Vor dem eingestürzten Supermarkt stapeln sich Trümmerteile. Die Bergungsarbeiten in der Ruine sind extrem gefährlich

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Lettland
11/22/2013

Dutzende Tote bei Dacheinsturz in Riga

Ein Supermarktdach in Riga brach auf einer Fläche von mindestens 500 Quadratmetern ein.

von Alexandra Uccusic

Alles ist eingestürzt – die Wände, das Dach, alles“, erzählt ein geschockter Überlebender. „Meine kleine Schwester hat mich gefragt, wo Mama ist, aber ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll“, weint ein kleiner Bub, der inmitten einer Menschenmenge vor dem eingestürzten Supermarkt wartet. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen noch in den Trümmern eingeschlossen sind“, sagt Viktorija Sembele, die Sprecherin der Einsatzkräfte.

Mindestens 51 Menschen sind beim Einsturz eines Supermarktes in der lettischen Hauptstadt Riga ums Leben gekommen. Dutzende weitere wurden verletzt. Die Rettungskräfte gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer noch steigen wird. Wegen der Einsturzgefahr in der Ruine sind die Bergungsarbeiten extrem schwierig. Auch Feuerwehrleute sind unter den Toten: Als die ersten Rettungskräfte am Unglücksort eintrafen, stürzten weitere Gebäudeteile ein und begruben die Helfer. Drei Feuerwehrmänner starben, zehn wurden verletzt. „Ich bin stolz auf meinen Papa“, schrieb die Tochter eines getöteten Helfers auf Twitter. „Er ist gestorben, während er anderen geholfen hat, ohne an sich selbst zu denken.“

Soldaten suchten in den Trümmern mit Spürhunden nach Vermissten. Rettungskräfte räumten mit Spezialkränen schwere Betonteile und geborstene Stahlträger zur Seite. Zahlreiche Menschen legten bei der Absperrung vor der Unglücksstelle Blumen nieder und stellten Kerzen auf.

Alarmsignal ignoriert

Warum das Dach einstürzte, war am Freitag unklar. Das Gebäude war am Donnerstagabend trotz eines Alarmsignals nicht evakuiert worden, weil es „keine offensichtlichen Anzeichen von Feuer“ gegeben habe, sagte ein Sprecher des Supermarktbetreibers. Das Dach des Gebäudes brach wenig später auf einer Fläche von mindestens 500 Quadratmetern ein. Vor allem abends war der Supermarkt, der zur lettischen Maxima-Kette gehört, gewöhnlich sehr gut besucht.

Das Gebäude war im Jahr 2011 errichtet und auch für einen Architekturpreis nominiert worden. Vor Kurzem hatte es Arbeiten für eine Dachbegrünung gegeben. Alle Anträge dafür seien korrekt eingereicht worden, hieß es bei der Baubehörde. Nun müsse aber untersucht werden, ob die richtigen Baustoffe verwendet und die Arbeiten vorschriftsmäßig abgelaufen seien.

Bilder der Tragödie von Riga

A view of collapsed Maxima supermarket in Riga, L…

Emergency service specialists work at a store with

A teenager warms up with a blanket outside the col…

Candles and flowers outside the collapsed Maxima s…

A late Thursday, Nov. 21, 2013 view of the collap…

LATVIA SUPERMARKET ROOF COLLAPSE

Rescue workers carry a stretcher with a firefighte…

Rescue workers search debris of the Maxima superma…

Winter 2006: Tödliche Dacheinstürze in Europa

Im schneereichen Winter 2006 kam es gleich zu drei folgenschweren Dacheinstürzen in Europa: Am 2. Jänner brach das Dach der Eissporthalle Bad Reichenhall, Deutschland, ein. 15 Menschen starben. Das Dach hatte den tonnenschweren Schneemassen nach tagelangen Niederschlägen nicht mehr standgehalten. Grund für den Einsturz waren massive Mängel bei Planung und Bau. Ein Statiker wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt; ein Architekt und ein Gutachter wurden freigesprochen, die Freisprüche wurden 2010 jedoch wieder aufgehoben.

Am 28. Jänner 2006 brach in Kattowitz, Polen, während einer Taubenausstellung das Dach einer Messehalle unter der Schneelast zusammen. Mindestens 65 Menschen starben.

Und am 23. Februar 2006 stürzte eine Markthalle in Moskau unter der Schneelast ein. 66 Menschen starben. Der Leiter wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt – er hatte den Zustand der Halle nicht kontrolliert.