Chronik | Welt
27.02.2018

Florida: Schüler kehren zurück an Ort des Schreckens

Viele haben auf dem Weg zurück in die Normalität Angst. Das Weiße Haus kündigte Gesprächsbereitschaft bei strengeren Waffengesetzen an.

Zwei Wochen nach dem Massaker in einer High School in Florida beginnt am Mittwoch dort wieder der reguläre Unterricht. Nach einem ersten Orientierungstag am Sonntag kehren die Schüler der Marjorie Stoneman Douglas High School zurück. Am Montag nahmen bereits die Lehrer ihre Arbeit wieder auf.

Die Schüler sollten so sanft und behutsam wie möglich wieder an den Alltag herangeführt werden, sagte Robert W. Runcie vom Bezirk Broward. Bis einschließlich Freitag ist kurz vor Mittag Schulschluss. Die Sicherheit im Gebäude werde sichtbar hochgefahren sein, sage Runcie. Viele Schüler sagten in denen vergangenen Tagen, sie hätten Sorgen vor dem Wiederbeginn, die Tat sei noch sehr präsent und auf immer mit dem Ort verbunden, den sie jetzt wieder betreten.

Ein Ex-Schüler hatte am Valentinstag vor zwei Wochen in der Schule das Feuer eröffnet. Er tötete 14 Schüler und drei Erwachsene.

Republikaner: Nur kleine Schritte

In der Aufarbeitung des Massakers sorgte US-Präsident Donald Trump für neuen Gesprächsstoff. Nach eigener Einschätzung hätte er selbst sich dem Attentäter auch unbewaffnet entgegengestellt. "Ich glaube wirklich, dass ich da reingerannt wäre, auch wenn ich keine Waffe gehabt hätte", sagte Trump.

Das Weiße Haus kündigte Gesprächsbereitschaft bei der Frage an, ob Waffengesetze strikter gefasst werden sollen. Allerdings stehen bisher seitens der republikanisch geführten Bundesregierung nur kleine Schritte zur Debatte. Trump will notfalls eigenmächtig "Bump Stocks" verbieten - Schnellfeuerkolben, die eine halbautomatische Waffe feuern lassen wie ein Maschinengewehr. Maschinengewehre sind in den USA für den nicht-militärischen Gebrauch verboten.

Trump hat Waffengesetze gelockert

Schnellfeuerkolben hatten zwar bei dem Massaker von Las Vegas 2017 eine Rolle gespielt, nicht aber in Florida. Ob Trump ein Verbot der Schnellfeuerkolben rechtlich überhaupt alleine durchsetzen kann, ist eine offene Frage.

Trump will außerdem über eine Heraufsetzung des Mindestalters für den Besitz bestimmter Waffen und über den Zugang psychisch Kranker zu Waffen reden. Der Präsident selbst hatte zu Beginn seiner Amtszeit im Zuge seiner Deregulierungswelle die Waffengesetzgebung gelockert. Die Gesetze der Bundesstaaten sind in der Waffenfrage allerdings entscheidender als die des Bundes.

Präsident beschimpft Hilfspolizisten

Trump sagte bei einem Auftritt vor Gouverneuren, man dürfe der Waffenlobby NRA nicht alles durchgehen lassen. Es gebe keinen Grund, sich vor ihr zu fürchten. "Sie sind auf unserer Seite", sagte er. "Sie tun das, wovon sie glauben, dass es das Richtige ist."

Verächtlich äußerte sich Trump erneut über einen bewaffneten Hilfspolizisten, der während des Massakers die Schule nicht betreten hatte. Der sowohl von Trump als auch seit Tagen in sozialen Netzwerken beschimpfte Polizist verteidigte sich erstmals über einen Anwalt. Dieser teilte mit, für seinen Mandanten habe es sich angehört, als würden die Schüsse vor dem Gebäude fallen und nicht in der Schule.

Der erste Anruf, den sein Mandant erhalten habe, habe von Feuerwerkskörpern vor einem Gebäude der Schule gesprochen, nicht von Gewehrfeuer. Der Polizist wünsche sich nichts mehr, als die 17 Leben gerettet zu haben, heißt es in der von US-Medien veröffentlichten Erklärung. Er sei kein Feigling.