Dezember 2009: Die Studentin Amanda Knox wird ohne Zeugen, Motiv und Beweise (nur wegen ihrer eiskalten Augen?) als Mörderin ihrer Mitbewohnerin zu 26 Jahren Haft verurteilt. Der Freispruch in der Berufung kommt erst nach 1427 Tagen in Haft. Im März 2013 wird der Freispruch aber erneut aufgehoben. In Abwesenheit von Knox beginnt im September in Florenz ein neuer Prozess.

© Reuters/ALESSANDRO BIANCHI

Justiz
03/26/2013

Fall Amanda Knox: Freispruch aufgehoben

Der "Engel mit den Eisaugen" muss sich erneut wegen Mordes verantworten, entschied das italienische Gericht.

Der Fall Amanda Knox muss neu aufgerollt werden. Das Kassationsgericht in Rom, das höchste italienische Gericht, hob am Dienstag den Freispruch gegen die US-Studentin Knox - wegen ihres Aussehens „Engel mit den Eisaugen“ genannt - und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito auf.

Knox ist seit ihrem Freispruch im Herbst 2011 wieder in den USA. Offen ist, ob sie zu einem neuen Prozess in Italien erscheint. Knox und dem Italiener Sollecito wird vorgeworfen, die britische Austauschstudentin Meredith Kercher 2007 im umbrischen Perugia bei ausufernden Sexspielen getötet zu haben. Nach einer ersten Verurteilung waren sie im Oktober 2011 in zweiter Instanz in einem Indizienprozess freigesprochen worden. Dagegen hatten die Familie des Opfers und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

"Das ist ein Kreuzweg, der weitergehen wird."

"Ich bin enttäuscht“, sagte Knox nach Angaben ihres Anwalts Carlo Dalla Vedova zu dem Urteil. Sie habe in den USA eine schlaflose Nacht in Erwartung des Urteils verbracht. Auch der in Verona studierende Sollecito hatte gehofft, „man könnte einen Schlussstrich unter diese Sache ziehen“. "Das ist ein Kreuzweg, der weitergehen wird. Wir werden verlangen, dass dieser Berufungsprozess so rasch wie möglich beginnen wird“, sagte sein Anwalt.

Als die Entscheidung des Kassationsgerichts verlesen wurde, begrüßte es der Anwalt der Familie Kercher mit einer geballten Faust als Siegeszeichen. „Ich bin glücklich“, sagte die Schwester der Getöteten, Stephanie, dem Anwalt. Der neue Prozess soll nicht wieder in Perugia, sondern in Florenz stattfinden, entschied das Kassationsgericht.

Das Gericht hatte am Montag ungewöhnlich lange beraten und nicht, wie zunächst angenommen, bis zum Abend das Urteil gefällt. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, die Richter hätten in dem Berufungsverfahren mit dem Freispruch „den Kompass verloren“.

Grausam misshandelt

Die 21 Jahre alte Austauschstudentin Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt, halbnackt und von Messerstichen übersät in ihrer und Knox' gemeinsamer Wohnung in Perugia gefunden worden.

Zwei Jahre später waren Knox und Sollecito in einem reinen Indizienverfahren schuldig gesprochen und zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden. Im Oktober 2011 sprach sie ein Berufungsgericht aus Mangel an Beweisen frei, nachdem erhebliche Zweifel an DNA-Tests laut geworden waren. Die beiden Prozesse riefen weltweit ein großes Medieninteresse hervor.

Knox kehrte nach insgesamt vier Jahren in italienischer Haft in ihre Heimatstadt Seattle zurück, Sollecito nahm sein Studium wieder auf. Beide waren am Dienstag nicht dabei, als die Entscheidung verlesen wurde. Sie hatten stets ihre Unschuld beteuert.

Geklärt werden muss nach dem Urteil des höchsten italienischen Gerichts also immer noch, wer die junge Studentin umgebracht hat. In Haft sitzt der Ivorer Rudy Guede - jedoch wegen Mittäterschaft und nicht wegen Mordes. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, die vom Kassationsgericht bestätigt worden waren.

Bestätigt hat das oberste Gericht die Verurteilung von Knox zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Verleumdung des Barmannes Patrick Lumumba. Sie hatte ihn zunächst der Tat bezichtigt. Diese Strafe ist definitiv, Knox hat sie aber bereits in U-Haft abgesessen.

Rückblick: Der Engel mit den Eisaugen ist frei

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Der Fall Amanda Knox

Verurteilt, freigesprochen, neue Verhandlung: Folgend eine Chronologie der Causa.

2. November 2007: Die britische Austauschstudentin Meredith Kercher (21) wird in der mittelitalienischen Universitätsstadt Perugia tot aufgefunden - mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt, halbnackt, der Körper von Messerstichen übersät.

6. November 2007: Ein Barkeeper, Kerchers Mitbewohnerin Amanda Knox und ihr italienischer Freund Raffaele Sollecito werden festgenommen. Knox und Sollecito werden verdächtigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Alle drei bestreiten dies. Laut Polizei wurde Knox' DNA an einem Küchenmesser gefunden.

19. November 2007: Die italienische Polizei hat einen vierten Verdächtigen im Visier. Der Ivorer Rudy Hermann Guede wird einen Tag später in Deutschland festgenommen, als er im Zug nach Mainz schwarzfährt. Guede bestreitet alle Vorwürfe und wird nach Italien ausgeliefert. Seine DNA findet sich aber an Kerchers Polster. Der Barkeeper wird freigelassen. Knox und Sollecito bleiben in Untersuchungshaft.

28. Oktober 2008: Guede wird nach einem Schnellverfahren zu 30 Jahren Haft wegen Mordes an Meredith Kercher verurteilt. Erst später wird seine Haftstrafe nach Berufung auf 16 Jahre festgesetzt. Der Richter entscheidet Ende Oktober 2008 auch, dass gegen Knox und Sollecito ein Verfahren wegen Mordverdachts beginnen soll.

5. Dezember 2009: Knox und Sollecito werden wegen Mordes und sexueller Gewalt zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. Sie beteuern ihre Unschuld. Knox' Familie kündigt Berufung an.

24. November 2010: Der Berufungsprozess beginnt. Im Verlauf treten Zweifel an der Verwendbarkeit der DNA-Spuren am Küchenmesser auf. Der italienischen Polizei wird unsaubere Arbeit bei der Spurensuche vorgeworfen.

18. Juni 2011: Ein verurteilter Kindermörder sagt im Berufungsprozess aus. Sein Mithäftling Guede habe ihm gesagt, Knox und Sollecito seien unschuldig. Ein ungenannter Komplize habe Kercher ermordet. Vor Gericht bestreitet Guede diese Behauptung.

3. Oktober 2011: Das Gericht spricht Knox und Sollecito frei.

14. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft legt Berufung gegen den Freispruch für die US-Studentin Knox und ihren Ex-Freund ein.

26. März 2013: Der Fall Amanda Knox muss neu aufgerollt werden. Das Kassationsgericht in Rom, das höchste italienische Gericht, hob den Freispruch der US-Studentin und den ihres Ex-Freundes Sollecito auf.

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