Pope Benedict XVI waves to the faithful after arriving in St Peter's Square to hold his last general audience at the Vatican February 27, 2013. The weekly event which would normally be held in a vast auditorium in winter, but has been moved outdoors to St. Peter's Square so more people can attend. The pope has two days left before he takes the historic step of becoming the first pontiff in some six centuries to step down instead of ruling for life. REUTERS/Max Rossi (VATICAN - Tags: RELIGION)

© Reuters/MAX ROSSI

Vatikan
02/27/2013

Der letzte große Auftritt von Papst Benedikt XVI.

Mehr als 250.000 Menschen jubeln dem Kirchenoberhaupt auf dem Petersplatz zu.

LautstarkeViva il papa“ – „Es lebe der Papst“-Rufe waren weit bis zur Via della Conciliazione, der Prachtstraße, die zum Petersdom führt, zu hören. Aus den Lautsprechern tönte feierliche Orgelmusik. Die Stimmung bei der letzten Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. war emotionsgeladen. Geschätzte 250.000 Pilger aus aller Welt waren am Mittwoch auf den Petersplatz gekommen, um sich vom katholischen Kirchenoberhaupt zu verabschieden. Auffallend viele bayerische Fahnen wurden geschwenkt. Eine jubelnde Pilgergruppe hielt ein „Traunstein grüßt Benedikt“-Transparent hoch.

Die Besucher applaudierten stürmisch, als „Benedetto“ zum letzten Mal aus seinem Papamobil, das im Schritttempo über den Petersplatz fuhr, den Menschenmassen zuwinkte. Immer wieder hielt der Fahrer an, Babys wurden in die Hände des Papstes gehievt. Heute, Donnerstag, endet um Punkt 20 Uhr offiziell das Pontifikat.

Bilder vom Petersplatz:

The crowd listens to Pope Benedict XVI in St Peter

Pope Benedict XVI waves to the faithful as he arri

Pope Benedict XVI greets pilgrims at the end of hi…

Pope Benedict XVI greets cardinals and bishops in …

VATICAN POPE LAST AUDIENCE

VATICAN MEXICAN PILGRIMS

Cardinals attend pope's general audience in St. Pe…

Pope Benedict XVI appears on a giant screen in a p

A general view of a packed Saint Peter's Square w

A Vatican Swiss guard stands in front of St. Peter…

Nuns from Brazil wait for the arrival of Pope Bene

Pope Benedict XVI is driven through the crowd as h…

Signora Rosanna reiste schon früh mit dem Zug aus dem 70 Kilometer entfernten Ort nach Rom. „Er ist nur einen Meter von mir entfernt vorbei gefahren, es hat mich sehr bewegt“, erzählte die 72-jährige Italienerin begeistert dem KURIER. Dem Papst gehe es körperlich nicht gut, das hätte man gesehen.

„Ein Vorbild“

Wer es nicht bis zum Petersplatz geschafft hatte, konnte das Ereignis vor zwei Video-Leinwänden unweit der Piazza San Pietro verfolgen. Dort lauschten zwei südamerikanische Ordensschwestern andächtig der Ansprache. „Ich fühle mich dem Papst in diesem Moment sehr verbunden. Er ist für uns ein Vorbild wegen seiner Bescheidenheit und seiner Liebe und Verantwortung gegenüber der Kirche“, erklärten die Ordensfrauen und hielten sich an ihren Rosenkränzen fest. Über den Nachfolger Benedikts wollten sie noch nicht nachdenken: „Momentan konzentrieren wir uns nur auf das Gebet, Gott hat schon entschieden.“

Die Predigt des sichtlich gerührten „Benedetto“ war emotional: „Ich habe in diesen acht Jahren Pontifikat stets die Unterstützung Gottes gespürt, sowohl in den Momenten des Lichts, aber auch in den schwierigen Momenten. Gott hat mir seine Liebe und sein Licht nie fehlen lassen“, versicherte Joseph Ratzinger. Immer wieder kam er auch auf die Gründe seines Rücktritts zu sprechen. Er bedankte sich ausdrücklich bei seinem Kardinalstaatssekretär, der im Mittelpunkt der Dokumente des Vatileaks-Skandals stand. Auch seinem Privatsekretär Georg Gänswein, den Gläubigen für ihr Gebet und sogar den Journalisten für ihre Berichterstattung sagte der Pontifex „Grazie“.

In der ersten Reihe saßen der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco, der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, sowie der australische Kardinal George Pell. Auch Kardinal Schönborn war bei der letzten Audienz seines engen Vertrauten anwesend.

Touristenführerin Rosella Di Cori ist in ihrer Mittagspause schnell zum Vatikan geeilt: „In diesen Tagen herrschen chaotische Zustände in Rom, wir werden erst mit der Zeit erfahren, was den Papst wirklich zu seinem Rücktritt bewogen hat“, meinte Di Cori, die überglücklich war, dieses historische Ereignis hautnah miterleben zu dürfen.

