Chronik | Welt
31.08.2017

Dianas Tod: Ein tragischer Weckruf für die Royals

Das Königshaus reagierte nach dem Unfall der "Königin der Herzen" kühl und unnahbar - nach massiver Kritik wurde die PR-Strategie geändert.

Der Tod von Diana vor 20 Jahren schockierte Großbritannien und die Welt - und wurde für das britische Königshaus zu einem Weckruf. Denn nach dem tödlichen Autounfall der "Königin der Herzen" brachten die Royals ihre Landsleute mit tagelanger Funkstille gegen sich auf. Steif, unnahbar, kaltherzig wirkte die Königsfamilie im Moment der Trauer.

Dianas Tod wurde zum Anlass für eine Umwälzung der Öffentlichkeitsarbeit des Buckingham-Palasts. Heute wird das Image des Königshauses von einer gut geölten PR-Maschinerie bestimmt. "Paradoxerweise waren es der Tod der ' Prinzessin des Volkes' und die folgenden Gefühlsausbrüche, die die Königsfamilie zur Anpassung gezwungen haben", sagt PR-Experte Mark Borkowski. "Sie musste sich modernisieren."

Es war der frühe Morgen des 31. August 1997, als die Nachricht von Dianas Tod nach einem Autounfall in Paris die Briten erschütterte. Im ganzen Land flossen Tränen, vor dem Buckingham-Palast in London und dem Kensington-Palast, der Residenz von Lady Di, legten Trauernde tausende Blumensträuße nieder.
Von der britischen Königsfamilie kam - nichts. Queen Elizabeth II. und der von Diana geschiedene Prinz Charles blieben zurückgezogen im schottischen Anwesen Balmoral, wo sie die Sommerwochen verbrachten, und verzichteten auf jede öffentliche Reaktion.

"Die Königsfamilie hat uns fallengelassen"

Dass am Buckingham-Palast die Flaggen nicht auf Halbmast gesetzt wurden, erboste die Briten. "Die Königsfamilie hat uns fallengelassen", zürnte das Boulevardblatt Sun. Erst am Tag vor der Beisetzung ihrer einstigen Schwiegertochter wandte sich Elizabeth II. in einer höchst ungewöhnlichen Fernsehansprache an ihre Landsleute.

"Wenn die Windsors nicht ihre Lektion lernen, dann werden sie nicht nur Diana bestatten, sondern auch ihre eigene Zukunft", warnte die Zeitung The Guardian, zumal sich in der Zeit fast jeder Vierte Brite für eine Abschaffung der Monarchie aussprach. Und das Königshaus reagierte.

PR-Experte Borkowski erzählt, früher habe ein gängiger Witz gelautet, dass am Wochenende, wenn Boulevardblätter die wichtigsten People-Geschichten beispielsweise über Diana veröffentlichten, in der königlichen Pressestelle nur der Anrufbeantworter drangegangen sei. Die Mitarbeiter ließen an Freitagen um 17.00 Uhr die Stifte fallen.

"Produkt einer sehr ausgeklügelten Informationskampagne"

Nach Dianas Tod begriff das Königshaus, dass es die Hoheit über die Nachrichten zurückerlangen musste. Im trägen Pressedienst der Royals wurde aufgeräumt, PR-Profis übernahmen das Kommando. "Alles wurde revolutioniert", sagt Dianas früherer Privatsekretär Patrick Jephson. "Die Monarchie ist mehr und mehr das Produkt einer sehr ausgeklügelten Informationskampagne."

Das Ziel: Positive Informationen und schöne Geschichten über die Monarchie verbreiten und zugleich die Privatsphäre der Royals so gut wie möglich schützen. Insbesondere die Queen, die lange den Ruf hatte, mehr Mitgefühl für ihre Hunde und Pferde aufzubringen als für ihr Volk, sollte menschlicher erscheinen.

Auch der als ungelenk und distanziert verschriene Charles ließ sich sein Image aufpolieren. "Er hat enorm viel Geld ausgegeben, damit sehr raffinierte, professionelle, politische Spindoktoren sich um sein Ansehen kümmern", sagt Jephson.

"Sie wollten eine zugänglichere Familie sein"

"Sie wollten eine zugänglichere Familie sein", sagt PR-Experte Borkowski. Die Offensive trug Früchte: Die Briten stehen heute fest hinter ihrem Königshaus, Elizabeth II. genießt 65 Jahre nach ihrer Thronbesteigung großes Ansehen in der Bevölkerung. Dianas Biograf Andrew Morton sagt, insbesondere die Prinzen William und Harry ließen die Royals "menschlicher, nahbarer" erscheinen.

