Der absolute Superstar unter den eleganten Hotels der Welt

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Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLATT Das Waldorf-Astoria.

Mit der Schließung des legendären Luxushotels in New York City endet eine Ära. Erinnerungen an einen Palast, in dem die Reichen und Schönen zu Hause waren.

Wie immer die Zukunft des berühmtesten Hotels der Welt aussieht – es wird wohl nie mehr das sein, was es einmal war: Fünf-Sterne-Unterkunft mit einzigartiger Atmosphäre, Absteige für Monarchen und Staatspräsidenten, glamouröser Treffpunkt der Hollywoodstars. Das Waldorf-Astoria, an der eleganten Park Avenue in New York gelegen, wurde diese Woche geschlossen und soll in zwei bis drei Jahren wieder erstehen. Zwar sind Fassade und Lobby denkmalgeschützt und dürfen somit nicht verändert werden, doch der Großteil der Zimmer und Appartements wird zu Luxuswohnungen umgebaut, womit es den altehrwürdigen Hotelbau in seiner bisherigen Form nicht mehr geben wird.

Alle US-Präsidenten

Was dem Waldorf-Astoria freilich niemand nehmen kann, ist seine Geschichte. 1931 an seinem heutigen Platz eröffnet, war es mit 47 Stockwerken im Art-Déco-Stil und 1400 Zimmern lange Zeit das größte und exquisiteste Hotel der Welt. Hier nächtigten sämtliche US-Präsidenten, die Queen und Weltstars wie Cary Grant, Marilyn Monroe, Gary Cooper und Liz Taylor. Und im hoteleigenen Nachtclub "Starlight Roof" swingten die Big Bands von Count Basie, Glenn Miller und Duke Ellington.

… Foto: /Waldorf Astoria

Das erste Waldorf

Die Vorgeschichte des Waldorf-Astoria beginnt gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Johann Jakob Astor, der Sohn eines mittellosen Fleischermeisters aus dem deutschen Städtchen Walldorf bei Heidelberg, nach Amerika auswanderte und es durch Immobilienhandel zu immensem Reichtum brachte. Sein Urenkel William Waldorf Astor eröffnete 1893 das erste familieneigene Hotel, noch nicht an der Park, sondern an der nicht minder noblen Fifth Avenue in der City of Manhattan. Er nannte es schlicht Waldorf.

Vier Jahre später baute sein Cousin John Jacob Astor IV. das auf dem Nebengrundstück gelegene Astoria Hotel. Obwohl William und John Jacob infolge dieses Affronts heillos zerstritten waren, beschlossen sie, um einander nicht gegenseitig zu ruinieren, mithilfe einer Heerschar von Anwälten, die Beherbergungsbetriebe Waldorf und Astoria durch einen Verbindungsgang zum Grandhotel Waldorf-Astoria zu vereinen. Die beiden Cousins blieben weiterhin spinnefeind, führten aber, um des lieben Geschäftes willen, ein gemeinsames Fremdenverkehrsunternehmen.John Jacob Astor IV. nahm ein tragisches Ende. Der 47-jährige Hotelier heiratete 1911 die fast 30 Jahre jüngere Madeleine Talmage Force und verbrachte mit ihr die Flitterwochen in Europa. Im April 1912 trat das junge Glück die Rückreise nach New York an. Das Ehepaar entschied sich für die Überfahrt mit der "Titanic", dem vermeintlich "schnellsten und sichersten Personenschiff der Welt". John Jacob Astor war eines der 1500 Opfer des Untergangs der "Titanic", seine 18-jährige Frau überlebte und erbte das riesige Vermögen.

US-ICONIC-WALDORF-ASTORIA-HOTEL-IN-NYC-TO-CLOSE-DO Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Drew Angerer

