Omar Mateen

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Amoklauf in Orlando
06/13/2016

Homophob und aggressiv: Porträt eines Attentäters

Omar Mateen tötete am Sonntag 50 Menschen, als er einen Club in Orlando stürmte. Täter laut FBI nicht Teil eines Netzwerks. Noch sind viele Fragen unbeantwortet.

Hatte Omar Mateen Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS)? Wenn ja, wie tief? War er ein Sympathisant, ein Verwirrter, psychisch krank? War sein Hass auf Homosexuelle auch politisch oder religiös motiviert, als er 50 Menschen tötete? War er ein "einsamer Wolf", der sich über Internetpropaganda radikalisiert und zur Tat schreitet, ohne direkte Unterstützung einer Organisation zu haben?

Nach Ermittlungen des FBI geht das Attentat nicht auf ein internationales Netzwerk zurück. Das sagten US-Präsident Barack Obama und FBI-Direktor James Comey am Montag.

Doch Tag nach dem schlimmsten Terrorangriff eines Einzeltäters in den USA sind noch viele dieser Fragen unbeantwortet. Fest steht nur, dass aus einem weithin unauffälligen US-Bürger ein Massenmörder wurde.

Omar Mateen

1986 wird Omar Mateen im Bundesstaat New York geboren, seine Eltern stammen aus Afghanistan. Die Familie zieht nach Florida, da ist Mateen noch ein Kind.

2006 macht Mateen einen College-Abschluss in Kriminaltechnologie. Ein Jahr später beginnt er bei G4S, einem der größten Sicherheitsunternehmen. G4S sagt, man habe Mateen gründlich überprüft und durchleuchtet, keine Auffälligkeiten. Fotos bei Myspace zeigen Mateen mit einem Shirt des NYPD, des New York Police Department, die man in New York an jeder Ecke kaufen kann.

2009 heiratet Mateen, kauft eine Wohnung. Bis hierhin sieht alles ganz stabil aus, soweit man das sagen kann. War es aber nicht.

Nur zwei Jahre später wird Mateen von seiner Frau Sitora Yusufiy geschieden. Im Fernsehen beschreibt sie den Ex-Mann als psychisch labil und krank und sehr gewalttätig. Regelmäßig habe er sie geschlagen, weil sie die Wäsche nicht gemacht habe oder warum auch immer, und sie wie eine Geisel gehalten. Seit der Scheidung habe sie keinen Kontakt mehr gehabt.

2013 wird das FBI auf den Mann aufmerksam. Mitarbeiter Mateens berichten den Ermittlern lautNew York Times, er habe mit terroristischen Verbindungen geprahlt. Mateen wird überwacht, zwei Mal vernommen, durchgecheckt, ohne Ergebnis. Die Ermittlungen werden eingestellt.

2014 entdeckt das FBI eine dünne Verbindung zwischen Mateen und Moner Mohammad Abusalha, dem ersten amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien, Kämpfer der Al-Nusra-Front. Wieder enden die Ermittlungen ohne Ergebnis.

2016 Der Todesschütze will einige Wochen vor dem Massaker schusssichere Kleidung kaufen. Omar Mateen sei dieser Kauf aber verweigert worden, berichtete CNN am Montag.

Kann das als ein ausreichender Beleg für Verbindungen in Terrorismus und Islamismus gelten? Sein Vater Siddique Mir Mateen beschreibt den Sohn als nicht sehr religiös, kann sich ein Motiv aus Glaubensgründen nicht vorstellen, allerdings werden Familienmitglieder von Experten meistens als denkbar schlechte Zeugen für eine mögliche Radikalisierung beschrieben.

Aussagen des Vaters

Ausweislich einiger Facebook-Videos ist Mateen senior selbst eine etwas illustre Figur, scheint den Arrest afghanischer Politiker anordnen zu wollen und mit den radikalislamischen Taliban zu sympathisieren.

