Der Terrorangriff, der Amerika ins Trauma stürzte

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9/11 veränderte die Welt, führte zu Krieg und einem Anti-Terror-Kampf, dem viele Freiheiten geopfert wurden. Zwei Überlebende erinnern sich.

Panische Hilfeschreie; Menschen, die sich von den brennenden Zwillingstürmen stürzen; undurchdringliche Dunkelheit an einem eigentlich strahlend sonnigen September-Morgen.
Für die Überlebenden und Augenzeugen der Terroranschläge auf das World Trade Center in Manhattan bleibt der 11. September 2001 für immer ein Tag des Horrors - verbunden mit unauslöschlichen Erinnerungen an Leid und Zerstörung.

Alexander H. Spano, damals ein 31-jähriger Manager und frischgebackener Vater eines Sohnes, saß an diesem dramatischen Tag in seinem Büro im 33. Stock des Südturms, als das erste Flugzeug um 08.46 Uhr in den Nordturm donnerte. Seine innere Stimme sagte: Nichts wie weg!

Als er und seine Kollegen wenig später atemlos den bald nicht mehr stehenden Wolkenkratzer verließen, starrte Spano schockiert auf eine Landschaft unvorstellbarer Verwüstung: Die Straßen übersät mit Leichen und Splittern, Flugzeugsitze mit noch angeschnallten Körperteilen. Als der erste Turm einstürzte, fand Spano im letzten Moment Zuflucht im Foyer eines Gebäudes. Beim zweiten rannte er um sein Leben, konnte vor Staub und Asche aber kaum mehr atmen.

Schlecht verheilte Wunde

"Wir dachten nicht, dass wir lebend davonkommen", erzählt Spano kurz vor dem 9/11- Jahrestag dem KURIER. "Dieser Tag ist wie eine schlecht verheilte Wunde. Manchmal reißt es mich nachts immer noch zitternd aus dem Schlaf."

Maria Malone-Hodges arbeitete vor zehn Jahren ebenfalls im World Trade Center - sie befand sich auf dem Weg ins Büro, stand auf einer Rolltreppe, als sie Diesel-Geruch wahrnahm. In diesem Moment stürmten ihr und den anderen Pendlern aus der U-Bahn Polizisten entgegen und schrien: "Rennt! Rennt um euer Leben!"

Malone-Hodges eilte ins Freie und fühlte sich plötzlich in eine Art Schneesturm versetzt: "Zuerst dachte ich, es sei nur Papier, aber dann sah ich, wie Leute am Kopf getroffen wurden und blutend zu Boden fielen", erzählt die Überlebende während einer der Führungen auf Ground Zero. Malone-Hodges arbeitet regelmäßig und ehrenamtlich für das "Tribute WTC Visitor Center".

Kein Fall für Hollywood

"Was wir damals erlebt haben, war ein absolutes Chaos - Hollywood wird das nie richtig wiedergeben können", meint die heute 60-Jährige. Sie und Spano überlebten die Tragödie, doch diese Erfahrung hat ihr Leben für immer verändert.

Spano, nach eigener Aussage früher ein Arbeitstier, nimmt sich seither viel mehr Zeit für seine Familie. Mittlerweile trainiert er sowohl die Baseball- als auch die Basketball- und die Fußballmannschaft seines Sohnes und leitet seine Pfadfindergruppe.

Für die seit acht Monaten pensionierte Malone-Hodges ist es seit dem Anschlag wichtig, nichts mehr auf morgen zu verschieben: "Ich schiebe nichts mehr auf die lange Bank." Denn jeder Tag könne der letzte sein.

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Erstellt am 05.12.2011