Josef Ratzinger, noch in seiner Amtszeit als Papst Benedikt XVI.

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Neues Buch
07/04/2016

Benedikt XVI. zerschlug Schwulen-Netzwerk

Josef Ratzinger berichtet in einem neuen Buch über sein Wirken als Papst, seinen Rücktritt 2013 und über sein Vorgehen gegen eine Homosexuellen-Lobby im Vatikan.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. spricht in einem Interviewband von einem Homosexuellen-Netzwerk im Vatikan. Das schreibt der italienische Vatikan-Experte Luigi Accattoli in seinem Blog vorab über das im September erscheinende Buch "Benedikt XVI. - Letzte Gespräche" des deutschen Journalisten Peter Seewald. Demnach soll Benedikt XVI., der kürzlich sein 65. Priesterjubiläum feierte, während seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 über eine "Schwulen-Lobby" von vier bis fünf Personen in Kenntnis gelangt sein. Er habe die Seilschaft nach eigenen Angaben zerschlagen, berichtet Kathpress.

Der Münchner Droemer-Verlag hatte in der Buchankündigung mitgeteilt, Benedikt äußere sich detailliert über die Hintergründe seines Rücktritts, die Schwerpunkte seines Pontifikats, über seinen Nachfolger Franziskus und kontroverse Themen seiner Amtszeit wie Vatileaks oder die Reformen in der Kurie.

Zu wenig resolut

Accattoli ergänzt dazu, Benedikt XVI. schildere beispielsweise seine Bemühungen, die Vatikanbank neu zu ordnen und Geldwäsche zu unterbinden, aber auch Widerstände angesichts seiner Versuche, gegen den "Schmutz in der Kirche" vorzugehen. Dabei räume Benedikt XVI. im Rückblick auch mangelnde Resolutheit beim Regieren ein.

Benedikt XVI. verwahrt sich laut Accattoli gegen die Darstellung, er habe sich als Papst zu sehr auf die Wissenschaft und das Schreiben konzentriert. Auch weise er zurück, in der Liturgie rückwärtsgewandt gewirkt zu haben.

Nicht auf Druck zurückgetreten

Dass er seinen Amtsverzicht bei einem Kardinalstreffen am 11. Februar 2013 auf Latein ankündigte, begründet Benedikt XVI. laut Accattoli damit, er habe Angst gehabt, im Italienischen einen Fehler zu machen. Der emeritierte Papst spreche auch von den Zweifeln, die er im Blick auf die Auswirkungen seines Schritts für das künftige Papstamt gehabt habe. Erneut leugne er, auf Druck zurückgetreten zu sein.