© REUTERS/ANINDITO MUKHERJEE

Indien
12/02/2014

Bericht bestätigt horrende Zustände bei Massen-Sterilisatio­nen

13 Tote: Bei den massenhaften Eingriffen vorigen Monat wurden weder Spritzen noch Nadeln ausgetauscht.

Es waren schockierende Nachrichten, die um die Welt gingen: Im November wurden in Bilaspur im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh im Vier-Minuten-Takt 83 Frauen sterilisiert. Die Aktion fand im Rahmen eines staatlichen Programms statt. Dabei starben 13 Frauen, dutzende weitere mussten mit heftigem Erbrechen und extrem niedrigem Blutdruck ins Krankenhaus. Nun ist klar, was ohnehin im Raum stand: Der Grund für die Tragödie war mangelnde Hygiene. Eine unabhängige Untersuchung von Experten aus vier staatlichen Gesundheitsorganisationen kommt zu dem Schluss, dass während der Eingriffe an 83 Frauen kein einziges Mal die Spritze gewechselt oder sterilisiert wurde. "Während der gesamten Zeit wechselte das Personal weder seine Handschuhe noch die Spritzen und nutze stets dieselbe Nahtnadel", heißt es in dem Bericht. Nach Angaben des Arztes, der die ersten sieben Opfer obduzierte, starben die Frauen an Blutvergiftungen.

Nach dem Tod der Frauen hatten die Behörden den behandelnden Arzt inhaftiert, dieser weist jedoch jede Verantwortung von sich. Gleichzeitig stellte sich der Regierung zufolge bei ersten Medikamententest heraus, dass das verabreichte Antibiotikum mit einer Chemikalie gepanscht worden war, das üblicherweise in Rattengift verwendet wird. Der örtliche Hersteller und sein Sohn wurden ebenfalls festgenommen.

Wenig Geld für große Entscheidung

Für ihre Untersuchung inspizierten die Gesundheitsexperten die inzwischen geschlossene Klinik am Stadtrand von Bilaspur, in der die Massensterilisierung vorgenommen worden war, sowie zwei weitere Krankenstationen. Sie sprachen auch mit einigen der überlebenden Opfer, mit Angehörigen sowie mit Ärzten und ihren Teams. Neben der Untersuchung laufen auch von der Regierung des Bundesstaats angeordnete Strafermittlungen. Bisher aber wurden weder die Befunde der Autopsien veröffentlicht noch die Ergebnisse der toxikologischen Gutachten der verdächtigten Medikamente.

Sterilisierungen sind ein wichtiger Teil des Familienplanungsprogramms der indischen Regierung, mit der sie die Zahl der Geburten kontrollieren will. Wie üblich erhielten die Frauen in Bilaspur umgerechnet knapp 20 Euro für den Eingriff. Obwohl dieser offiziell freiwillig ist, werden Frauen immer wieder zu Sterilisierungen gezwungen. Ein Grund dafür ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen, dass die Bundesstaaten den örtlichen Behörden und den Ärzten zumindest inoffiziell Quoten vorgeben, die sie erfüllen müssen.

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