Barmann Marco vom Caffé San Pietro ist der Papst egal. Er lehnte am Tresen und klagte über mangelnde Kundschaft. Bei der Seligsprechung von Johannes Paul II. hätten Menschenmassen den Vatikan gestürmt. „Aber ich empfinde den deutschen Papst als kalt und bin froh, wenn ein neuer Papst kommt“, so Marco.

Vor dem Devotionalien-Laden Domus Artis verfolgte Besitzerin Elise neugierig die Feierlichkeiten: „Viele deutsche, aber auch österreichische Touristen kommen in den Laden. Ein neuer Papst wird wieder neue Ideen bringen und auch eine neue Touristenwelle“, hofft die Geschäftsfrau.

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Stationen des Pontifikats

Seit fast acht Jahren führt Papst Benedikt XVI. als Oberhaupt die katholischen Christen. Wichtige Stationen:

19. April 2005: Joseph Kardinal Ratzinger wird zum neuen Papst gewählt und gibt sich den Namen Benedikt XVI. Fünf Tage später wird er in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. war am 2. April im Alter von 84 Jahren gestorben.

6. Juni 2005: Benedikt verurteilt bei einem Konvent über die Rolle der Familie in Rom moderne Formen des Zusammenlebens, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Abtreibungen scharf.

August 2005: Benedikt besucht den Weltjugendtag in Köln.

31. August 2005: Der Papst segnet ein Dokument ab, das Priesterseminare verpflichtet, Männer mit "homosexuellen Tendenzen" nicht mehr zur Priesterweihe zuzulassen.

25. Jänner 2006: Benedikt XVI. betont in seiner ersten Enzyklika "Deus Caritas est" (Gott ist Liebe) die untrennbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe.

28. Mai 2006: Im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz ruft der Papst zu Versöhnung und Vergebung auf.

12. September 2006: Benedikt zitiert bei einer Vorlesung in Regensburg einen byzantinischen Kaiser, Mohammed habe nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. Die Äußerungen lösen in der islamischen Welt gewalttätige Proteste aus.

November 2006: Der Papst reist in die Türkei. Es ist sein erster Besuch in einem islamischen Land.

13. März 2007: Benedikt erteilt im Apostolischen Schreiben "Sacramentum Caritatis" (Sakrament der Liebe) einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten eine klare Absage.

7. Juli 2007: Benedikt rehabilitiert weitgehend die traditionelle Messe in lateinischer Sprache.

10. Juli 2007: In einem vom Papst genehmigten Schreiben der Glaubenskongregation wird protestantischen Gemeinschaften das Recht abgesprochen, sich als "Kirche" zu bezeichnen.

30. November 2007: In seiner zweiten Enzyklika "Spe salvi" (Auf Hoffnung hin gerettet) kritisiert Benedikt dem technischen Fortschrittsglauben und materialistische Weltanschauungen.

6. März 2008: Der Papst empfängt erstmals das Oberhaupt der orthodoxen Christen, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.

24. Jänner 2009: Benedikt macht die Exkommunikation aller vier Bischöfe der Pius-Priesterbruderschaft rückgängig. Darunter ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Die Entscheidung des Papstes provoziert eine Welle der Kritik.

Mai 2009: Benedikt besucht Jordanien, Israel und die palästinensischen Gebiete. In seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geht er nicht auf die Rolle der Kirche bei der Judenvernichtung ein.

7. Juli 2009: In seiner ersten Sozialenzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) fordert der Papst ein ethisches Bewusstsein in der Wirtschafts- und Finanzwelt.

11. Juni 2010: Bei einer Messe auf dem Petersplatz bittet der Papst die Opfer von sexuellem Missbrauch öffentlich um Vergebung. Zuvor hatte er bereits in einem Hirtenbrief an die katholische Kirche in Irland die dortigen Missbrauchsfälle bedauert.

September 2011: Sein Deutschland-Besuch führt den Papst nach Berlin, Thüringen und Freiburg.

28. März 2012: Im kommunistischen Kuba trifft Benedikt den früheren Staatschef Fidel Castro. In einer Messe verlangt er volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche in dem Inselstaat.

23. Dezember 2012: Der Papst begnadigt seinen Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele. Zuvor war dieser im Zuge der "Vatileaks"-Affäre wegen der Weitergabe vertraulicher Papiere zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

11. Februar 2013: Benedikt kündigt seinen Rücktritt zum 28. Februar an. Er verweist dabei unter anderem auf sein fortgeschrittenes Alter.

25. Februar 2013: In einem Apostolischen Schreiben (Motu proprio) legt Benedikt XVI. fest, dass das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers früher beginnen kann. Bislang war geregelt, dass das Konklave frühestens 15 Tage nach Eintritt der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") startet.

27. Februar 2013: Letzte Generalaudienz, die wegen des großen Interesses auf den Petersplatz verlegt wurde.

28. Februar 2013: Um 20.00 Uhr endet die Amtszeit des Papstes

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