Fast 21 Millionen Menschen erhalten Aids-Therapie

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Foto: APA/AFP/STUART PRICE .

Weitere 15,8 Millionen Betroffene sollten Behandlung erhalten. Zurückdrängung von HIV/Aids nur mit umfassenden Maßnahmen möglich.

2016 gab es weltweit 36,7 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. 20,9 Millionen HIV/Aids-Betroffene erhalten mittlerweile eine antiretrovirale Therapie, für weitere 15,8 Millionen wäre das notwendig. Darauf verwies am Montag Michel Sidibe, Chef des UNAIDS-Programms, aus Anlass der Vorstellung eines Statusberichts im Vorlauf zum Welt-Aids-Tag (1. Dezember) in Südafrika.

Die aktuellsten Zahlen zu den HIV-Positiven, Neuinfektionen und Opfern der Immunschwächekrankheit wurden bereits im Juli dieses Jahres vom Aids-Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) publiziert. Der neue Bericht aus Anlass des bevorstehenden Welt-Aids Tages beschäftigt sich im breiteren Maß mit den Gegebenheiten, die vorliegen müssen, um HIV/Aids weltweit zu besiegen.

"Alle Menschen benötigen ohne Rücksicht auf ihre jeweils persönlichen Bedürfnisse umfassende gesundheitliche Versorgung, die erreichbar und vorhanden sein muss, von ihnen selbst akzeptabel erscheint und gute Qualität aufweist", heißt es unter anderem in dem Report.

Fortschritte beim Zugang

Große Fortschritte sind im Zugang zur Behandlung von HIV-Infektionen gemacht worden. Von einer Zahl von nur rund 2,5 Millionen Betroffenen in antiretroviraler Therapie um das Jahr 2005 ist die Zahl der Behandelten bis Juni 2017 auf 20,9 Millionen Menschen angestiegen. "Dieser weltweite Zuwachs in der antiretroviralen Therapie ist Hauptbestandteil des Rückgangs der Zahl der Todesopfer durch Aids vom Gipfel im Jahr 2005 mit 1,9 Millionen Toten auf eine Million im Jahr 2016", schrieb UNAIDS. Trotzdem müssten weitere 15,8 Millionen HIV-Positive in Behandlung kommen, um die Krankheit möglichst zurückzudrängen.

Die Situation ist weltweit extrem unterschiedlich. Allein auf dem ärmsten Kontinent Afrika, wo HIV-Aids am meisten verbreitet ist, schwankt der Anteil der HIV/Aids-Patienten in Behandlung zwischen mehr als 80 Prozent in Botswana und unter zehn Prozent im Südsudan und in Madagaskar. Selbst in Südafrika sind es erst um die 55 Prozent.

Um HIV/Aids zurückzudrängen, bedarf es aber insgesamt eines Entwicklungssprunges in vielen Regionen der Erde, auch über alle kulturellen Gegebenheiten hinweg. UNAIDS führt dabei zum Beispiel eine Förderung der sexuellen Gesundheit insgesamt an. Die Verheiratung von Kindern sei eine Missachtung der Menschenrechte, heißt des in dem neuen Report. Ebenso müsste sexuelle Gewalt auf allen Ebenen beseitigt werden. Das Recht auf Gesundheit und eine entsprechende Versorgung im Krankheitsfall müsse für alle Menschen gegeben sein. So hätten beispielsweise Drogenabhängige die geringste Chance auf eine antiretrovirale Therapie.

35 Millionen Tote

Weltweit wurden seit Ausbruch der Epidemie in den 1980er-Jahren mehr als 76 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Rund 35 Millionen Menschen starben bisher an den Folgen der Immunschwächekrankheit.

Wenn sich die Entwicklung bei der Behandlung von immer mehr Menschen mit HIV weltweit fortsetzt, könnte das Ziel erreicht werden, bis zum Jahr 2020 rund 30 Millionen Betroffenen die lebensrettende Therapie zu ermöglichen. 2020 sollen 90 Prozent der von HIV-Betroffenen über ihre Infektion Bescheid wissen, 90 Prozent davon in Behandlung sein und bei wiederum 90 Prozent das Virus im Blut durch die Unterdrückung der Virus-Vermehrung nicht mehr nachweisbar sein. Das ist das Ziel von UNAIDS im Rahmen des "90-90-90"-Programms zur Beendung der Pandemie.

Auch die Problematik von HIV/Aids ist direkt mit der weltweiten Situation bezüglich der Verteilung der Ressourcen verbunden, geht aus dem neuen Bericht klar hervor. 2014 lag der Wert der weltweiten Gesundheitsausgaben bei 7,6 Billionen US-Dollar (6,4 Billionen Euro). Das waren rund neun Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Sechs Billionen US-Dollar (5,09 Billionen Euro) davon wurden aber allein in den reichsten Staaten der Erde mit 19 Prozent der Weltbevölkerung verwendet.

1,5 Billionen US-Dollar (1,31 Billionen Euro) machten die Gesundheitsausgaben in den Staaten mit mittlerem bis hohem BIP und mit einem BIP im unteren Mittelbereich aus. Das verteilte sich auf 73 Prozent der Weltbevölkerung. In den ärmsten Staaten der Erde (neun Prozent der Bevölkerung) standen 2014 nur rund 22 Milliarden US-Dollar (18,65 Milliarden Euro) für Gesundheit zur Verfügung. Das waren im Durchschnitt 49 US-Dollar (41,54 Euro) pro Einwohner und Jahr. In den reichsten Staaten der Erde betrug diese Summe hingegen pro Jahr und Person 4.460 US-Dollar (3.781 Euro).

(apa / tsc) Erstellt am
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