Nigeria ist offiziell ebolafrei

© APA/EPA/STR

Virus
10/20/2014

Ebola: Ausbruch in Nigeria überstanden

Im Land gab es 20 Erkrankte. Die spanische Krankenschwester hat das Virus offenbar besiegt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ebola-Ausbruch in Nigeria offiziell für beendet erklärt. "Das ist eine spektakuläre Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass Ebola eingedämmt werden kann", erklärte die Organisation am Montag in Genf. Der nigerianischen Regierung und den WHO-Vertretern vor Ort sei aber bewusst, dass das westafrikanische Land weiter gefährdet sei, solange die Krankheit in anderen Ländern der Region weiter wüte. Man bleibe deswegen in Alarmbereitschaft. In Nigeria hatte es 20 Erkrankte gegeben, acht davon starben. Ein Ebola-Ausbruch gilt nach den Richtlinien der WHO als beendet, wenn 42 Tage lang kein Fall aufgetreten ist. 42 Tage entsprechen der doppelten maximalen Inkubationszeit, also dem Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen. Bereits am Freitag hatte die Organisation Senegal für ebolafrei erklärt. Dort hatte es jedoch nur eine Infektion gegeben, die der Erkrankte überlebte.

Hoffnung für Romero

Der erste Mensch, der sich im Zuge der Epidemie außerhalb von Afrika mit dem tödlichen Virus infiziert hatte, war die spanische Krankenschwester Tereso Romero. Sie hat Ebola nun offenbar besiegt: Ein erster Test sei am Sonntag negativ gewesen, teilte die Regierung in Madrid mit. Es müsse aber noch ein zweiter Test abgewartet werden, um sie als geheilt zu betrachten. Die 44-jährige Pflegerin war Anfang Oktober in die Madrider Klinik eingeliefert worden, wo sie selbst arbeitete. Im August und September starben dort zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola.

Mit dem gefährlichen Virus infizierte sich Romero ersten Erkenntnissen zufolge, als sie beim Ablegen ihrer Schutzkleidung ihr Gesicht aus Versehen mit einem infizierten Arbeitshandschuh berührte. Umso glücklicher zeigte sich am Sonntag ihr Ehemann nach dem ersten negativen Test: "Ich bin sehr glücklich, denn wir können sagen, dass Teresa die Krankheit besiegt hat", erklärte Javier Limon.

Ehemann will klagen

Limon steht gemeinsam mit 14 weiteren Menschen, die vor der Diagnose Kontakt zu der Krankenschwester hatten, in der Klinik weiter unter ärztlicher Beobachtung. Die Inkubationszeit für das Virus beträgt 21 Tage. Der Zustand der Krankenschwester entwickle sich indes positiv, teilte das Krankenhaus mit.

Romeros Ehemann will nun aber die Behörden verklagen. "Ich werde vor Gericht beweisen, dass die Bewältigung der Ebola-Krise ein großes Pfuschwerk war", kündigte der Mann auf einem Video an, das eine Sprecherin der Familie der Madrider Presse übergab.

Unterdessen entschuldigte sich das Krankenhaus im US-Bundesstaat Texas, wo sich zwei Krankenschwestern mit dem Virus infiziert hatten. Es seien "Fehler im Umgang mit dieser schwierigen Herausforderung" gemacht worden, erklärte die Klinik am Sonntag. Dort war der Liberianer Thomas Eric Duncan nach seiner Behandlung gestorben, der das Virus aus seinem Heimatland in die USA eingeschleppt hatte. Duncans Symptome seien ursprünglich nicht sofort richtig eingeordnet worden, erklärte das Krankenhaus. "Das tut uns sehr leid."

Kontrollen in Brüssel

Inzwischen haben auch Kontrollen von Reisenden am Brüsseler Flughafen begonnen. Reisende, die aus den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone kommen, müssen demnach ihre Körpertemperatur messen lassen. Falls ein Passagier mehr als 38 Grad Fieber hat, soll er in ein Extrazimmer gebeten werden, um dort einen Fragebogen auszufüllen und mit einem Arzt zu sprechen. Die Maßnahmen betreffen der Sprecherin zufolge vier ankommende Flüge pro Woche. Ähnliche Kontrollen gibt es unter anderem auch in Frankreich und Großbritannien.

Welche Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden

Auf schnelle Ergebnisse darf man nicht hoffen – dennoch tut sich einiges im Wettlauf um einen Ebola-Impfstoff. Dass Kanada jetzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 800 Ampullen eines experimentellen Impfstoffs gegen Ebola zur Verfügung stellt, ist dabei nur eine von mehreren Entwicklungen. Einige wenige medizinische Helfer im Ebola-Gebiet könnten – wenn erste Tests zur Sicherheit positiv ausfallen – bereits ab November mit einem der in Entwicklung befindlichen Impfstoffe versorgt werden. Größere Tests zur Überprüfung der Wirksamkeit der bisher nur an Tieren untersuchten Impfstoffe am Menschen könnten dann im Jänner oder Februar beginnen.

Der kanadische Impfstoffwar in zehnjähriger Forschungsarbeit von den Gesundheitsbehörden des Landes entwickelt worden, seine Sicherheit wird derzeit in den USA klinisch getestet. Auch in Deutschland und der Schweiz soll das Präparat ab Anfang 2015 geprüft werden. Allerdings wird vermutlich weltweit nur eine kleine Impfstoffmenge zur Verfügung stehen, die Schätzungen liegen bei rund 10.000 Dosen. Wie der Impfstoff dann in Afrika verteilt wird, überlässt Kanada der WHO.

