Chronik | Welt
09.06.2017

Feuerattacke auf Obdachlosen in Berlin: Verdächtige kommen frei

Einer der Männer gab zu, ein Taschentuch in Brand gesteckt zu haben. Er habe den schlafenden Obdachlosen aber "nur durch ein kleines Feuerchen aufschrecken wollen". Bisher saßen sechs Verdächtige in Untersuchungshaft. Sie kommen jetzt auf freien Fuß.

Im Prozess um eine Feuerattacke auf einen schlafenden Obdachlosen hat das Berliner Landgericht die Haftbefehle gegen fünf Verdächtige aufgehoben. Damit gab es am Freitag Anträgen der Verteidiger statt. Bisher saßen sechs Verdächtige in Untersuchungshaft. Sie kommen jetzt zunächst auf freien Fuß, der Prozess gegen sie geht aber weiter.

Der Haftbefehl gegen den 21-jährigen Hauptverdächtigen bleibe bestehen, hieß es. Alle sechs sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Am Freitag gab das Gericht den rechtlichen Hinweis, dass auch versuchte, gefährliche Körperverletzung als Delikt infrage komme.

Verbrennen des Mannes in Kauf genommen

Die 16- bis 21-jährigen Flüchtlinge aus Syrien und Libyen sollen laut Anklage Weihnachten 2016 im U-Bahnhof Schönleinstraße billigend in Kauf genommen haben, dass der 37-jährige Obdachlose hätte Feuer fangen und verbrennen können. Nur durch das Eingreifen von Fahrgästen sei er unverletzt geblieben.

"Nur durch ein kleines Feuerchen aufschrecken wollen"

Mehrere Angeklagte hatten den Vorwurf des Mordversuchs zurückgewiesen. Der 21-Jährige gab zu, ein Taschentuch in Brand gesteckt zu haben. Er habe den Mann aber "nur durch ein kleines Feuerchen aufschrecken wollen". Zu keinem Zeitpunkt habe er mögliche tödliche Folgen in Kauf genommen.

Die meisten Angeklagten waren als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und zum Tatzeitpunkt in einer Unterkunft untergebracht. Die Polizei nahm die jungen Männer nach der Veröffentlichung der Überwachungsaufnahmen am Tag nach dem Angriff fest.