Chronik | Welt
10.06.2014

Berlusconi-Vertrauter soll für Baufirmen interveniert haben

Die Ermittlungen brachten Vorwürfe gegen Berlusconis engsten Vertrauten, Gianni Letta, hervor.

Gianni Letta repräsentierte stets die vertrauenswürdige Seite der Regierung von Ex-Premier Silvio Berlusconi. Der langjährige Ex-Staatssekretär war bisher nie in Skandale verwickelt. Nun wird der frühere enge Berlusconi-Vertraute im Zuge der Ermittlungen um den Korruptionsskandal um das Bauprojekt Mose, zur Eindämmung der Hochwassergefahr in Venedig, schwer belastet.

Der 79-jährige Letta streitet ab, dass er für befreundete Baufirmen bei Giovanni Mazzacurati interveniert habe, wie die Zeitung La Repubblica, die sich auf eine Zeugenaussage beruft, berichtet. Mazzarcurati, bis 2013 Chef des Consortium Venezia Nuova (CVN), war laut der Staatsanwaltschaft von Venedig federführend in dem Bestechungsskandal. Dem ehemaligen Manager wird Korruption und Geldwäsche vorgeworfen.

"Schleichhandel"

Die Richter wollen nun herausfinden, warum Letta von in den Korruptionsskandal involvierten Personen als "Lebensversicherung" und "Chef des Schleichhandels" bezeichnet wurde.Gegen Letta laufen derzeit keine Ermittlungen, aber er könnte demnächst als über die Fakten gut informierter Zeuge von der Staatsanwalt angehört werden. Er weist alle Vorwürfe zurück. "Meine Beteiligung ist ein Märchen", wird Letta in der Tageszeitung Il Sole 24 Ore zitiert. Er habe stets "absolut korrekt und transparent gehandelt, im vollen Respekt der Gesetze und Ordnung". "Es ist nicht das erste Mal, dass mein Name in einer der vielen Untersuchungen, die in diesen Monaten die Chronik-Seiten füllten, erwähnt wird. Das ist auch nicht verwunderlich, denn in den Jahren in der Regierung kümmerte ich mich um viele Angelegenheiten, allerdings nur aufgrund der Verantwortung, die ich durch meine Rolle hatte", erklärte Letta.

16 Aktenordner

Die Staatsanwaltschaft von Venedig ermittelt seit drei Jahren wegen der umstrittenen Praxis der Auftragsvergabe bei dem Mega-Projekt. Das Belastungsmaterial umfasst 16 Aktenordner und 110.000 Protokoll-Seiten. Dabei kam auch eine schwarze Kasse ans Licht, die mit Bestechungsgeldern und Zahlungen aus gefälschten Rechnungen gefüllt wurde. Rund 20 Millionen Euro seien auf diese Weise veruntreut und auf ausländische Konten transferiert worden, hieß es. Von dem Geld seien Parteien finanziert worden. Unter anderem wurde der Wahlkampf von Venedigs suspendiertem Bürgermeister Giorgio Orsoni, der sich wegen Korruptionsverdacht in Hausarrest befindet, gesponsert.

Aufgebrachte Bewohner Venedigs protestierten vor dem Rathaus Ca' Farsetti und forderten den Rücktritt der gesamten Stadtverwaltung. Sie schwenkten Transparente mit Sprüchen wie "Weg mit der Mafia im Rathaus", "Basta Diebe!" und "Alle ins Gefängnis".