Ein Glücksfall ist natürlich auch Williams Ehe mit Kate: Das Paar wirkt sympathisch, modern und volksnah. Die Hochzeit 2011 und die Geburt der beiden Kinder George und Charlotte ließen sich wunderbar verkaufen - von einer perfekt laufenden PR-Maschinerie, die nach dem Tod von Williams Mutter Diana vor 20 Jahren angeworfen wurde.

Martine Pauwels/AFP

Dianas Fahrt in den Tod: Die Nacht von Paris

Prinzessin Diana und ihr Freund Dodi Al Fayed starben nach einer Verfolgungsjagd mit Paparazzi am 31. August 1997 in Paris. Ihre letzte Nacht:

- 30. August, 19.00 Uhr: Das Paar bricht vom Hotel Ritz an der Place Vendome zur Wohnung von Dodi Al Fayed nahe der Prachtstraße Champs-Elysees auf.

- 21.30 Uhr: Aus einem geplanten Abendessen in einem Restaurant wird nichts, da das Paar von rund 30 Paparazzi verfolgt wird. Diana und Dodi kehren ins Ritz zurück und essen dort.

- 31. August, 00.20 Uhr: Das Paar hat sich entschlossen, doch noch zu Al Fayeds Wohnung in der Rue Arsene-Houssaye zu fahren. Der Mercedes mit Henri Paul am Steuer fährt vor dem Hotel los, verfolgt von Fotografen.

- 00.25 Uhr: Der Wagen rast gegen den 13. Pfeiler im Tunnel Pont de l'Alma. Al Fayed und der Fahrer sterben sofort.

- 00.30 Uhr: Die ersten Polizisten treffen am Unglücksort ein. Es folgen Feuerwehr und Rettungskräfte. Sieben Paparazzi werden festgenommen.

- Gegen 01.00 Uhr: Diana wird aus dem Wagen befreit und erleidet einen Herzstillstand.

- Gegen 01.30 Uhr: Sie wird mit einem Krankenwagen in die Klinik Pitie-Salpetriere gebracht.

- Gegen 02.00 Uhr: Ankunft im Krankenhaus. Dianas Herz bleibt wenig später erneut stehen.

- 04.00 Uhr: Die Prinzessin wird offiziell für tot erklärt. Sie starb an einer Lungenblutung.

- 08.00 Uhr: Eine Autopsie des Fahrers wird angeordnet. Es stellt sich später heraus, dass er betrunken war und Medikamente genommen hatte.

- Gegen 18.00 Uhr: Dianas Sarg wird begleitet von ihrem Ex-Ehemann Prinz Charles mit der Royal Air Force nach London gebracht und in der königlichen Kapelle des St. James's Palastes aufgebahrt.

Briten erinnern mit Blumen und Kerzen an 20. Todestag von Lady Di

Gedenken an die "Königin der Herzen": Vor dem 20. Todestag von Prinzessin Diana haben viele Briten an ihr Idol erinnert. Vor dem Kensington-Palast in London legten Passanten am Mittwoch Blumen nieder oder zündeten Kerzen an. Die Prinzen William und Harry schauten sich bei Regen das Blumenmeer vor dem Palast an. Am Nachmittag besuchten sie den Gedenkgarten für ihre Mutter auf dem Palastgelände.

An den Toren des Palastes hingen Bilder von Lady Di mit der Aufschrift "Königin der Herzen". Fans der Prinzessin brachten einen Kuchen mit ihrem Abbild vorbei. "Ich war so traurig", erinnert sich die eigens aus Schweden angereiste Lena Pettersson an den Todestag ihres Idols. "Sie hat sich um Leute gekümmert, sie war sehr besonders." Die 62-jährige Helen Zacharia erzählt: "Ich komme jedes Jahr her, weil ich Diana immer gern gehabt habe."

William und Harry inspizierten trotz des Regens das Blumenmeer vor dem Palast. Darunter waren auch Botschaften an ihre Mutter: "Unser Land war so glücklich, dich zu haben", hieß es in einer Notiz. Harry nahm einen Blumenstrauß von den Trauernden entgegen und legte ihn zu den anderen.

Lady Di war am 31. August 1997 im Alter von 36 Jahren nach einer Verfolgungsjagd mit Paparazzi in Paris bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon von Prinz Charles geschieden, den sie 1981 geheiratet hatte. An ihrem Todestag am Donnerstag gibt es keine offizielle Zeremonie.

Am Mittwoch besuchten William und seine Ehefrau Kate sowie Harry auch den Gedenkgarten des Palastes. Der sogenannte Weiße Garten wurde mit Pflanzen und Blumen angelegt, die Diana besonders gefielen. Möglicherweise noch vor Ende des Jahres soll im Garten des Palastes auch eine Statue von Diana aufgestellt werden. Prinz William hatte seine Mutter kürzlich in einer Dokumentation als "Lichtstrahl in einer ziemlich grauen Welt" bezeichnet.