Der britische Impfstoff des Unternehmens GlaxoSmithKline (GSK) wird seit September in den USA und in Großbritannien in ersten Tests am Menschen erprobt – aber auch hier geht es noch nicht um die Wirkung, sondern nur um die Unbedenklichkeit. Weitere Tests sind in Mali und Gambia vorgesehen. Laut WHO dürfte GSK Anfang 2015 etwa 10.000 Dosen des Impfstoffs zur Verfügung haben.

Die WHO hält beide Präparate für "vielversprechend". Sie haben Affen vor Ebola geschützt, aber das sagt nur wenig über einen Effekt beim Menschen aus. Rund 30 Prozent der mit dem Ebolavirus Infizierten überlebten die Krankheit. Ihr Immunsystem war stärker als der Erreger. (Lesen Sie unter der Bildergalerie über weitere Präparate nach.)

Die Gesichter der Überlebenden

Weitere Präparate

Daneben werden einige weitere Medikamente entwickelt:

ZMapp:Die Grundlagen für das in genetisch veränderten Tabakpflanzen hergestellte Gemisch aus drei monoklonalen Antikörpern wurden in Wien an der Universität für Bodenkultur entwickelt. In Wien wurden die genetisch veränderten Tabakpflanzen gezüchtet. Die weitere Forschungsarbeit geschah dann in Zusammenarbeit zwischen US- und kanadischen Labors. Hersteller ist die Firma Mapp Biopharmaceutical in San Diego (Kalifornien). Das Präparat wurde bereits mehreren Ebola-Kranken verabreicht, obwohl es noch keine klinischen Tests zu dem Mittel gab. Bei den Patienten, die überlebten, ist unklar, welchen Anteil ZMapp an der Heilung hatte. Der Vorrat an ZMapp ist derzeit erschöpft, doch dürften bis Jahresende wieder einige hundert Dosen zur Verfügung stehen.

Das Anti-Grippe-Mittel T-705: Es wird von einer Tochter von FujiFilm in Japan produziert. Ein von Frankreich geleiteter Test zur Wirksamkeit an Ebola-Kranken soll im November in Guinea starten. Es ist das einzige Medikament, das potenziell rasch herstellbar wäre und von dem es laut Hersteller ausreichende Vorräte für mehr als 20.000 Menschen gibt. Als Vorteil gilt auch, dass das Mittel in Form von Tabletten gegeben wird, wodurch es in schwer zugänglichen Gebieten einfacher eingesetzt werden könnte.

TKM-Ebola: Für die Entwicklung dieses Medikaments erhielt die kanadische Firma Tekmira einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über 140 Millionen Dollar (111 Millionen Euro). 900 Dosen könnten laut WHO bis Ende 2015 hergestellt werden. Die Sicherheit dieses Präparates wurde bereits an einigen wenigen Menschen geprüft.

Therapien auf Blutbasis: Dabei wird bei Kranken das Serum von Menschen eingesetzt, welche die Krankheit überstanden haben. Das Plasma soll Antikörper gegen Ebola enthalten. Doch es ist völlig unklar, welche Dosis für eine sinnvolle Therapie notwendig ist. Außerdem gibt es in den westafrikanischen Staaten nur ein rudimentäres und versagendes Gesundheitswesen. Für die Plasmagewinnung benötigt man aber hoch technisierte Ausrüstung und eine ganze Testbatterie zur Garantie der Sicherheit (Hepatitis, HIV etc.).

Nicht überbewerten

Trotz aller Hoffnung, die auf Impfstoffen und Medikamenten ruht, betonten Ebola-Forscher, dass die Bekämpfung weiterhin in erster Linie von den klassischen Mitteln der Seuchenhygiene getragen werden muss: Dem Auffinden von Infizierten und einer möglichst frühen Behandlung im Spital (z.B. Flüssigkeitsersatz gegen Austrocknung), Quarantänemaßnahmen und die Überwachung von Kontaktpersonen.

Oberhauser startet Info-Kampagne zu Ebola

Mit mehrsprachigen Plakaten werden ab Montag an den heimischen Flughäfen und Bahnhöfen Reisende über Ebola und MERS ("Middle Eastern Respiratory Syndrome") informiert. Das hat Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser am Sonntagabend in der ORF-Sendung "Im Zentrum" bekannt gegeben. Die Plakate werden drei Fragen enthalten, mit denen jeder Passagier seine persönlichen Risiken einer Erkrankung abschätzen und im Bedarfsfall Hilfestellung hinsichtlich seines weiteren Verhaltens erhalten soll. Zu diesem Zweck wird auch eine Notfall-Telefonnummer eingerichtet, kündigte Oberhauser an.

Grundsätzlich sei Österreich "gut vorbereitet" und "sehr wachsam", sollte sich Ebola in Europa ausbreiten. Es gebe seit Monaten einen Krisenstab, man habe die Gefahr "nicht unterschätzt", betonte Oberhauser. "Europa, die Welt hätte schneller vor Ort helfen müssen", räumte sie ein. Dass die von der Seuche betroffenen westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone rascher professioneller Unterstützung bedürfen, sei "zögerlich ins Bewusstsein eingegangen".

In Luxemburg beraten am Montag die EU-Außenminister neben weiteren Themen über das europäische Vorgehen gegen die Epidemie. Dabei wollen sie über die Beschaffung von Spezialflugzeugen für die Evakuierung von ausländischem Hilfspersonal beraten.

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