Sarajevo, Symbolbild

© APA/AFP/ELVIS BARUKCIC

Sarajewo
09/29/2016

Austro-Bosnier wegen Terrorfinanzierung angeklagt

Der Mann soll zwischen 2013 und 2015 insgesamt 10.000 Euro von Österreich zu IS-Kämpfern nach Syrien gebracht haben.

Die bosnische Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag Anklage gegen einen österreichisch-bosnischen Doppelstaatsbürger wegen Terrorismus erhoben. Der 57-jährige Nedzad M. war im September in seinem Heimatort Sepak in Ostbosnien festgenommen worden. Die Justiz wirft ihm vor, bosnische IS-Kämpfer in Syrien finanziell unterstützt zu haben.

Konkret soll Nedzad M. zwischen September 2013 und Mitte 2015 mehrere Reisen von Österreich nach Syrien unternommen haben, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Aussendung der bosnischen Staatsanwaltschaft berichtete. Dabei soll er "mehr als 10.000 Euro" sowie ein Allradfahrzeug an bosnische IS-Mitglieder übergeben haben.

Dschihadisten-Achse

Zwischen der jihadistischen Szene in Österreich und Bosnien besteht traditionell eine enge Verbindung. Nach Angaben von Experten werden zahlreiche radikale Islamisten in Bosnien von ihren islamistischen Landsleuten in Wien finanziell unterstützt. Nach Tschetschenen machen Jihadisten aus den Westbalkanstaaten mittlerweile die zweitgrößte Gruppe von nach Österreich in den Irak oder Syrien reisenden Extremisten aus.

Prominentestes Beispiel ist der Ende 2014 in Wien festgenommen Mirsad O., er wurde im Juli in Graz zu 20 Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Anstiftung zum Mord verurteilt. Er war laut Verfassungsschutzbericht einer der "Hauptradikalisierer und -rekrutierer in Österreich". Es ist naheliegend, dass auch zwischen Mirsad O. und Nedzad M. eine Verbindung bestanden haben könnte.

BMI: Fall bekannt

Im Wiener Innenministerium hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage, der Fall Nedzad M. sei den "österreichischen Behörden bekannt". "In Hinblick auf das laufende Strafverfahren" könne man dazu jedoch keine weitere Stellungnahme abgeben. Bosnien hat 2014 seine Anti-Terrorgesetze verschärft. Seither drohen Jihadisten, ihren Anwerbern oder Geldgebern bis zu 20 Jahre Haft. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Urteile verhängt.

Die Ausreisen von Jihadisten nach Syrien oder in den Irak sind - wie auch in Österreich - hingegen zuletzt stark zurückgegangen. Allerdings befinden sich laut im Juni 2016 veröffentlichten Zahlen weiterhin rund 200 bosnische Jihadisten in Syrien oder im Irak. Seit 2012 waren es demnach insgesamt 330.

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