Fremdgeher-Portal wirbt mit Prominenz

Mitten in Berlin schauen sie von einem Plakat herab: Horst Seehofer, Arnold Schwarzenegger und Bill Clinton.

Was haben diese drei Männer gemeinsam?", fragt der Text über den Porträts von Arnold Schwarzenegger, Horst Seehofer und Bill Clinton. "Sie hätten besser Ashley Madison nutzen sollen", lautet die Antwort darunter. Das Werbeplakat der Online-Seitensprung-Agentur Ashley Madison prangt seit Montagabend auf der Fassade des Hotels Park Inn mitten auf dem Berliner Alexanderplatz. Für das Unternehmen sind der frühere Gouverneur von Kalifornien, der amtierende bayerische Ministerpräsident und der ehemalige US-Präsident, die in der Vergangenheit mit außerehelichen Affären Schlagzeilen machten, offenbar die idealen Werbeträger - und zwar als Beispiele dafür, wie man es eben nicht macht.

Seehofer: "Kein Kommentar"

"Seitensprünge sind vollkommen menschlich und können einer Beziehung sogar gut tun", so Agentur-Gründer Noel Biderman, "aber davon darf natürlich niemand etwas mitbekommen!" Gerade wer wie Horst Seehofer in Amt und Würden stehe, sollte den Teufel tun, sich erwischen zu lassen. Und da ein Politiker wegen seiner politischen Entscheidungen und nicht aufgrund seines Liebeslebens in die Medien kommen solle, biete sein Unternehmen "die nötige Diskretion und Sicherheit beim Seitensprung, damit es kein böses Erwachen gibt", so Biderman gegenüber sueddeutsche.de

Freiwillig dürften sich die drei Männer jedenfalls wohl nicht für die Kampagne hergegeben haben. Zumindest aus der bayerischen Staatskanzlei hieße es zur Werbung mit Seehofer: "Kein Kommentar."

Konsequenzen?

Welche rechtlichen Konsequenzen die Kampagne für Ashley Madison haben könnte, ist noch unklar. Grundsätzlich sei Reklame mit Prominenten in Ordnung, sofern sich die Kampagne "in ironisch-kritischer Weise" mit der Person und ihrem öffentlichen Wirken auseinandersetze, sagte der Kölner Medienanwalt Ralf Höcker zu sueddeutsche.de, das falle noch unter Meinungsfreiheit. Aber: "Das Intimleben prominenter Personen hat nichts in der Öffentlichkeit verloren. Man darf es nicht ungefragt für Werbezwecke missbrauchen", so Höcker weiter. Bislang, so Agentur-Chef Bidermann, sei jedenfalls noch keine Beschwerde gegen das Plakat eingegangen.

Aufregung auch in Spanien

Bereits im Juli 2011 hatte ein riesiges Plakat des Fremdgeh-Portals in Spanien für Aufregung gesorgt. Damals blickte der spanische König Juan Carlos mit Bill Clinton und dem britischen Kronprinzen Charles von einer Wand in der belebten Einkaufsstraße Gran Via in Madrid. Das Gerücht über eine vermeintliche Untreue von Juan Carlos wurden nie bestätigt, das Plakat nach nur wenigen Stunden wieder entfernt.

Über Ashley Madison

Die Online-Seitensprung-Agentur Ashley Madison gehört zu der Avid Life Media Inc. und wurde 2002 in Toronto, Kanada, von Noel Biderman und Darren Morgenstern gegründet. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Mitgliedern in 15 Ländern das weltweit größte Fremdgeh-Portal.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011