Chronik | Welt
27.11.2017

Höchste Vulkan-Warnstufe: Rund 550 österreichische Touristen auf Bali

Auf der Ferieninsel Bali sind hunderttausend Menschen aufgerufen, sich wegen eines drohenden Ausbruchs des Vulkans Agung in Sicherheit zu bringen. Zehntausende Urlauber von Flugausfällen wegen riesiger Aschewolken betroffen. Österreichische Botschaft mit Mitarbeiter an Ort und Stelle.

Ein drohender Ausbruch des Vulkans Agung versetzt Bewohner und auch Urlauber auf der indonesischen Ferieninsel Bali in Alarmzustand. Die Regierung ordnete am Montag an, rund 100.000 Menschen müssten die Umgebung des Agung verlassen. Die Behörden riefen die höchste Warnstufe aus.

Der Vulkan im Livestream:

Laut Außenministerium halten sich derzeit rund 550 österreichische Touristen auf Bali auf. Noch am Sonntagabend wurde von der österreichischen Botschaft ein Mitarbeiter auf die bei Touristen sehr beliebte Ferieninsel entsendet. "Wir helfen vor allem bei der Logistik", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll. Insgesamt ist die Lage übersichtlich.

In Bali halten sich derzeit 350 registrierte und rund 200 nicht-registrierte Touristen auf. Verletzte oder andere Notfälle wie etwa medizinische Probleme gab es Schnöll zufolge keine.

Rund 40.000 Bewohner seien bereits aus dem Gefahrengebiet geflohen, teilte die indonesische Katastrophenschutzbehörde am Montag mit. Diese Zahl müsse jedoch noch mehr als verdoppelt werden.

Am Montag stieg die Aschewolke 3.400 Meter hoch in den Himmel. Die Behörden riefen deshalb bereits die höchste Warnstufe aus. Die Sperrzone wurde von sieben auf zehn Kilometer im Umkreis des Vulkans erweitert.

In nahegelegenen Dörfern ging Asche nieder, tausende Schutzmasken wurden an die Einwohner verteilt. Die zahlreichen Notunterkünfte füllten sich zusehends. "Ich bin beunruhigt, weil ich mein Haus zurückgelassen habe", sagte der 36-jährige Bauer Putu Suyasa, der ebenfalls geflohen war.

Es seien andauernd Erschütterungen zu spüren, berichtete der staatliche Vulkanologe Gede Suantika. Die Katastrophenschutzbehörde erklärte, der Asche-Ausstoß am Mount Agung sei gelegentlich begleitet von "explosiven Eruptionen" und einem "schwachen Dröhngeräusch". Nachts würden zunehmend Feuerstrahlen beobachtet. "Das deutet darauf hin, dass die Gefahr eines größeren Ausbruchs imminent ist."

Internationaler Flughafen geschlossen

Das größte Problem ist weiterhin, dass der internationale Flughafen der Insel nahe der Hauptstadt Denpasar geschlossen ist - hunderte Flüge wurden gestrichen. Es gibt zwar alternative Flughäfen, doch sind diese via Fähre und mit mehrstündigen Busfahrten erreichbar. Am Montag war noch nicht endgültig absehbar, wie lange die Sperre aufrecht sein wird.

Das Außenministerium empfiehlt, direkt die jeweilige Fluglinie bzw. das Reisebüro und gegebenenfalls die Reiseversicherung zu kontaktieren. Reisende sollen nach Möglichkeit in Ihrer Unterkunft bleiben und sich erst dann zum Flughafen aufmachen, wenn geklärt ist, ob der Flug stattfinden kann. Aktuelle Informationen des Flughafens gibt dieservia Twitterbekannt.

Schnöll appellierte, sich vor Fernreisen beim Außenministerium registrieren zu lassen. "Diese Personen konnten wir umgehend erreichen", sagte Schnöll. Dies kann online unterwww.reiseregistrierung.aterledigt werden.

Behörden riefen 100.000 Menschen zur Flucht auf

Aus Angst vor dem Vulkanausbruch hatten die Behörden auf der Insel Bali etwa 100.000 Menschen aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Anrainer von zwei Dutzend Dörfern rund um den etwa 3.000 Meter hohen Vulkan Mount Agung wurden am Montag aufgefordert, ihre Unterkünfte zu verlassen.

Wegen der Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs gilt die höchste Alarmstufe. Das Gebiet wurde im Umkreis von zehn Kilometern zur Sperrzone erklärt.

