Chronik | Welt
19.07.2017

Feuer in Kroatien: "Die Spliter schicken in Panik ihre Kinder aus der Stadt"

Die Behörden begannen die Untersuchungen zur Ursache der Brände, die innerhalb kurzer Zeit an 20 Stellen ausgebrochen waren.

Von Gestank und dunklen Wolken als Folge von Waldbränden ist die Urlaubsregion um die kroatische Adriastadt Split in der Nacht zum Mittwoch heimgesucht worden. Ursache dafür seien die vielen noch glimmenden Brandnester und die brennende städtische Mülldeponie, berichteten Medien am Mittwoch unter Berufung auf die Behörden.

"Die Spliter schicken in Panik ihre Kinder aus der Stadt", berichtete die örtliche Zeitung Slobodna Dalmacija.

Die Behörden begannen die Untersuchungen zur Ursache der Brände, die innerhalb kurzer Zeit an 20 Stellen ausgebrochen waren. Während die Medien über Brandstiftung spekulierten, gab es erste Hinweise, dass überhitzte Stromleitungen die Riesenfeuer ausgelöst haben könnten.
Über Split lag dichter schwarzer Rauch. Am Strand fiel das Atmen zeitweise schwer, weil der Wind den Rauch Richtung Meer und Strand getrieben hat. Bei Sirenengeheul und Straßensperren kommt keine Urlaubsstimmung auf. Denn ab Montag Mittag hat es auch noch Asche geregnet.
Das berichtete KURIER-Redakteurin Julia Schenk aus der Gegend um Split. Doch der Gestank nach Verkohltem hing weiterhin in der Luft. Dann war wieder alles vorbei: Am Nachmittag loderten die Flammen erneut auf, erneut war die Stadt Split in großer Gefahr.
Es sind Eindrücke, die man normalerweise nicht von der Adriaküste kennt. Mit Waldbränden kämpft man auch in anderen Regionen Dalmatiens, darunter auf der Insel Hvar, sowie weiter nördlich an der Küste bei Sibenik und Zadar.
Nachdem im benachbarten Montenegro die größten Brände inzwischen gelöscht werden konnten, gab es neue Feuer in der Nähe der Stadt Herceg Novi. Am Dienstagabend kam ein ukrainisches Löschflugzeug an.
Hilfe erreichte das kleine Land an der südlichen Adria auch aus der Schweiz, aus Bulgarien und aus Israel. Das jüngste NATO-Mitglied hatte sich zuvor an Brüssel mit der Bitte um internationale Unterstützung gewandt.

Waldbrände werden in Kroatien zum Politikum

Die schweren Waldbrände an der kroatischen Adriaküste, die am Montag Split bedrohten, werden in Kroatien zum Politikum. Während Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic die späte Reaktion der Armee kritisierte, sprach der Verteidigungsminister und Vize-Premier Damir Krsticevic am Dienstag über seinen möglichen Rücktritt. Premier Andrej Plenkovic lehnte den Rücktritt des Ministers ab.

"Die Armee hätte auch früher eingesetzt werden können", kritisierte Grabar-Kitarovic am Dienstag in Salzburg, wo sie an dem jährlichen Treffen der Staatsoberhäupter Österreichs, Sloweniens und Kroatiens teilnahm. Auch wenn die Soldaten nicht zum Löschen des Feuers ausgerüstet seien, sei aufgrund des Ausmaßes des Brandes jede Hilfe nötig gewesen, kommentierte die Oberbefehlshaberin der Streitkräfte. Nach dem Treffen flog Grabar-Kitarovic von Salzburg nach Split, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Angesichts der Kritik sprach der kroatische Verteidigungsminister von seinem Rücktritt: "Der Premier und die Präsidentin können mich umgehend absetzen, wenn es sich bewahrheitet, dass die Militärkräfte nicht rechtzeitig und angemessen reagiert haben", sagte er laut der kroatischen Zeitung "Jutarnji list".

Premier Andrej Plenkovic lehnte indes den Rücktritt des Ministers ab. "Es ist mit nicht klar, auf Basis welcher Informationen die Präsidentin zu diesem Schluss gekommen ist", sagte Plenkovic bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Die Armee könne erst auf Antrag eingesetzt werden, erinnerte Plenkovic. Ein entsprechender Antrag von der zuständigen Katastrophenschutzbehörde sei erst am Montagnachmittag eingegangen, woraufhin die Soldaten auch eingesetzt wurden. Laut Plenkovic waren am Dienstag in der Umgebung von Split rund 400 Soldaten im Einsatz.

Noch bevor Plenkovic vor die Presse trat, ruderte die Präsidentin zurück. Sie betonte, dass der Verteidigungsminister keine Verantwortung für die Situation trage, weshalb sein Rücktritt nicht akzeptabel sei. "Die Verantwortung liegt bei denjenigen, die vor Ort die Situation falsch eingeschätzt haben und die Armee zu spät zur Hilfe gerufen haben", sagte sie gegenüber "Jutarnji list". "Die Armee hatte letztendlich eine sehr gute Arbeit geleistet", betonte die Präsidentin.

Die Waldbrände, die sich in vergangenen Tagen im Umkreis von Split ausbreiteten, erreichten am Montagabend die zweitgrößte kroatische Stadt. In der Nacht auf Dienstag konnten die Brände weitgehend gelöscht werden, im Laufe des Tages begann es in den Vororten von Split wieder zu brennen. Mithilfe von Löschflugzeugen, die am Montag wegen des starken Windes nicht eingesetzt werden könnten, war die Lage unter Kontrolle, wie Medien berichteten.