Rebekah Brooks, 46, wurde mehrmals in Untersuchungshaft genommen, aber letztlich freigesprochen. Ihr Naheverhältnis zum Premierminister ist unbestritten.

© REUTERS/SUZANNE PLUNKETT

Großbritannien
06/26/2014

Die gute Freundin des Premiers

Der britische Premier David Cameron kommt wegen seiner allzu innigen Medienkontakte stark unter Druck.

von Susanne Bobek

"David Cameron hat seine Beziehung zu Rupert Murdoch über das gestellt, was richtig ist", tobt Oppositionschef Ed Miliband. Der Regierungschef schulde dem Land eine Erklärung.

Rebekah Brooks, 46, die frühere Chefredakteurin der inzwischen eingestellten britischen Skandalzeitung News of The World und spätere Verlegerin und enge Vertraute von Rupert Murdoch, wurde am Dienstag in elf Anklagepunkten freigesprochen. Sie hätte es sich wieder einmal richten können, behaupten viele Zeitungsleute. Ihre Kontaktpflege mit den Mächtigsten gehöre zu ihrem "Geschäftsmodell". Dafür muss David Camerons früherer Pressesprecher Andy Couson vermutlich ins Gefängnis. Er war Brooks’ Nachfolger als Chefredakteur News Of The World, die zu Rupert Murdochs Medienreich gehörte.

Um an exklusive Geschichten zu kommen, wurden Handy-Mailboxen von Promis und Verbrechensopfern illegal abgehört, Polizisten bestochen und die Eltern eines ermordeten Kindes absichtlich in der Hoffnung gewogen, dass ihre kleine Tochter vielleicht noch leben könnte. Prinz William, Kate und Harry, Hugh Grant und Sienna Miller wurden abgehört. Während Coulson wegen Meineids noch vor Gericht muss, bekam Rebekah Brooks angeblich eine Abfertigung von umgerechnet 8,7 Millionen € plus ein Auto mit Chauffeur, als sie 2011 als Geschäftsführerin von Murdochs News International wegen des Skandals zurücktreten musste.

Englische Zeitungen berichten genüsslich, wie die hervorragende Reiterin David Cameron zur "schnellen, unberechenbaren Fahrt" gratulierte und dass der Premierminister ihr SMS-Nachrichten mit dem Gruß-Kürzel "lol" geschickt hat – weil er gedacht habe, dies bedeute "Lots of Love". Später zerrte die Staatsanwaltschaft einen von Brooks verfassten Liebesbrief ans Licht, der zeigt, dass sie eine Affäre mit Cousons Stellvertreter hatte. Ihr Ehemann Charlie, Trainer von Rennpferden und ebenfalls ein enger Freund des Premiers aus der Internatszeit in Eton, hatte in einer Tiefgarage versucht, einen Laptop verschwinden zu lassen. Die Anklage vermutete, auf der Festplatte hätten sie Beweise für Brooks Fehlverhalten finden können. Der Gatte wurde freigesprochen, weil er erklärte, er habe nur ein paar Porno-Bilder verschwinden lassen wollen.

David Camerons Freunde konnten ihren Kopf aus der Schlinge ziehen. Cameron entschuldigte sich für Couson. Ihn einzustellen, war "eine schlechte Entscheidung".

Ex-Chefredakteurin will nichts gewusst haben

Im Prozess zum Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung "News of the World" hat erstmals die frühere Chefredakteurin Rebekah Brooks ausgesagt, die von 2000 bis 2003 Chefin der inzwischen eingestellten Zeitung war.

Brooks leugnete laut BBC, von der Abhöraktion gewusst zu haben. Den Namen eines angeblich in die Affäre verwickelten Privatdetektivs wollte sie nicht gekannt haben. Auch neue Details zu den Arbeitsmethoden der Boulevard-Zeitung kamen ans Licht. So zahlte das Blatt 1995 insgesamt 250.000 US-Dollar an eine Prostituierte, um exklusiv deren Geschichte über eine Liaison mit Schauspieler Hugh Grant zu drucken.

Der Richter hatte die langjährige Vertraute von Medienzar Rupert Murdoch vor ihrer Aussage von einem der gegen sie erhobenen Bestechungsvorwürfe freigesprochen. Die weiteren Anklagepunkte bleiben bestehen: das Abhören von Telefonaten (u.a. von Paul McCartney und Jude Law), Bestechung von Beamten und Behinderung polizeilicher Ermittlungen.

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