Spielen türkische Waffendeals eine Rolle?

Die Geiselnehmer könnten versuchen, verhaftete Stammesangehörige freizupressen.

Bei der Entführung eines 26-jährigen Österreichers und eines finnischen Paares am 21. Dezember im Jemen könnten auch türkische Waffengeschäfte ein Rolle gespielt haben. Jemenitische Medien würden über türkische Waffendeals mit jenen Stämmen berichten, die mutmaßlich an der Entführung beteiligt waren, sagte der Nahostexperte Amer Albayati am Samstag. Deshalb habe es auch bereits Gespräche mit dem türkischen Botschafter in Sanaa, Fazli Corman und dem jemenitischen Innenminister sowie österreichischen und finnischen Vertretern gegeben. Seitens des Außenministeriums lag vorerst keine Bestätigung für die Berichte vor.

Waffengeschäfte

Kurz vor der Entführung der Europäer habe die jemenitische Regierung laut Medienberichten ein Reihe türkischer Schusswaffen beschlagnahmt, die für Stämme in Khawlan - wo der Österreicher und die Finnen festgehalten werden sollen - bestimmt gewesen seien. Auch seien zahlreiche Stammesangehörige festgenommen worden, so Albayati weiter. Jemenitische Medien würden nun vermuten, dass die Geiselnahme auch dazu diene, diese freizupressen. Er selbst glaube jedoch weiterhin, dass es auch um Lösegeld ginge, erklärte der Nahostexperte. Mit einer baldigen Befreiung der Geiseln rechnet er nicht, langfristig werde diese jedoch sicherlich gelingen.

Mitte Dezember waren laut jemenitischen Medienberichten rund 7000 Schusswaffen türkischen Ursprungs in der Stadt Hays auf der Straße Richtung Al-Hudayda beschlagnahmt worden. Nach Angaben des türkischen Außenministerium lag für diese Waffen jedoch keine Exportgenehmigung vor. Waffenexporte würden nur in Übereinstimmung mit internationalen Richtlinien erfolgen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Einige jemenitische Parlamentarier forderten dennoch einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei.

Unterdessen ist der jemenitische Premierminister Mohammed Salem Basindwa am Samstag mit dem österreichischen Botschafter für den Jemen, Gregor Kössler, zusammengetroffen., meldete die jemenitische Nachrichtenagentur SABA. Basindwa habe Kössler versichtert, dass die jemenitischen Sicherheitskräfte alles täten, um die drei Europäer zu befreien.

Entführungen im Jemen sind keine Seltenheit - die Sicherheitslage in dem 24-Millionen-Einwohnerland ist extrem brüchig. In den vergangenen 15 Jahren wurden laut AFP mehr als 200 Menschen entführt, meist von Stämmen, die damit politische Forderungen an die Behörden durchsetzen wollten. 2005 war auch ein Paar aus Graz im Jemen entführt worden.

( APA ) Erstellt am 29.12.2012