Chronik | Welt
06.05.2017

Ex-Kameraden des Ukraine-Söldners Ben F. packen aus

Seine Mitkämpfer schildern Gefechte und verteidigen den Vorarlberger gegen den Kriegsverbrecher-Vorwurf.

Das Nachrichtenmagazin profil veröffentlicht in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe weitere Details über den Fall des Vorarlbergers Ben F., der von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt verdächtigt wird, als freiwilliger Kämpfer in der Ostukraine an "Kriegsverbrechen gegen Personen" (§ 321b StGB) beteiligt gewesen zu sein.

Der KURIER berichtete: Ukraine-Kriegsverbre­chen: Keine rasche Übergabe an Österreich

Ben F. wurde am Sonntag, 30. April, aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Polen festgenommen, als er nach einem längeren Aufenthalt in Österreich und der Schweiz wieder in die Ukraine reisen wollte.

Bereits seit 2014 hatte er Medien im In- und Ausland Interviews über seine Kriegserfahrungen gegeben und war den Behörden bekannt. Aber erst zwei Tage nachdem der KURIER am 15. Februar das im Jänner geführte Interview mit Benjamin F. veröffentlichte, wurden auch die Behörden aktiv: Am 17. Februar erging ein Bericht des nö. Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Wenig später, am 22. Februar, wurde seitens der Behörde ein europäischer Haftbefehl erlassen. Auf "Kriegsverbrechen gegen Personen" nach Paragraf 321b steht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Vorgeworfen wird ihm, Personen, die sich bereits ergeben hatten, erschossen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft stütze die Vorwürfe gegen ihn unter anderem auf Fotos, die zeigen, wie der 25-Jährige in einem Schützengraben mit verstümmelten Leichen posiert. Gegenüber profil schildert ein ehemaliger Mitkämpfer des Vorarlbergers nun exklusiv, wie die Bilder zustande gekommen seien. Demnach war eine Aufklärungseinheit des 11. Bataillons der ukrainischen Armee, der Ben F. vergangenes Jahr beigetreten war, Ende Juli 2016 nahe der Stadt Popasna in der Oblast Lugansk in schwere Gefechte mit pro-russischen Separatisten verwickelt.

Die Auseinandersetzungen forderten am 23. Und am 30. Juli mehrere Menschenleben auf beiden Seiten. Ben F. war laut seinen Kameraden allerdings nicht direkt an den Kämpfen beteiligt. Er sei als "Tactical Medic" – also in etwa "kämpfender Sanitäter" – bloß daran beteiligt gewesen sein, Leichen zu bergen und abzutransportieren. Dabei sollen die Fotos entstanden sein. "Mit ihrem Tod hat Ben nichts zu tun", beteuert ein Mitkämpfer des Vorarlbergers, der anonym bleiben will, dessen Identität profil jedoch bekannt sei: "Die waren schon gestorben, und keiner hat irgendeinen Scheiß mit ihnen angestellt." Die Verstümmelungen an den Toten seien vielmehr durch Schüsse und Granatexplosionen im Gefecht verursacht worden. Die Angaben des Mannes klingen nachvollziehbar, konnten von allerdings nicht unabhängig überprüft werden.