Anschließend trafen sich die jungen Royals mit Vertretern der von Diana unterstützten Stiftungen, darunter solche für HIV-Infizierte und bedürftige Kinder. Ziel sei es, an die "bedeutenden Leistungen der Prinzessin zu erinnern und an das Vermächtnis ihrer Arbeit, die weiterhin so viele bewegt", sagte eine Sprecherin des Kensington-Palastes, wo die Prinzessin von Wales zuletzt residierte.

Auch setzen William und Harry das soziale Engagement ihrer Mutter fort. Prinz Harry setzt sich für die Räumung von Landminen ein wie einst Diana, die 1997 ein Minenfeld in Angola besucht hatte. Diana besuchte in den 1980er-Jahren Aids-Kranke, Harry setzt sich heute für HIV-Tests ein. William engagiert sich derweil für den Bau von Obdachlosenunterkünften und für den Schutz von Kindern - Themen, die auch seiner Mutter wichtig waren.

In einem ungewöhnlichen Fernsehinterview Ende Juli beschrieben die beiden Prinzen Dianas ansteckenden Humor und wie sie ihnen ihre Liebe zeigte. Außerdem berichteten William und Harry von ihrem Leben nach der Trennung ihrer Eltern.

Prinz Charles in der Gunst der Briten gesunken

20 Jahre nach dem Tod von Lady Diana sinkt Prinz Charles weiter in der Gunst der Briten. Nur 36 Prozent der Befragten werteten die Rolle des britischen Thronfolgers für die Monarchie in einer am Montag veröffentlichten Umfrage positiv - vor vier Jahren waren es noch 60 Prozent der Briten. 27 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, Charles schade der Monarchie.

Nicht besser kommt Charles' Frau Camilla davon: Nur 14 Prozent der Befragten wollen, dass sie Königin wird, wenn Charles eines Tages seiner Mutter Elizabeth II. auf dem Thron nachfolgt. 39 Prozent wollen ihr lediglich den Titel einer Prinzgemahlin zugestehen, 30 Prozent meinen, Camilla solle überhaupt keinen Titel erhalten.

Der Tod von Charles' geschiedener Frau Lady Diana jährt sich am 31. August zum 20. Mal. Im Vorfeld hatten die britischen Fernsehsender in den vergangenen Wochen zahlreiche Dokumentationen gesendet, in der Boulevardpresse häuften sich die Artikel rund ums Königshaus.

"Wir waren zu dritt in unserer Ehe": Zitate von und über Diana

Zitate von Diana:

"Ich möchte Königin im Herzen der Menschen sein, aber ich sehe mich nicht als Königin dieses Landes. Ich glaube nicht, dass viele Leute mich als Königin wünschen. Ich meine damit vor allem das Establishment, in das ich hineingeheiratet habe. Für die bin ich eine Versagerin." (in einem BBC-Interview vom November 1995)

"Ich richte mich nicht nach Regeln, weil ich vom Herzen geleitet werde und nicht vom Kopf." (im BBC-Interview)

"Die (britische) Presse ist grausam. Sie verzeiht nichts, sie sucht nur den Irrtum." (Ende August 1997 in einem "Le Monde"-Interview)

"Mein Gehirn hat die Größe einer Erbse." (in einem im September 1986 veröffentlichten Gespräch mit Schülern)

"Nun, wir waren zu dritt in unserer Ehe. Das war ein bisschen viel." (im BBC-Interview auf die Frage, ob sie die heutige Herzogin Camilla für einen Faktor im Scheitern ihrer Ehe mit Prinz Charles halte)

Zitate über Diana:

"Hocherfreut und offen gestanden verblüfft, dass Diana mich nehmen will." (Charles im Februar 1981 bei der Bekanntgabe der Verlobung)

"Was auch immer Verliebtsein heißen mag." (Charles kurz nach der Verlobung)

"Sie hat uns mit Liebe überschüttet." (Prinz Harry 2017 in einer TV-Dokumentation anlässlich des 20. Todestages seiner Mutter)

"Ich hätte es gern gehabt, wenn sie Catherine kennengelernt und die Kinder aufwachsen gesehen hätte." (Prinz William in einem "GQ"-Interview im Mai 2017)

"Sie war eine außergewöhnliche und begabte Persönlichkeit. In guten Zeiten wie in schlechten verlor sie nie ihre Fähigkeit zu lächeln und zu lachen oder andere mit ihrer Wärme und Güte aufzumuntern." (Königin Elizabeth II. im September 1997 zum Tod Dianas)

"Sie war die Prinzessin des Volkes." (der damalige britische Premierminister Tony Blair im August 1997 zu Dianas Tod)