© APA/EPA/ARNOLD JEROCKI

Frankreich
07/24/2015

Germanwings-Absturz: Leichenteile bestattet

Unterdessen geht der Streit um eine Entschädigung für die Hinterbliebenen weiter.

Vier Monate nach der Germanwings-Katastrophe sind die nicht identifizierten Leichenteile der 150 Todesopfer in den französischen Alpen beigesetzt worden. Die sterblichen Überreste wurden am späten Donnerstagabend in einem Gemeinschaftsgrab in der Ortschaft Le Vernet bestattet und damit vor einer Trauerfeier mit Angehörigen, wie ein Bürgermeister sagte. "Die Beerdigung fand in der Nacht auf dem Friedhof von Le Vernet statt, in aller Diskretion", sagte der Bürgermeister der Nachbargemeinde Prads-Haute-Bleone, Bernard Bartolini. Beigesetzt wurden die sterblichen Überreste in mehreren Urnen.

Am Nachmittag wird im nahe der Absturzstelle gelegenen Le Vernet bei einer Trauerfeier der Toten gedacht. Die Zeremonie an einer Gedenktafel leitet der Bischof der Alpenstadt Digne. Anschließend werden die Angehörigen Blumen am Gemeinschaftsgrab niederlegen. Erwartet werden Bartolini zufolge 400 bis 500 Teilnehmer. Die Lufthansa spricht von rund 310 Angehörigen.

Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 72 Deutsche. Den Ermittlern zufolge ließ der Copilot die Maschine absichtlich abstürzen, offenbar um sich das Leben zu nehmen.

In den Wochen nach dem Absturz konnten sterbliche Überreste aller 150 Todesopfer anhand von DNA-Abgleichen identifiziert werden. Die Familien konnten ihre verstorbenen Verwandten später in der Heimat beerdigen. Zahlreiche Leichenteile konnten aber nicht mehr zugeordnet werden. Sie wurden deswegen nun in dem Gemeinschaftsgrab in Le Vernet beigesetzt.

Streit um Entschädigung

Überschattet wird die Trauerfeier von dem Streit über Entschädigungszahlungen für die Familien der Opfer. In einem diese Woche veröffentlichten Brief attackierten Angehörige Lufthansa-Chef Spohr mit scharfen Worten. Sie kritisierten das Entschädigungsangebot der Fluggesellschaft als zu niedrig und warfen dem Konzernchef vor, nicht mit ihnen persönlich gesprochen zu haben. Spohr sagte wegen des Streits seine eigentlich geplante Reise nach Le Vernet ab. Wegen der "angespannten Atmosphäre", die durch den offenen Brief der Angehörigen entstanden sei, werde Spohr die Gedenkfeier nicht besuchen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Es gehe Spohr darum, "die würdevolle Zeremonie" nicht zu "belasten". Teilnehmen würden aber Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann und Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne.

Die Lufthansa hat die Vorwürfe der Angehörigen zurückgewiesen. Während in deren Brief von 45.000 Euro pro Opfer die Rede ist, beteuert die Fluggesellschaft, im Schnitt würden die Hinterbliebenen mehr als 100.000 Euro Entschädigung erhalten. War der Tote Hauptverdiener einer Familie, könnten es sogar mehr als eine Million Euro werden. Lufthansa-Anwalt Rainer Büsken sagte dem Magazin "Spiegel", schon der Vorschuss von 50.000 Euro je Opfer sei "höher als gesetzlich vorgeschrieben". Auch bei der Gewährung von Schmerzensgeld hätten sich Lufthansa und Germanwings großzügiger gezeigt als im Gesetz vorgesehen.

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