Großbritannien
07/19/2015

Aufregung um royalen Hitlergruß

Der Palast will gegen ein brisantes Video aus den 30er-Jahren vorgehen.

von Alexandra Uccusic

Dass das Dokument authentisch ist, bestreitet das britische Königshaus gar nicht. Dennoch erwägt der Buckingham-Palast rechtliche Schritte gegen die Veröffentlichung eines Videos, das Queen Elizabeth II. als Kind beim Hitlergruß zeigt. Eine Untersuchung, wie der 17 Sekunden lange Film aus den 30er-Jahren in die Hände der Boulevardzeitung Sun geraten ist, ist im Gange. Im Palast wird die undichte Stelle gesucht.

Die Sun hatte das Dokument wie berichtet am Wochenende online gestellt. Das Video zeigt die etwa sieben Jahre alte Elizabeth, die heutige Königin, gut gelaunt mit ihrer Mutter Elizabeth, ihrer jüngeren Schwester Margaret und ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII., im Garten. Sowohl die beiden Erwachsenen als auch die kleine Prinzessin Elizabeth strecken den rechten Arm zum Hitlergruß.

Auf Balmoral gedreht

Das Video soll 1933 oder 1934 auf dem königlichen Landsitz Balmoral in Schottland entstanden sein. Dass Edward, der 1936 für nur 325 Tage König war, vom Faschismus und von Adolf Hitler fasziniert war, sehen viele Historiker längst als bewiesen an.

Edward hatte wegen seiner Heirat mit der geschiedenen US-Bürgerin Wallis Simpson abgedankt. Ein Foto aus dem Jahr 1937 zeigt ihn gemeinsam mit seiner Frau bei einem Besuch bei Adolf Hitler in Deutschland.

Aus Palastkreisen verlautete, die Queen habe in ihrem damaligen Alter den Gesten mit Sicherheit keine Bedeutung beimessen können und sei komplett unschuldig. Das Verhalten der Königin und ihrer Familie während des Zweiten Weltkriegs spreche für sich. Zudem habe niemand in der damaligen Zeit gewusst, wie sich die Lage in Deutschland entwickeln werde.

Elizabeth, die 2002 gestorbene Mutter der heutigen Königin Elizabeth II., und ihr Ehemann George VI. genossen in der Bevölkerung hohes Ansehen, weil sie während des deutschen Bombardements von London die Stadt nicht verließen und sich oft an den Orten der Verwüstung zeigten.

Über Verdacht erhaben

Die heutige Queen ließ sich während des Zweiten Weltkriegs zur Lkw-Fahrerin und Mechanikerin ausbilden. Den Sieg über die Nazis feierte sie ausgelassen und unerkannt mit zahlreichen Menschen in London. Während die Queen selbst über jeden Nazi-Verdacht erhaben ist, ist die Sache mit ihrem Onkel historisch noch nicht aufgearbeitet.

Die Sun verteidigte die Veröffentlichung des Videos. Dies sei nicht als Kritik an der Königin oder ihrer Mutter gemeint; es handle sich um ein "historisches Dokument", das einen Einblick in das Verhalten von Edward VIII. liefere, sagte der leitende Redakteur Stig Abell.

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