Ein Tafel erinnert an die 21 Toten der Loveparade 2010 in Duisburg.

© APA/EPA/OLIVER BERG

Deutschland
07/24/2015

Nacht der 1.000 Lichter für die Loveparade-Opfer

Duisburg gedenkt der 21 Opfer des Loveparade-Unglücks vor fünf Jahren.

Stoffhasen lehnen an Grablichtern . Die Lichter flackern still am Ort der Katastrophe bei der „Nacht der 1.000 Lichter“. Aus Bilderrahmen blicken junge Gesichter: eine hübsche Frau mit Federboa um den Hals, ein Sportler im grünen Handballtrikot, ein Geschäftsmann in Anzug und Krawatte. Eine neue Gedenktafel spendet Trost in sieben Sprachen - dort heißt es etwa: Love never ends, el amor no acaba nunca, Liebe hört niemals auf. Es sind die sieben Muttersprachen der Menschen, die am 24. Juli 2010 bei der Massenpanik ums Leben gekommen sind. Vor der Gedenktafel umarmen sich Betroffene. Andere tragen schwarze Shirts mit dem Aufdruck „Du lebst in unseren Herzen ewig weiter“. Über eine Betontreppe konnten sich noch viele vor dem tödlichen Gedränge in Sicherheit bringen. Zur Gedenkfeier am Donnerstagabend in Duisburg haben Angehörige 21 Blumentöpfe auf die Stufen gestellt - mit gelben Rosen und den Namen der Opfer

Bei der „Nacht der 1.000 Lichter“ haben Opfer und Angehörige der 21 Toten gedacht, am Abend vor dem fünften Jahrestag. Die Wunden sind noch längst nicht verheilt, die Frage nach der Verantwortung für die Tragödie ist weiter offen. Auch Loveparade-Gründer DJ Dr. Motte nahm an der Gedenkveranstaltung der Angehörigen teil. „Ich will einfach für die Betroffenen da sein, die zu Schaden gekommen sind“, sagte der Künstler.

Der 24. Juli 2010 sollte für Tausende ein unvergesslicher Tag werden. Er endete in einer Katastrophe. Eine Rampe zum Veranstaltungsgelände war viel zu eng. Aus einem harmlosen Gedränge wurde eine tödliche Falle, als immer mehr Menschen aufeinanderrückten. Panik brach aus. Am Ende waren 21 Menschenleben zu beklagen. Etwa 500 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Fünf Jahre sind seither vergangen. Die Schuldfrage ist noch immer nicht geklärt, das Verfahren dauert an. Zwar hat die Staatsanwaltschaft zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg und des Loveparade-Veranstalters angeklagt. Ob das Landgericht Duisburg jedoch das Hauptverfahren eröffnet, daran zweifeln viele Betroffene. „Wir können nicht verstehen, dass die Hauptverdächtigen dieser Katastrophe frei spazieren können“, sagt der spanische Vater Paco Zapater am Donnerstag. Er verlor bei den Ereignissen zwei Töchter, Gabi Müller ihren Sohn. „Es ist gar nichts geschehen. Ich weiß nicht, wie wir zur Ruhe kommen sollen. Für mich ist das unmenschlich“, sagt sie.

Aber nicht nur die Angehörigen, auch ehemalige Sicherheitsleute leiden. „Ich habe das Gefühl, dass ich die Leute in den Tod geschickt habe“, sagt Nicole Ballhause. Als sie zum Einsatz an der Rampe gerufen wurde, lagen drei Tote vor ihr. Diesen Anblick werde sie nie vergessen. Über ihrer linken Brust ist das Datum der Katastrophe eintätowiert: 24.7.2010.

Die Verantwortlichen hat man laufen lassen

Fünf Jahre nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade mit 21 Toten rechnet der Vorsitzende der „Betroffenen-Initiative LoPa 2010“, Jörn Teich, nicht mehr mit einer Klärung der Schuldfrage. „Ich glaube nicht an einen Prozess“, sagte Teich am Donnerstag im WDR-Hörfunk. „Die Verantwortlichen hat man laufen lassen.“
Teich fügte hinzu, auf der Anklagebank sitze nur noch die „dritte Reihe“, und er rechne nicht damit, dass überhaupt jemand verurteilt werde. „Das wird's nicht geben, es wird niemand verurteilt werden.“ Für die Betroffenen und Angehörigen sei das sehr frustrierend, da mit einer Klärung der Schuldfrage auch das Thema besser abgeschlossen werden könne. Das aber werde es im Fall der Loveparade-Katastrophe - wie auch bei anderen Unglücken - wohl nicht geben.

Teich ist Organisator der „Nacht der 1.000 Lichter“, mit der am Donnerstag an der Unglücksstelle erneut an die Tragödie vom 24. Juli 2010 erinnert werden sollte. Laut WDR war Teich selbst mit seiner damals vierjährigen Tochter in das katastrophale Gedränge am überfüllten Tunnel zum Loveparade-Veranstaltungsgelände geraten. 21 Menschen starben, weit mehr als 500 wurden verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Februar 2014 Anklage gegen sechs Beschäftigte der Duisburger Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent erhoben. Ihnen werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Die Entscheidung des Duisburger Landgerichts über die Eröffnung des Hauptverfahrens steht noch aus. Sollte das Gericht die Anklage zulassen, würde ein Prozess wohl erst im nächsten Jahr beginnen.

Teich wies darauf hin, dass auch fünf Jahre nach der Katastrophe viele Betroffene mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hätten. Umso größer sei die Enttäuschung über die aus ihrer Sicht mangelnde juristische Aufarbeitung. Das Rechtsgefühl und Vertrauen in den Staat sei deshalb bei vielen komplett verloren gegangen. Teich zufolge ist die Gründung einer Stiftung geplant, über die eine Betreuung der Opfer organisiert werden soll.

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