Frauen gingen für das 16-jährige Missbrauchsopfer auf die Straße.

© REUTERS/RICARDO MORAES

Brasilien
05/29/2016

Brasilien: Polizei ermittelt nach Gruppenvergewaltigung

Die Zivilpolizei befragte zunächst drei Verdächtige, ließ diese aber später wieder frei.

Nach der schockierenden Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen in Brasilien fahnden die Behörden des Landes mit Hochdruck nach den Tätern. Die Militärpolizei rückte am Wochenende mit 70 Beamten zu einem Großeinsatz in einem Armenviertel westlich von Rio de Janeiro aus, um Verantwortliche für das Verbrechen zu finden. Seit Freitag wurden vier Verdächtige verhört, sie kamen alle wieder frei.

Handyaufnahmen der Tat waren am Mittwoch im Internet aufgetaucht und hatten für Entsetzen gesorgt. Darauf ist eine junge Frau zu sehen, wie sie nackt, blutend und offenbar bewusstlos auf einem Bett liegt. Eine männliche Stimme brüstet sich in dem Video damit, dass die 16-Jährige "von mehr als 30 Typen vergewaltigt" worden sei.

Polizei verhörte Verdächtige

Die Zivilpolizei befragte zunächst drei Verdächtige, ließ diese aber später wieder frei. Am Samstag wurde ein vierter Verdächtiger festgenommen und verhört. Wie die Zeitung O Estado de Sao Paulo berichtete, wurde der Mann aber ebenfalls nur wenige Stunden nach seiner Festnahme aus Mangel an Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt.

In dem Armenviertel Sao Jose Operario westlich von Rio lief ein Großeinsatz der Polizei. Dabei gab es eine Schießerei, verletzt wurde aber niemand. Die Polizei beschlagnahmte unterdessen drei gestohlene Autos und Drogen.

Brasiliens Übergangspräsident Michel Temer erklärte, es sei "absurd, dass wir im 21. Jahrhundert mit solchen barbarischen Straftaten leben sollen". Er versprach neue Maßnahmen, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Justizminister Alexandre de Moraes kündigte an, die Verantwortlichen des "abscheulichen Verbrechens" würden ausfindig gemacht und bestraft.

Verbrechen "nicht ungewöhnlich"

Die suspendierte Staatschefin Dilma Rousseff und die UNO-Frauenrechtsbehörde verurteilten die "Barbarei" ebenfalls. Eine Sprecherin der Rechtsgruppe Think Olga bezeichnete die Verbrechen als "nicht ungewöhnlich", da sexuelle Gewalt gegen Frauen in Brasilien weit verbreitet sei. "Es gehört zum täglichen Leben, auch wenn die Menschen das leugnen."

Nach Angaben ihrer Familie war die 16-Jährige vor einer Woche in eine Falle gelockt, unter Drogen gesetzt und dann missbraucht worden. Es soll sich um einen Racheakt eines Ex-Freundes gehandelt haben. Medienberichten zufolge ist die Teenagerin Mutter eines dreijährigen Kindes. Sie wurde nach der Tat ins Krankenhaus gebracht und wegen möglicher sexuell übertragbarer Krankheiten behandelt.

Anwältin fordert Absetzung der Beamten

Das Mädchen selbst sagte bei der Polizei aus, sie sei von 33 Bewaffneten in einem Armenviertel im Westen von Rio sexuell missbraucht worden. Der mit den Ermittlungen betraute Beamte Alessandro Thiers sagte zu dem Fall, es werde geprüft, ob das Mädchen den Vorgängen womöglich zugestimmt habe, ob sie unter Drogen gesetzt worden sei und ob sich alles "wirklich so zugetragen" habe.

Die Anwältin der 16-Jährigen, Eloisa Samy Santiago, forderte der Nachrichtenseite G1 zufolge die sofortige Absetzung des Beamten. Demnach fragte dieser die Teenagerin auch, ob sie die Angewohnheit habe, "an Orgien teilzunehmen". Das Opfer selbst bedankte sich auf Facebook für die Anteilnahme und warnte davor, dass jede Frau so etwas erleben könne. Über die Tat sagte sie, diese bereite ihr "mehr Schmerzen in der Seele als im Unterleib".

Alle elf Minuten ein sexueller Übergriff

In Rio de Janeiro, wo im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden, und in Sao Paulo protestierten zahlreiche Frauen für ihre Rechte und hielten Schilder mit Aufschriften wie "Nein heißt Nein" und "Mein Körper gehört nicht euch" in den Händen. Sexuelle Gewalt ist in Brasilien ein landesweites Problem. Im Jahr 2014 verzeichnete die brasilianische Polizei nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation alle elf Minuten einen sexuellen Übergriff. Nur ein Bruchteil der Taten wird angezeigt.

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