Chronik | Welt
27.11.2017

Doda: Der tiefe Fall einer Pop-Prinzessin

Doda droht wegen Erpressung und Bedrohung ihres Ex-Liebhabers nun eine Haftstrafe.

Es ist das Ende einer Ära: Polens lautester Popprinzessin drohen mehrere Jahre Haft wegen Erpressung und Bedrohung ihres Ex-Verlobten. In Handschellen wurde Doda diese Woche von der Polizei abgeführt – natürlich nicht ohne Widerstand zu leisten.

Die blonde und temperamentvolle Mittdreißigerin gilt als die bekannteste Persönlichkeit des polnischen Show-Business, das Geschäft des Mensa-Mitglieds mit einem IQ von 156 ist auch die Provokation – mit sexueller Freizügigkeit, Spott über die Bibel sowie, was schwerer wiegt, das selbstbewusste Glauben an die eigenen Fähigkeiten.

Damit eckt sie in Polen an, wo sich sonst auch Stars in Bescheidenheit üben. "Nicht andere, sondern du bist die Grenze deiner Möglichkeiten, überschreite sie!" riet sie noch im Sommer auf riesigen Plakatwänden in Warschau.

Mit der versuchten Einschüchterung ihrer Exilliebe Emil Haidar durch zwei Bekannte hat sie jedoch eine Grenze überschritten und sich ihren amerikanischen Traum selbst zerstört.

Haidar, der aus einer reichen polnisch-syrischen Familie stammt und mit Mineralöl handelt, war mit Doda, bürgerlich Dorota Rabczewska, von 2014 bis 2016 liiert. Danach begann wie so oft bei Dodas Beziehungen eine Schlammschlacht, sie sollte ihren Verlobungsring zurück geben, Doda beharrt auf der Zahlung von einer Million polnischer Zloty Schulden. Die Boulevardpresse hat nun ihr Futter. Zwar kam die streitbare Sängerin, die gerne ihre Fäuste gegen andere schöne Frauen einsetzt, auf Kaution frei. Doch mit Roman Giertych, dem ehemaligen Erziehungsminister Polens und Gründers der nationalistischen "Allpolnischen Jugend", hat sie einen erfahren Anwalt gegen sich, der zehn Jahre Haft fordert, da er ihr die Bildung einer "kriminellen Vereinigung" vorwirft.

Dodas Leben war bislang Überholspur: mit 14 bereits Mitglied im Musical "Metro", danach Mitglied der Rockgruppe "Virgin", provokante Auftritte in TV-Shows mit Temperamentsausbrüchen machten sie populär, eine Solokarriere begann, dann die Traumhochzeit mit dem Fußballstar Radoslaw Majdan. Den polnischen Teenagern führte sie vor, welches Leben im frühkapitalistischen Warschau für ein Mädchen aus der Provinz wie sie möglich war. Wenn Doda-Songs aufgelegt werden, zucken auch sonst artige Schüler aus.

Doda ElektrodaAnfangs werden alle Rollenklischees vorgelebt: sie bricht für ihre Ehe, die drei Jahre hielt,das Psychologiestudium ab und lernt kochen. Er nennt sie im voraus eine gute Mutter und versorgt sie mit dem Attribut "elektrisch", da sie nie friert. Der Reim-Name "Doda Elektroda" wird geboren. "Ich bin Anode und Kathode gleichzeitig" erklärt sie und proklamiert eine gelebte Bipolarität.

TV-Gespräche mit ihr laufen stets nach diesem Muster ab – die Journalisten spielen die Rolle der Erwachsenen, die gesellschaftliche Erwartungen herantragen, dagegen rebelliert die polnische Pippi Langstrumpf dann in der Rolle des Kindes. "Ich bin eben seeeehr intelligent", erklärt Doda gern mit einem Schmollmund – dies ist verbürgt, mit einem Intelligenzquotienten von 156 gehört sie der exklusiven Vereinigung "Mensa" an.

In Polen hingegen sieht sie sich von "Leuten mit Komplexen" bedrängt, doch der gesuchte Erfolg im Ausland nach dem Vorbild "Madonna" blieb ihr bislang verwehrt, vielleicht weil dort das Spiel mit katholischer Symbolik und Erotik nicht so verfängt wie an der Weichsel.

Nach einer längeren Flaute und nach umstrittenen Auftritten mit Politikern der Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) ist die Sängerin wieder im geliebten Aufmerksamkeitsfokus. Dieser kann den Kinofilm "Pitbull 3" bewerben, der im nächsten Jahr in die polnischen Kinos kommt. Bilder der Dreharbeiten mit einer halb nackten Doda in Handschellen machen aus gegebenem Anlass im Internet die Runde. Mit einer Doda in wirklicher Haft wäre allerdings das Society-Leben in Polen deutlich langweiliger.