Der Vulkan Agung liegt 75 Kilometer vom beliebten Urlaubsort Kuta entfernt. Bali lockt jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Welt an. Im Flugverkehr kam es bereits am Wochenende zu Beeinträchtigungen. Am Montag wurde der Flughafen in der Inselhauptstadt Denpasar geschlossen. Bereits mehr als 59.000 Menschen waren von Flugstreichungen betroffen.

Flughafenmanager Yanus Suorayogi sagte, es müsse sichergestellt sein, dass auf den Start- und Landebahnen keine Asche liege. Der argentinische Urlauber Juan Gajun äußerte Unverständnis: "Wir müssen die Insel verlassen und können es nicht."

Laut Außenministerium sollte der Flughafen von Denpasar zunächst bis Dienstag um 7.00 Uhr Ortszeit geschlossen bleiben. Abhängig von der Wanderung der Aschewolke müsse jedoch mit weiteren Schließungen von Flughäfen und mit Flugstreichungen gerechnet werden. Der Flughafen auf der ebenfalls bei Urlaubern beliebten Insel Lombok östlich von Bali war am Sonntagnachmittag vorübergehend geschlossen worden.

Schon Mitte September hatten alle Anzeichen auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch hingedeutet. Mehr als 130.000 Menschen flohen damals aus ihren Dörfern im näheren Umkreis des Vulkans. Knapp 25.000 leben bis heute in Notunterkünften. Der Vulkan war zuletzt in den Jahren 1963 und 1964 ausgebrochen. Damals kamen etwa 1.200 Menschen ums Leben.

Vulkan auf Bali - Der vulkanische Hotspot der Erde

Auf der indonesischen Ferieninsel Bali sind hunderttausend Menschen aufgerufen worden, sich wegen eines drohenden Ausbruchs des Vulkans Agung in Sicherheit zu bringen. Indonesien hat Erfahrung mit dieser Bedrohung, denn das Land ist die Region mit der stärksten vulkanischen Aktivität weltweit. Bei wiederholten Vulkanausbrüchen starben dort in den vergangenen Jahrzehnten zehntausende Menschen.

In Indonesien befinden sich 129 aktive Vulkane. Das Land mit seinen mehr als 17.000 Inseln liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Dort stoßen tektonische Platten aufeinander, so dass sich besonders häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche ereignen.

Der rund 40.000 Kilometer umfassende Feuerring besteht größtenteils aus einer Reihe von Inselbögen wie den Aleuten, den Kurilen und dem indonesischen Archipel. Er verläuft im Osten von Chile über Peru und die Westküste der USA bis nach Nord-Alaska und im Westen von Japan über Südostasien bis zu den Pazifik-Inseln. Die Plattenverschiebungen verursachen Schwächezonen und Risse, durch die Magma an die Oberfläche gelangt.

Als aktivster und gefährlichster Vulkan Indonesiens gilt der Merapi auf der Insel Java, der zuletzt im Jahr 2010 ausgebrochen war. Damals starben mehr als 300 Menschen, rund 280.000 Menschen flohen. Bei einem Ausbruch 1930 waren 1.300 Menschen ums Leben gekommen.

Der nun in den Fokus geratene Agung hatte zuletzt 1963 für Angst und Schrecken gesorgt. Bei einer Reihe von Ausbrüchen starben damals fast 1.600 Menschen.

Besonders folgenschwer waren die Ausbrüche der Vulkane Tambora, Krakatoa und Kelud. 1815 brach der Tambora auf der Insel Sumbawa östlich von Bali aus, 12.000 Menschen wurden unmittelbar getötet. Der Ausbruch verursachte eine Hungersnot, der weitere 80.000 Menschen zum Opfer fielen.

1883 ereignete sich im zwischen den Inseln Java und Sumatra gelegenen Vulkan Krakatoa eine gigantische Explosion. Dabei wurden Gestein, Asche und Rauch 27 Kilometer hoch geschleudert und ein Tsunami ausgelöst. 36.000 Menschen starben.

1919 starben mehr als 5000 Menschen bei dem Ausbruch des Kelud auf Java. Seit dem 16. Jahrhundert gingen insgesamt rund 15.000 Tote auf das Konto des Kelud. Im Februar 2014 flohen wegen der Gefahr eines erneuten Ausbruchs 75.000 Menschen.