genug.

Schätzungen zufolge leben rund 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Nur ein Bruchteil der Landbevölkerung hat Strom und fließendes Wasser. Das Durchschnittseinkommen liegt bei rund 200 Euro. Gleichzeitig kostet ein Liter Öl einen Euro, ein Kilo Rindfleisch fünf bis sechs Euro.

Warme Mahlzeiten oder Brennholz sind oft ein nicht leistbarer Luxus. Deshalb betreibt Concordia übers Land verteilt 34 Sozialzentren mit Suppenküchen und beheizten Aufenthaltsräumen, teilweise mit Notschlafstellen.

Vor einem dieser Sozialzentrum in Mîndrești macht Irene Rohringer nun Halt. Sie nimmt einen Packen alter Zeitschriften aus dem Kleinbus und trägt ihn ins Bastelzimmer. Eines der Mädchen, die hier sitzen und Papierstreifen zu Kunstwerken machen, ist die 15-jährige Liuba. Wenn man sie sieht, wie sie gerade über einen Witz ihrer Sitznachbarin grinsen muss, würde man nicht vermuten, dass ihr Leben nicht sehr zum Lachen ist.
Liuba hat vor wenigen Monaten ihre Mutter verloren. Nun lebt sie mit ihrer jüngeren Schwester Andrea bei ihrem Vater Vladimir, den sie kaum kennt, weil er jahrelang versucht hat, in Russland Arbeit zu finden. Beim Begräbnis der Mutter hat er sich so verschuldet, dass er nicht weiß, wie er an Brennholz für den Winter kommen soll. Die Familie ist auf die Mahlzeiten und die beheizten Räume des Concordia-Sozialzentrums angewiesen und hoffen auf eine Brennholz-Spende.

Eine Milchkuh für Maria

Oft hilft Concordia mit Tierspenden aus. Eine Kuh hat unlängst die neunköpfige Familie von Maria in der Gemeinde Ghetlova bekommen. Auch ihr stattet Irene Rohringer noch einen Besuch ab. Obwohl es nur wenige Grad über null hat, trägt Maria nur eine dünne Weste und ihre bloßen Füßen stecken in Schlapfen. Der Mann findet schwer Arbeit, erzählt Maria und das Dach müsste ausgebessert werden.

Der sechsjährige Viktor lugt derweil hinter seiner Mama hervor. Irene Rohringer lächelt ihn an und schenkt ihm ein paar Bonbons.

Er steckt eines in den Mund – und grinst.

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die Hoffnung geben und den Alltag erträglicher machen.

Daten und Fakten zum Verein

Der Verein „Concordia Sozialprojekte“ wurde 1991 vom Jesuitenpater Georg Sporschill gegründet, um Straßenkindern in Rumänien zu helfen. Heute ist der Verein in Rumänien, Bulgarien und Moldawien aktiv und betreut neben Straßenkindern unter anderem Familien und Suchtkranke.

Moldawien gilt als ärmstes Land Europas. Die Lebenserwartung liegt bei 70,7 Jahren (Ö: 81,5). Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 28 Prozent (Ö: 10,6 Prozent).

Um zu helfen, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Spendenkonto: IBAN: AT663200000007034499.