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© REUTERS/DAVID MDZINARISHVILI

Georgien
05/10/2016

Georgien: Der Staat hilft beim Verkuppeln

Um das Bevölkerungswachstum wieder anzukurbeln, will die Regierung Liebesbote spielen.

von Alexandra Uccusic

Behördliche Singlebörse – sehr sexy hört sich das nicht an. Doch weil die Geburtenrate in Georgien sinkt und die Zahl der Junggesellinnen und Junggesellen drastisch ansteigt, will der Staat nun eingreifen. Das Land stehe am Rande einer "demografische Katastrophe", meint Davit Khizanishvili vom Demografischen Entwicklungsfonds (DDF). Mithilfe einer staatlichen Partnervermittlung sollen die Menschen zum Heiraten und Kinderkriegen animiert werden, wie die britische Zeitung The Guardian berichtet.

"Wir werden alle Singles, Witwen und Witwer sowie Geschiedene im Land zählen und ihre Personalien in eine Datenbank eingeben", erklärt Khizanishvili. Der DDF hat bereits damit begonnen, Profile über Singles zu erstellen – dabei werden unter anderem das Alter, das Gewicht, die Größe und das Sternzeichen der Person gespeichert. Dann soll eine spezielle Agentur die Daten verwalten und Singles, die zueinander passen könnten, in Kontakt bringen.

Kirche begeistert

Die Regierung muss dem Projekt allerdings noch grünes Licht erteilen. Die Single-Datenbank stößt jedenfalls bereits bei der – äußerst einflussreichen – georgisch-orthodoxen Kirche auf großen Anklang.

Die Bevölkerung ist geteilter Meinung: Trotz der sinkenden Zahl an Eheschließungen sehen es viele Bürger als Pflicht an, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Von der Regierung verkuppeln lassen wollen sie sich aber nicht. Die georgische Tageszeitung Rezonansi zitierte Leser, die befürchten, nun vom Staat im Rahmen eines "Brutprogramms" zwangsverheiratet zu werden oder als Single bald höhere Steuern zahlen zu müssen.

Abwanderung

Die knapp 70.000 Quadratkilometer große Kaukasusrepublik Georgien hat rund 3,7 Millionen Einwohner; im Jahr 2015 waren es noch etwa 4,5 Millionen. Dies liegt auch an der Abwanderung – vor allem Georgier mit höherem Bildungsgrad verlassen das Land, um in Westeuropa oder in den USA zu arbeiten. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei rund 15 Prozent; unabhängige Experten gehen von bis zu 40 Prozent aus.

In dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur gab es vor einigen Jahren ein ähnliches Projekt, um die Geburtenrate zu erhöhen: Die Regierung investierte viel Geld in staatliche Dating-Agenturen und Ratgeber für Singles. Mit mäßigem Erfolg.

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