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Foto: AP/Uncredited Zwei Päpste im Vatikan: Franziskus, das aktuelle Oberhaupt der katholischen Kirche, mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. (re.)

Benedikt XVI. trat heute vor einem Jahr zurück.

Die Nachricht kam wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“, als Papst Benedikt XVI. heute vor einem Jahr – am 11. Februar 2013 um Punkt 11.46 Uhr – völlig überraschend seinen Rücktritt bekannt gab. Laut seinem Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, habe Benedikt seine Rücktrittsentscheidung bisher keinen Moment bereut. Er sei „in Frieden mit sich und Gott“.

Der 86-jährige Ex-Papst lebt zurückgezogen in dem ehemaligen Kloster „Mater Ecclesiae“ in den Vatikanischen Gärten. Ganz in der Nähe wohnt auch sein Nachfolger Papst Franziskus (seit 13. März 2013 im Amt). Der Argentinier ist mit dem „weisen Großvater im Hause“ in regelmäßigem Kontakt.

Von seinem angeschlagenen Gesundheitszustand hat sich der „Heilige Vater“, wie Gänswein Benedikt weiter hin anspricht, gut erholt.

Er zelebriert täglich im kleinen Kreis die Morgenmesse. Am Vormittag widmet sich der ehemalige Theologieprofessor der Lektüre und beantwortet unzählige Briefe. Nach Mittagessen und Siesta macht er mit seinem Privatsekretär Spaziergänge durch die Vatikanischen Gärten, betet den Rosenkranz und streichelt seine Lieblingskatzen. Am Nachmittag zieht er sich in die Bibliothek zurück. Am Abend gibt es eine leichte Jause mit biologischem Obst und Gemüse aus dem Konvent-Garten. Manchmal sind danach noch Klavierklänge (Favoriten: Mozart, Beethoven und Bach) zu hören. „Er setzt sich auch noch oft selbst ans Klavier und spielt seine Lieblingskomponisten“, erzählt Gänswein, der sich als „Mittelsmann“ zwischen den beiden Päpsten sieht.

Keinesfalls versäumt Benedikt die Abendnachrichten im Fernsehen, um das Weltgeschehen zu verfolgen. Gewöhnlich gehen gegen 22 Uhr die Lichter in seiner Wohnung aus.

Treffen mit Schönborn

Gesellschaft leisten ihm auch die vier Laienschwestern „Memores Domini“, die ihn bereits während seines Pontifikats betreuten. Eine enge Beziehung pflegt der Alt-Papst zu seinem Bruder Georg Ratzinger, der ein Gästezimmer in der vatikanischen Wohnung hat. Zu dessen 90. Geburtstag fand ein Ehrenkonzert im Vatikan statt. Mit Georg zusammen war Benedikt XVI. auch im Sommer 2013 zu einem Kurzbesuch nach Castel Gandolfo gefahren. Im Jänner verließ er kurz den Vatikan, um seinen Bruder, der unter Herzproblemen litt, in einem römischen Krankenhaus zu besuchen. Er empfängt auch regelmäßig ausgewählte Besucher, darunter Kardinal Christoph Schönborn.

Benedikts Pontifikat war von vielen Kontroversen geprägt: Dazu zählten seine umstrittene Regensburger Rede, die Muslime verärgerte; seine Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft und der alten Messe auf Latein sowie der Vatileaks-Skandal. In den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit hatte er auch 384 Priester wegen Kindesmissbrauchs abgesetzt. Die Reform der angeschlagenen Vatikanbank wurde ebenfalls von ihm angestoßen.

Der deutsche Pontifex galt stets als konservativer Bewahrer. Ausgerechnet von ihm hätte sich niemand den in der Kirchengeschichte revolutionären Schritt des Rücktritts erwartet. Eingeweihte, wie Bruder Georg und Privatsekretär Gänswein, soll er bereits im Sommer 2012 informiert haben. Der Rücktritt war so gewählt, dass spätestens zu Ostern, dem wichtigsten Fest im Kirchenkalender, ein neuer Papst im Amt ist. Offiziell endete das Pontifikat von Benedikt XVI. am 28. Februar 2013.

