Chronik | Welt
18.01.2012

"Die Menschen führten sich auf wie Tiere"

Passagiere der "Costa Concordia" beschreiben chaotische Szenen und kritisieren die viel zu langsame Evakuierung.

Nach dem Schiffsunglück erzählen immer mehr Passagiere von erschütternden Szenen an Bord. "Die Leute versuchten, sich gegenseitig die Schwimmwesten zu stehlen", berichtet die 65-jährige Antonietta Sintolli. "Wir konnten nur für die Kinder welche bekommen." "Es war die totale Panik", erzählt auch Patrizia Perilli. "Die Menschen führten sich auf wie Tiere. Wir mussten viel zu lange warten, um in die Rettungsboote zu kommen."

Auch Mara Parmegiani Alfonsi beschreibt chaotische Szenen und die viel zu langsame Evakuierung: "Die Mannschaft war absolut nicht darauf vorbereitet, die ihr zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen." "Nachdem wir vom Personal keine Auskunft erhielten, habe ich selbst den Polizeinotruf kontaktiert. Dort fragte man mich, ob wir die Schwimmwesten angelegt hätten, weil die Rettungsboote unterwegs seien", berichtete eine weitere Frau. Da hätte man auf dem Schiff noch immer von einem elektronischen Gebrechen gesprochen und die Leute angewiesen, in ihre Kabine zurückzukehren. Als endlich die Rettungsboote ausgefahren wurden, brach Panik aus, weil sich das Schiff bereits stark zur Seite neigte.

Der Franzose Gilbert, 66, half anderen Mitreisenden, von Bord zu kommen. "Wir waren auf uns selbst gestellt, es war ein ,Rette sich, wer kann‘. Viele haben die Devise, Frauen und Kinder zuerst’‘ ignoriert. Ich habe noch zwei behinderten Personen von Bord geholfen."