Chronik | Welt
01.03.2013

Die Kohls in der Stiefmutter-Falle

Der Sohn des Altkanzlers gibt ihr die Schuld an der Entzweiung der Familie.

Schwere Vorwürfe gegen Maike Kohl-Richter: Der Sohn des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Kohl beschuldigt die zweite Frau seines Vaters, ihn zu bevormunden und ihm den Kontakt zu seinen beiden Söhnen und den Enkeln zu verwehren. „Ich glaube, Maike Kohl-Richter zensiert die Realität meines Vaters, indem sie bestimmen kann, wer mit ihm telefoniert, wer zu Besuch kommt und welche Schriftstücke vorgelegt oder verschickt werden“, sagte der 47-jährige Peter Kohl dem Magazin Bunte. Auch sein Bruder Walter, 49, sagte einst, dass der Kontakt zu seinem Vater seit der Hochzeit praktisch abgebrochen sei.

Ehemalige Weggefährten des heute 82-jährigen Altkanzlers berichteten bereits in der Vergangenheit, dass Maike Kohl Richter, 48, ihren Mann im Haus in Ludwigshafen abschirme und nur ausgesuchte Besucher zu ihm lasse. Dies berichten dieWelt und Focus. Von der Kontaktsperre betroffen ist auch Kohls Ghostwriter Heribert Schwan. Peter Kohl gibt dem Ganzen nun eine neue Dimension: Die Frau seines Vaters gefährde auch dessen geistiges Erbe, meint er. Denn in Schwans Besitz befinden sich vertrauliche Unterlagen.

„Mein Vater kann das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kontrollieren und Frau Kohl-Richter hat offensichtlich komplett die Übersicht verloren, wo sich welche Akten und Dokumente befinden“, sagte er zu Bunte. Für seinen Vater sei das unglaublich schädlich. Helmut Kohl fällt seit einem Sturz im Februar 2008, bei dem er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, das Sprechen schwer. Er sitzt im Rollstuhl, seine Frau kümmert sich um ihn.

Hannelore Kohl, die erste Frau des Altkanzlers, hatte 2001 Selbstmord begangen. Peter Kohl verfasste gemeinsam mit einer Journalistin eine Biografie über seine Mutter, die 2002 zum Bestseller wurde. Nun wird diese Biografie neu herausgebracht, denn die am 7. März 1933 geborene Hannelore Kohl hätte ihren 80. Geburtstag gefeiert. Das Buch wird um 27 Seiten ergänzt, die Peter Kohl verfasst hat, wie die Welt und die Süddeutsche berichten. Der Sohn des Altkanzlers schreibt, dass sein Vater womöglich schon in den 90er-Jahren ein Verhältnis mit Maike hatte. Die Hochzeit fand erst 2008 statt, also fast sieben Jahre nach dem Tod von Hannelore Kohl. Gerüchte über eine Affäre Kohls mit Maike Richter oder seiner Sekretärin Juliane Weber gibt es schon lange; in der Öffentlichkeit wurde allerdings kaum darüber gesprochen. Doch auch dies ändere nun nichts mehr, so Peter Kohl zur Süddeutschen: „Die Dinge sind geschehen, wie sie geschehen sind.“