Benedikt XVI.: Momente eines Pontifikats

Beinahe acht Jahre saß Papst Benedikt XVI. auf dem heiligen Stuhl, ehe er im Februar 2013 seinen Rücktritt bekannt gab. Nach dem Tod seines Vorgängers Papst Johannes Paul II. trat das Konklave 2005 zusammen. Über zwei Tage hinweg waren vier Wahlgänge nötig, um den aus Bayern stammenden Kardinal Joseph Ratzinger als neuen Papst zu wählen. Weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle informierte die Welt über die Entscheidung. Jubel auf dem Petersplatz, erstmals seit über 500 Jahren würde ein Deutscher den Heiligen Stuhl besteigen. Die Bild-Zeitung sorgte mit ihrem Titel "Wir sind Papst" für einen Aufreger. Joseph Ratzinger trat direkt nach seiner Wahl vor die Gläubigen auf den Petersplatz. Schon zu Beginn seiner Zeit als Oberhaupt der katholischen Kirche wurde klar, dass sein Pontifikat eher zu den konservativen zählen würde. Seine ablehnende Haltung zu Abtreibung und Empfängnisverhütung wurden von vielen als Rückschritt zu seinem Vorgänger, Johannes Paul II., gedeutet. Die Kirche lebt, die Kirche ist jung! Unter dem von ihm proklamierten Wahlspruch reiste Benedikt XVI. noch im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln, wo ihn mehrere hunderttausend Jugendliche begeistert empfingen. Innerkirchlich war Benedikt vor allem um die Annährung mit den orthodoxen Kirchen bemüht, so legte er etwa 2006 den Titel "Patriarch des Abendlandes" ab. Außerdem gründete er den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung, welcher die Aufgabe hat, in jenen Ländern zu wirken, in welchen der christliche Glaube schon lange beheimatet ist, aufgrund von Säkularisierung aber abgenommen hat. Benedikt XVI. ist 2008 der erste Papst, der eine Synagoge in Deutschland besuchte. Er rief die Gläubigen beider Religionsgemeinschaften auf, sich verstärkt für soziale Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Für Aufregung sorgte dagegen eine Rede bei der Eröffnung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz 2007 in Brasilien. Dort verkündete er, dass die Christianisierung Lateinamerikas von der Bevölkerung "unbewusst herbeigesehnt" worden wäre, was vielerorts zu teils heftiger Kritik führte. Mit Jubel empfangen ihn Zehntausende Menschen bei einem Besuch in Polen. In Auschwitz ruft er zu Vergebung und Versöhnung auf. In die Kritik geriet Benedikt außerdem, weil er 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen der umstrittenen Pius-Bruderschaft - unter ihnen der Holocaust-Leugner Richard Williamson - aufhob. In Erinnerung blieb auch Benedikts Rede in Regensburg zur Rolle der Gewalt im Islam. Eine als Papstzitat bekannt gewordene Textpassage erzürnte für einige Zeit die islamische Welt. Der Papst trifft 2010 den Erzbischof von Canterbury Rowan Williams in London. Er ist somit der erste Papst, der sich an die anglikanischen Bischöfe wendet, die im Lamperth Palace vereint sind. In den letzten Jahren des Pontifikats sorgte vor allem die Vatileaks-Affäre für Aufregung. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele hatte geheime, interne Dokumente veröffentlicht, wurde vom Papst jedoch später begnadigt. Einen zukunftsträchtigen Schritt wagte der Papst dagegen mit der Errichtung zahlreicher offizieller Twitter-Accounts, unter anderem twitterte @Pontifex auch auf Latein.
Rückblick

Papst-Rücktritte: Nur zwei gingen freiwillig

Erzwungen

Im Jahr 235 demissionierte Papst Pontianus, nachdem man ihn in die Bergwerke von Sardinien verbannt hatte. Papst Silverius trat 537 zurück, als er wegen Hochverrats nach Patara in der heutigen Türkei verbannt wurde. Johannes XVIII. wurde vermutlich 1009 entthront. 1415 wurde Gregor XII. im Streit mit Gegenpäpsten zum Rücktritt gezwungen. Auch seine Konkurrenten wurden abgesetzt.

Freiwillig

Vor Benedikt XVI. trat nur Papst Cölestin V. 1294 freiwillig zurück.

(kurier) Erstellt am
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