Chronik | Welt
28.01.2018

Der Sparefroh aus Schweden ist tot

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat seine Kunden zu Handwerkern gemacht und Milliarden verdient.

Der Mann war seiner Zeit in vielen Belangen voraus. Der im Alter von 91 Jahren verstorbene Ikea-Gründer Ingvar Kamprad war ein Veteran bei der konsequenten Umsetzung von Steuersparmodellen. Die Ikea-Märkte müssen drei Prozent ihres Umsatzes an Inter Ikea Systems im niederländischen Delft überweisen, weil dort Lizenzeinnahmen kaum besteuert werden. Das schmälert den Gewinn und verringert die Steuerleistung. Der Großkonzern Apple hat sich für ein ähnliches System entschieden. Ikea macht das seit 1982.

Die 355 Ikea-Warenhäuser erwirtschaften jährlich einen Umsatz von rund 34 Milliarden Euro. Dem Staat wollte Kamprad möglichst wenig davon abgeben. Er hat aus Steuergründen viele Jahre in der Schweiz gelebt. Seine Kinder haben die Schweizer Staatsbürgerschaft.

DDR-Möbel

Bei den Geschäftspraktiken hat sich Kamprad nicht immer an die in Schweden üblichen moralische Vorgaben gehalten. 2012 wurde bekannt, dass Ikea einst aus der DDR Möbel bezogen hat, die Häftlinge in Zwangsarbeit fertigen mussten.

Der Hang zu ausgeprägter Sparsamkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Milliardärs. Sein Zielpublikum war der kleine Mann mit der schmalen Brieftasche. 1943 gründete der gelernte Tischler Ingvar Kamprad vom Bauernhof Elmartyd beim Dorf Agunnaryd die Firma Ikea. Am Anfang gab es noch ein buntes Sortiment an Schreibwaren, Uhren, Schmuck und Strumpfhosen. Später kamen Möbel dazu.

Der große ökonomische Erfolg begann mit der Produktion von Möbeln, die von den Kunden zu Hause zusammengebaut wurden. Die Idee dazu hatte er, als ein Tisch nicht in den Lieferwagen passte und deshalb die Tischbeine abgeschraubt wurden. Kamprad hat aus seinen Kunden Handwerkern gemacht oder ihnen zu mindesten den Eindruck vermittelt, als wären sie so etwas ähnliches. Das Image eines Billigproduzenten hat ihn nie gestört. Das würde die Leute dazu motivieren, bei Ikea einzukaufen.

Regal Billy

Namen bekamen die Ikea-Möbelstücke deshalb, weil Kamprad Probleme hatte, sich Zahlen zu merken. Das Regal Billy ist nach dem Angestellten Billy Likiedahl benannt. Andere Ikea Produkte haben die Namen von schwedischen Seen oder Orten bekommen.

Die erste Ikea-Filiale in Österreich wurde am 1. September 1977 in der Shopping City Süd (Vösendorf, NÖ) eröffnet. Mittlerweile gibt es hierzulande sieben Einrichtungshäuser und dazu mehrere Auslieferungslager.