60 Jahre im Hotel

Nach John Jacob Astors Tod übernahm sein Cousin, Geschäftspartner und "Intimfeind" William Waldorf Astor die alleinige Hotelführung. Das Waldorf-Astoria zählte damals zu den weltweit ersten Hotels, dessen Zimmer über Bäder verfügten, es war das erste Haus, das den separaten "Ladies Entrance" abschaffte und den Room Service einführte. Zur Seele des Hauses wurde der Schweizer Oscar Tschirky, der dem Waldorf-Astoria 60 Jahre lang, fast bis zu seinem Tod im Alter von 84 Jahren, als Maître d’hôtel die Treue hielt und den weltberühmten Waldorfsalat kreierte. Heute noch erinnert eine Büste in der Hotelhalle an ihn.Ende der 1920er-Jahre geriet das Hotel – wie viele US-Gastronomieunternehmen in der Prohibitionszeit – infolge des Alkoholverbots in eine Krise, die schließlich dazu führte, dass das Waldorf-Astoria zusperren musste. Das Gebäude wurde abgerissen, und an seiner Stelle entstand New Yorks berühmtester und für lange Zeit höchster Wolkenkratzer, das Empire State Building.Doch das Waldorf-Astoria war damit nicht tot. Ganz im Gegenteil, der bisherige Hotelmanager Lucius M. Boomer erwarb die Rechte am renommierten Namen Waldorf-Astoria und fand Kapitalgeber für einen Neubau, der 1931 an seinem heutigen Platz an der Park Avenue eröffnet wurde. US-Präsident Herbert Hoover verlas im Radio eine Gratulationsadresse, in der er den unternehmerischen Mut der Investoren mitten in der Depressionszeit würdigte. Als seine Präsidentschaft im Weißen Haus endete, bezog Hoover mit seiner Frau eine Suite im Waldorf-Astoria, die er bis an sein Lebensende bewohnte. Weitere prominente Dauergäste waren so unterschiedliche Persönlichkeiten wie der Herzog von Windsor mit Ehefrau Wallis Simpson, Mafiaboss Lucky Luciano und Außenminister Henry Kissinger. Die Zehn-Zimmer-Suite mit der Nummer 33 A bewohnte ein Vierteljahrhundert lang der Komponist Cole Porter, nach dessen Tod 1964 sie von Frank Sinatra übernommen wurde, der eine Million Dollar Jahresmiete zahlte.

Marilyn Monroe Foto: AP Auch Marylin Monroe war ein gern gesehener Gast

Auftakt zur Verlobung

Das Waldorf-Astoria war 1949 in die Hände des Hotelmagnaten Conrad Hilton gelangt, der es zum Treffpunkt der Oberen Zehntausend ausbaute, wobei Staats- und Regierungschefs aus aller Welt – nicht nur wenn in New York die UNO-Vollversammlung tagte – hier abstiegen. Fürst Rainier von Monaco bat 1955 im Waldorf-Astoria seine künftigen Schwiegereltern um die Hand des Hollywoodstars Grace Kelly. Ehe die Verlobung bekannt gegeben wurde, erfolgten noch schwierige Verhandlungen um die Mitgift. Sie betrug letztlich zwei Millionen Dollar, die die Kellys an den Fürsten zahlten.

In den 1980er-Jahren begann mit dem Massentourismus der Abstieg des Waldorf-Astoria, der im darauf folgenden Jahrzehnt jedoch durch den Ausbau der exquisiten Waldorf Towers mit großen Suiten und eigener Rezeption zumindest teilweise gestoppt werden konnte. 2014 verkaufte die Hilton-Kette ihr Vorzeigeobjekt für fast zwei Milliarden Dollar an die chinesische Anbang Insurance Group, die das Hotel am vergangenen Mittwoch zusperrte, um einen umfassenden Umbau einzuleiten, der eine weitere Milliarde Dollar kostet. Die Zimmerpreise beliefen sich zuletzt auf 200 bis 7000 Dollar (in der Präsidentensuite) pro Nacht.

US-DONALD-TRUMP-AND-HILLARY-CLINTON-ATTEND-ALFRED- Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLATT

Treffen Clinton & Trump

Im Oktober 2016 trafen noch die Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton zum traditionsreichen Charity-Dinner im Waldorf-Astoria aufeinander. So gut wie jeder Gast des Galaabends war damals überzeugt davon, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten eine Frau sein würde... Vor drei Wochen wurde dann im Festsaal des Waldorf-Astoria der vorerst letzte "Viennese Opera Ball" gefeiert, danach begannen die Vorarbeiten zur Hotelschließung, die mehr als 1000 Kellnern, Rezeptionisten und Zimmermädchen ihren Job gekostet hat.

Nur noch 300 ZimmerWenn das Waldorf 2019 oder 2020 wiedereröffnet wird, würde nichts mehr so sein wie es einmal war, verlautete die Direktion: Das Gebäude wird komplett ausgehöhlt, von den 1400 Zimmern bleiben nur 300 übrig, der Rest wird in sündhaft teure Luxuseigentumswohnungen umgebaut.

FILE - In this Oct. 21, 1957 file photo, Queen Eli… Foto: AP

Eine kleine Astor-Anekdote noch zum Schluss: Lord William II. Waldorf Astor, der Sohn des Hotelgründers Willliam Waldorf Astor, ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach England ausgewandert, wo er geadelt und Mitglied des britischen Oberhauses wurde. Bei einem Dinner König Edwards VII. saß Williams Frau Nancy neben dem späteren Premierminister Winston Churchill – gegen den sie eine maßlose Abneigung hegte. Als das Dessert serviert wurde, sagte Lady Astor zu Churchill: "Wenn Sie mein Mann wären, würde ich Ihnen jetzt Gift in den Tee schütten."

Worauf der Politiker erwiderte: "Und wenn Sie meine Frau wären, würde ich ihn auch trinken."

FILE - This undated file photo provided by the Wal… Foto: AP

(kurier) Erstellt am
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