Moas versucht die Flüchtlinge möglichst früh zu orten und bringt sie dann nach Italien, von wo die meisten jungen Männer, die Mehrheit aus Eritrea, weiterreisen

© /Jason Florio/Moas

Die Seeretter von Moas
07/24/2015

Rettung im Meer: Wasser und Schwimmwesten zuerst

Seit Mai haben sie 8500 Leute, die meisten aus Eritrea, sicher an Land gebracht.

Die Vorbereitungen auf dem Rettungsschiff Phoenix, das derzeit im Hafen vor der Insel Malta ankert, laufen auf Hochtouren. Am Montag bricht das Schiff der privaten Initiative Moas des italienisch-amerikanischen Ehepaars Regina und Christopher Catrambone zur zweiten Halbzeit der Flüchtlingsrettung im Mittelmeer auf.

Erst vor wenigen Tagen ist das Schiff von seinem bisher größten Rettungseinsatz nach Malta zurückgekehrt: 415 Menschen wurden sicher in die sizilianische Hafenstadt Messina gebracht. Seit Anfang Mai konnte Moas über 8500 Frauen, Männer und Kinder retten. "Wir versuchen die Flüchtlingsboote innerhalb der ersten zwölf Stunden nach ihrer Abfahrt aus Libyen zu erreichen. Dann treffen wir die Leute in einer Verfassung, wo wir ihnen rasch helfen können", erzählt Moas-Einsatzleiter Martin Xuereb dem KURIER.

Drohnen im Einsatz

Die Überlebensquote steige deutlich, je rascher die Einsätze erfolgen. Von der österreichischen Firma Schiebel zur Verfügung gestellte Drohnen unterstützen beim Aufspüren von Flüchtlingsbooten. "Diese sind eine große Entscheidungshilfe für unsere Einsätze, da wir dank der Technologie die Lage auch aus großer Entfernung besser einschätzen können", so Maltas Ex-Verteidigungsminister Xuereb.

In der Regel ist die Situation der Menschen bereits bei der Abfahrt dramatisch: Auf engstem Raum in Schlauchbooten zusammengepfercht, ohne Wasser und Essen. Sonnenschutz oder Decken gegen Kälte in der Nacht auf hoher See fehlen. Am häufigsten leiden Bootsflüchtlinge unter Dehydrierung. "Verteilung von Trinkwasser gehört zu den ersten Rettungsmaßnahmen, wenn wir ein Boot in Seenot aufgreifen. Ebenso die Verteilung von Schwimmwesten – erst dann kann die Einschiffung beginnen", erzählen Moas-Mitarbeiter, die mit einem Team von "Ärzte ohne Grenzen" zusammenarbeiten. "Der Großteil der Bootsflüchtlinge kommt aus Eritrea. Syrer nehmen dieses Jahr verstärkt die Route über Griechenland und Türkei", beobachtet Xuereb.

Nach den intensiven Einsätzen mit durchschnittlich 21 Tagen auf See sind routinemäßige Reparaturarbeiten auf der Phoenix erforderlich. Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten werden aufgestockt. Ein kalabrisches Trinkwasser-Unternehmen spendete 5200 Wasserflaschen. Benzintanks werden aufgefüllt – ein voller Tank der Phoenix kostet 30.000 Euro.

Flüchtlinge aus Eritrea

Europa schaut mittlerweile nicht mehr weg, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, findet Xuereb. Nach der bisher größten Flüchtlingstragödie mit 900 Toten im April hätte man endlich begriffen, dass verzweifelte Leute, die vor Krieg und Armut fliehen, alles auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen. Nach der Seerettung beginnen die Probleme, welche Länder die Menschen aufnehmen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren allerdings, dass Triton/Frontex-Schiffe bei Rettungsaktionen weitgehend abwesend seien. "Wir sind zehn Tage in diesem Einsatzgebiet gewesen. Ich habe konkret über die Rettungsleitstelle in Rom ein Triton- oder Frontex-Schiff angefordert. Dort wurde mir gesagt: Hier gibt es keine Triton-Schiffe", berichtet der Deutsche Ingo Werth, der das private "Sea Watch"-Projekt gründete. Er rüstete seinen Fischkutter auf – es gibt Schwimmwesten und Rettungsinseln für 500 Leute an Bord – um Flüchtlinge zu retten. Bisher konnte sein Freiwilligenteam 600 Menschen sicher an Land bringen. Werth beobachtete wie Triton Schiffe im Hafen vor Sizilien liegen, während vor der libyschen Küste verzweifelte Menschen sterben.

Dort wo Politik versagt, ist Einsatz der Zivilgesellschaft gefragt. Private Rettungsinitiativen sind dringend auf Spendengelder angewiesen. Zuletzt konnte eine Summe von 250.000 Euro von Spendern aus Deutschland und von der Caritas International die Weiterarbeit von Moas sichern.

Wer Moas und Sea Watch unterstützen möchte: www.moas.eu und http://sea-watch.org

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