Costa Concordia: Hochspannung vor dem Abpumpen

© Bild: REUTERS

Die Reederei will den Überlebenden künftig einen Preisnachlass von 30 Prozent geben. Die Empörung ist groß.

Als seltsame Form der Kundenbindung“ beschreibt der britische Telegraph das Angebot der Reederei Costa Crociere, den Überlebenden des Schiffsunglücks bei künftigen Seereisen einen Preisnachlass von 30 Prozent gewähren zu wollen. Britische und US-amerikanische Überlebende wollen jetzt den Mutterkonzern Carnival verklagen, weil sie sich dort mehr Schadenersatz erhoffen.

Bisher wurden 16 Tote geborgen, mehr als 20 werden noch vermisst.

 

Kapitän log

Für die Taucher werden die Bergungsarbeiten immer unangenehmer.
© Bild: ap

Auch die Staatsanwälte in Grosseto schießen sich jetzt auf die Reederei ein. Wie konnte Francesco Schettino überhaupt zum Kapitän befördert werden? Der Bootsflüchtling hat einem T-Shirt mit der Aufschrift „Vada a bordo, cazzo“ („Geh zurück aufs Schiff, du Sack“) weltweite Nachfrage beschert. Im Internet wird das Leiberl um 12,90 € verkauft. So brüllte Hafenkapitän Gregorio De Falco Schettino an, als der bereits im Rettungsboot saß, in das er ja nur zufällig gefallen sein will. Dass das eine Lüge war, ist inzwischen aktenkundig. Die Polizei hat ein Telefongespräch des Käpitäns mit einem Bekannten aufgezeichnet. Zitat: „Als ich begriffen habe, dass sich das Schiff neigte, habe ich mich gepackt und bin abgestiegen.“

Halb kaputt

Die Staatsanwälte wollen außerdem von der Reederei wissen, warum die Schaluppen halb kaputt waren und weshalb die Pumpen nicht funktioniert haben.

Am Dienstag war das niederländische Spezialunternehmen Smit mit den letzten Vorbereitungen zum Abpumpen der 2300 Tonnen Schweröl beschäftigt. Smit hat auch das russische Atom-U-Boot „Kursk“ gehoben. 35 Fachleute sind am Werk, ein Öltanker liegt vor der Insel Giglio. Eine Plattform mit Kran wurde an die „ Costa Concordia“ herangefahren. Das Öl lagert in 17 Tanks und muss zuerst mit heißem Dampf auf 50 Grad erhitzt werden, damit man es absaugen kann. Schweröl ist nämlich zäh wie Honig und würde nicht auf der Wasseroberfläche treiben, sondern auf den Meeresgrund sinken. Das Abpumpen soll am Samstag beginnen.

Die Suchaktion nach Vermissten wird fortgesetzt.
© Bild: EPA

Bisher seien außer Reinigungsmittel noch keine großen Mengen Öl ins Meer gelangt, sagt der Sprecher des Zivilschutzes. Allerdings machte sich am Dienstag ein Diesel-Ölfilm rund ums Schiff bemerkbar.

Auch die Taucher waren weiter im Einsatz, da das Wrack derzeit ziemlich stabil liegt. Weitere Sprengungen wurden durchgeführt, damit sich die Männer r vorarbeiten können. Ein Problem sind herumschwimmende Gegenstände, vor allem Tausende Sessel aus den Restaurants.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

  • Analyse

Erstellt am 25.01.2012