Chronik | Welt
12.12.2011

Globaler Fahrplan zu weniger CO2-Ausstoß

Die Klima-Konferenz in Südafrika hat erstmals auch die großen Verschmutzer – USA, Indien und China – ins Klima-Boot geholt.

Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, als sie am Sonntag um 5:30 Uhr Früh endlich den Abschluss der Klimakonferenz in der Hafenstadt Durban verkünden konnte. Erstmals seit Beginn der Verhandlungen über eine Reduktion der klimaschädigenden Treibhausgas-Emissionen haben auch die großen Verschmutzer – USA, China und Indien – Zugeständnisse gemacht. "Durban hat Geschichte geschrieben", rief sie aus.

Sie willigten ein, an einem Weltklima-Vertrag bis 2015 mitzuarbeiten. Dieser soll ab 2020 rechtlich verbindliche Vorgaben für Reduktionen des -Ausstoßes vorschreiben (Details siehe unten). Erbittert hatten sich China und Indien bis zuletzt gegen die verbindlichen Zusagen gewehrt. Indiens Umweltministerin Jayanthi Natarajan drückte immer wieder die Sorge aus, dass zu starke rechtliche Hemmnisse für den CO2-Ausstoß das Wirtschaftswachstum bremsen würden. Bestieg sie das Podium in Durban, verfinsterten sich die Blicke der Delegierten der EU. Denn sie drohten sogar damit, die Konferenz platzen zu lassen, falls nicht alle Länder dem Fahrplan zu einem verbindlichen Welt-Klimavertrag zustimmen würden. Die Konferenz geriet zu einer Marathonsitzung, die mehr als 14 Tage dauerte.

Harte EU

"Unsere Beharrlichkeit hat sich gelohnt", sagte der österreichische Umweltminister Niki Berlakovich. Die EU-Delegierten hatten sich zunächst mit den Inselstaaten und den ärmsten Ländern der Welt auf den Weg zu einem verbindlichen Klimaabkommen verständigt. Damit waren 120 der 190 Teilnehmerstaaten in einem Boot. Gemeinsam wurde dann Druck auf die großen Länder ausgeübt.

Für Berlakovich ist das Ergebnis der Konferenz ein Durchbruch: "Alle machen mit. Würde nur die EU die Emissionen reduzieren, reicht das nicht aus, um die Welt lebenswert zu erhalten", betont der Minister.

Enttäuschung

Während die Delegierten die Konferenz als Durchbruch feiern, ist das Ergebnis für Umweltorganisationen eine Mogelpackung. Greenpeace glaubt nicht, dass der Fahrplan wirklich zu einem verbindlichen Weltklima-Abkommen führen wird. "Die Staatengemeinschaft ist den Menschen einmal mehr eine Antwort auf die dringend zu lösende Klimafrage schuldig geblieben. Mit einem solch schwachen Klimavertrag wird das 2-Grad-Ziel nicht zu erreichen sein", kritisiert Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser.

Enttäuschung auch beim WWF: "Unser Planet steuert nun auf eine Vier-Grad-plus-Welt zu, mit allen Katastrophen, die damit verbunden sein werden", warnte der österreichische WWF-Sprecher Franko Petri. Hinter der glänzenden Fassade einer neuen Vereinbarung verbergen sich kaum Inhalte.

Das 100-Seiten-Paket

Die wichtigsten Beschlüsse des insgesamt mehr als 100 Seiten umfassenden Pakets, das in Durban beschlossen wurde:

Kioto Das Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen, das 1997 im japanischen Kioto beschlossen und von 37 Industriestaaten unterzeichnet wurde, wird fortgeschrieben. Für die Kioto-Vereinbarung, die 2012 endet, wird wahrscheinlich erst bei der nächsten Klimakonferenz in Katar eine Nachfolgevereinbarung getroffen werden können.

Fahrplan Bis spätestens 2015 soll ein Abkommen stehen, das auch den Nicht-Kioto-Staaten verbindliche Emissions-Reduktionen vorschreibt. In Kraft treten soll dieses Weltklima-Abkommen, das dann auch die USA, China und Indien umfasst, im Jahr 2020.

Klimafonds In diesen Fonds sollen die reichen Staaten einzahlen. Die armen Länder erhalten daraus Gelder für den Klimaschutz. Ab 2020 soll der Fonds mit 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) dotiert werden.

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