Chronik | Welt
22.08.2017

Erdbeben auf Ischia: Zwei Tote und enorme Schäden

Auch drittes Kind lebend aus Trümmern geborgen. 2.600 Menschen obdachlos. Touristen verlassen Insel.

Fast genau ein Jahr nach dem Erdbeben in Mittelitalien, bei dem 300 Menschen ums Leben kamen, hat ein Beben der Stärke 4,0 auf der Urlauberinsel Ischia schwere Schäden angerichtet. Zwei Frauen starben, 39 Menschen wurden verletzt. 2.600 Menschen sind obdachlos.

Baby und Brüder geborgen

Eine der beiden Frauen wurde von herabstürzenden Teilen einer Kirche erschlagen, die andere tot aus den Trümmern ihrer Wohnung geborgen. Ein sieben Monate altes Baby wurde in der Nacht aus einem zerstörten Haus geholt, nach zwei Brüdern des Buben im Alter von acht und elf Jahren wurde bis Dienstagvormittag gesucht. Den jüngeren der beiden bargen Helfer nach knapp 14 Stunden. Am Nachmittag konnten die Einsatzkräfte auch den dritten Bruder retten. Die Buben sollen unter einem Bett Schutz gefunden haben.

Hunderttausende Touristen

Zum Zeitpunkt des Beben befanden sich 250.000 Touristen und 60.000 Einheimische auf der Insel. Touristen und Bewohner seien in Panik auf die Straße gelaufen, berichteten italienische Medien. Viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien. Zahlreiche Urlauber verließen aus Angst vor Nachbeben die Insel. Vor den Fähren bildeten sich lange Schlangen. Seit dem Erdstoß am Montagabend wurden 20 stärkere Nachbeben registriert.

Hunderte Soldaten und Rettungsteams waren am Dienstag im Einsatz, um der Bevölkerung und den Touristen Hilfe zu leisten. Premier Paolo Gentiloni kondolierte den Familien der Opfer. "Wir stehen auf der Seite der Rettungseinheiten", twitterte Gentiloni.

Kritik: Viele Gebäude seien gesetzwidrig errichtet

Experten kritisierten mangelnde Vorsorge: Die Schäden seien deshalb relativ groß, da zahlreiche Bauten auf Ischia nicht erdbebensicher seien. "Ein Großteil der Gebäuden, die in den letzten Jahren auf der Insel errichtet wurden, sind gesetzwidrig", sagte der Ex-Staatsanwalt von Neapel, Aldo De Chiara. Die Regierung bekräftigte ihr Vorhaben, in Italien den Bau erdbebensicherer Gebäuden zu fördern. Das Kabinett hatte schon nach dem Erdbeben im Mittelitalien vor einem Jahr einen entsprechenden Plan präsentiert. Dieser müsse zügiger umgesetzt werden, hieß es jetzt in Rom.

Beliebte Urlaubsdestination

Die Insel mit vulkanischem Ursprung ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Urlaubern. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel macht dort regelmäßig Osterurlaub. Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2.300 Menschen ums Leben.(Mehr über Ischia leben Sie unten).

Katastrophe von Amatrice

Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben.

Erdbeben auf Ischia: Nacht der Angst unter Touristen

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Die vielen Touristen, die in diesen August-Tagen auf der italienischen Urlaubsinsel Ischia urlauben, haben eine Nacht der Angst erlebt.

Hunderte Ausländer verbrachten nach dem Erdbeben der Stärke 4.0 am Montagabend und den darauffolgenden Nachbeben die Nacht im Freien.

In mehreren Hotels fiel der Strom aus, Pensionen wurden geräumt. Viele Touristen bestürmten die Fähren nach Neapel. Lange Schlangen bildeten sich am Hafen.

Auch mehrere Bewohner der Insel verließen Ischia und zogen zu Verwandten. Die Behörden stellten noch in der Nacht im Hafen von Ischia und in Casamicciola drei Fähren bereit, um verschreckten Urlaubern und Besuchern ein Verlassen der Insel zu ermöglichen.

"Es war fürchterlich, wir wollen nur von hier weg", erzählte eine lombardische Touristin. Bewohner verbrachten die Nacht im Freien. Für sie wurde im Ort ein Fußballstadion geöffnet.

Der Bürgermeister der vom Erdbeben schwer betroffenen Ortschaft Casamicciola, Giovanni Battista Castagna, erklärte, dass das Areal unweit der Küste nur leichte Schäden erlitten habe.

Dramatisch sei dagegen die Lage in Casamicciola, wo zwei Tote gemeldet wurden. Mindestens fünf Menschen konnten lebend aus Trümmern geborgen werden, darunter ein Baby, wie der Zivilschutz mitteilte. Unter den Trümmern befanden sich noch zwei Kinder. 39 Personen wurden verletzt, eine davon schwer.

Der italienische Premier Paolo Gentiloni verfolgte vom Sitz des Zivilschutzes in Rom aus die Entwicklungen auf Ischia.

Am Montag hatte Gentiloni bei einer Pressekonferenz in Rom einen stärkeren Einsatz seiner Regierung für den Wiederaufbau des Erdbebengebiets in Mittelitalien versprochen. Vor einem Jahr - am 24. August 2016 - war Mittelitalien von dem ersten einer Serie schwerer Erdbeben erschüttert worden, die 300 Menschenleben gefordert hatte.

 

 

Die Urlaubsinsel Ischia, die am Montagabend von einem schweren Erdbeben getroffen worden ist, gilt als Perle im Golf von Neapel. Die 46 Quadratkilometer große Insel zählt 62.000 Einwohner und ist in sechs Gemeinden aufgeteilt, zu denen auch die vom Erdbeben schwer betroffene Ortschaft Casamicciola gehört.

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, wie das stellenweise Austreten heißen Wassers beweist. Auch die zahlreichen Heilbäder der Insel nutzen die vulkanischen Aktivitäten. Aus dem Inneren entweicht Schwefel-Dampf, der speziell bei Atemwegserkrankungen helfen soll. Heutzutage ist Ischia einer der wichtigsten Kurorte Europas. Zahlreiche Hotelanlagen bieten ihre eigenen Thermalschwimmbecken an. Zusätzlich gibt es Thermalgärten.

Schon die alten Griechen wussten über die heilende Wirkung Bescheid. Dank ihnen ist die Insel seit Jahrhunderten ein beliebtes Urlaubsziel. Gegen Ende der römischen Republik gehörte die Insel Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, der sie aber im Jahr 29 vor Christus gegen die Insel Capri eintauschte.

Landwirtschaftlich ist die Insel für den Anbau von Wein, Paradeiser, Zitronen, Feigen und Granatäpfeln bekannt. Die Hauptsehenswürdigkeit von Ischia ist unumstritten das Castello Aragonese. Die Burg wurde auf einem Ischia vorgelagerten Felsen errichtet. Sie kann über eine gemauerte Brücke vom Ort Borgo di Celsa erreicht werden.

Ischia entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer bekannten Künstlerkolonie. Schriftsteller und Maler aus der ganzen Welt wurden angezogen. Zu ihnen zählte auch Ingeborg Bachmann. Elizabeth Taylor und Luchino Visconti hielten sich hier zu Dreharbeiten auf. Hier urlaubte öfters auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Insel ist mit der Fähre in eineinhalb Stunden von Neapel erreichbar. Etwa fünf Millionen Touristen besuchen jährlich Ischia.

Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2.300 Menschen ums Leben.