Der Vater sagt, sein Sohn habe extreme Probleme mit Homosexuellen gehabt. Sein Sohn sei einmal fast ausgerastet, als sich in Miami zwei Männer öffentlich geküsst und berührt hätten. "Schau Dir das an. Sie tun das und mein Sohn sieht zu", habe Omar gesagt. Diesen Sohn, schreibt die Washington Post, habe Mateen mit einer zweiten Frau gehabt, auch sie habe ihn verlassen, wolle sich nicht äußern.

Nun hat auch der Vater des Attentäters mit homosexuellen-feindlichen Äußerungen Zweifel an seiner zuvor geäußerten Bestürzung über die Bluttat seines Sohnes aufkommen lassen. In einem am Montag auf Facebook gestellten Video sagt Seddique Mateen in der Sprache Dari: "Es ist Sache Gottes, Homosexuelle zu bestrafen. Nicht die seiner Diener."

Ein früherer Mitarbeiter Mateens sagt der New York Times, dieser habe die ganze Zeit vom Töten gesprochen. Er ist allerdings der einzige mit dieser Aussage, andere Zeugen kann er nicht benennen.

Der Imam des späteren Attentäters, Syed Shafeeq Rahman, sagt derNew York Times, Mateen sei drei oder vier Mal pro Woche in der Moschee gewesen. Er beschreibt ihn als extrem scheu, immer sei er auf die letzte Sekunde zum Gebet gekommen und sofort wieder verschwunden.

Als Omar Mateen zum Attentäter wird, lebt er in Port St. Lucie, 170 Kilometer südöstlich von Orlando. Mateen war unter anderem mit einem Sturmgewehr vom Typ AR 15 und einer halbautomatischen Pistole bewaffnet. Die Polizei bezeichnet ihn als sehr gut vorbereitet.

Mateen hat auch nach dem FBI-Kontakt seine Sicherheits-Lizenz und seinen Job behalten. Ebenso seinen Waffenschein aus Florida. Mit diesem wird er kurz vor der Tat ohne Probleme ein Gewehr und eine Pistole kaufen, das ist bestätigt. Es ist wahrscheinlich, aber noch nicht völlig geklärt, ob es diese Waffen sind, mit denen er in der Nacht zum Sonntag, den 12. Juni, zum Morden in das "Pulse" zieht.

Die Opfer von Orlando

Das Massaker von Orlando ist die schlimmste Bluttat eines einzelnen Menschen in den USA. Mindestens 50 Menschen sind tot. 53 wurden verletzt - einige so schwer, dass sie in Krankenhäusern um ihr Leben kämpfen.

Eines der Opfer ist Eddie Justice. Der 30-Jährige flüchtete am Sonntag mit vielen anderen vor dem Attentäter in die Damentoilette des "Pulse". Er schrieb seiner Mutter noch SMS. Zuerst "Mommy I love you". Danach: "Bin im Club, sie schießen". Seine Mutter Mina Justice zeigte den SMS-Verlauf einem TV-Sender - mehr dazu in Die letzte Nachricht eines Opfers an seine Mutter.

Die identifizierten Opfer bisher:

  • Stanley Almodovar III, 23
  • Amanda Alvear, 25
  • Alejandro Barrios Martinez, 21
  • Darryl Roman Burt II, 29
  • Edward Sotomayor Jr., 34
  • Luis Omar Ocasio-Capo, 20
  • Juan Ramon Guerrero, 22
  • Eric Ivan Ortiz-Rivera, 36
  • Peter O. Gonzalez-Cruz, 22
  • Luis S. Vielma, 22
  • Kimberly Morris, 37
  • Eddie Jamoldroy Justice, 30
  • Deonka Deidra Drayton, 32
  • Anthony Luis Laureanodisla, 25
  • Jean Carlos Mendez Perez, 35
  • Franky Jimmy Dejesus Velazquez, 50
  • Martin Benitez Torres, 33
  • Luis Daniel Wilson-Leon, 37
  • Mercedez Marisol Flores, 26
  • Xavier Emmanuel Serrano Rosado, 35
  • Gilberto Ramon Silva Menendez, 25

Polizei verteidigt Erstürmung von Nachtklub

Die Polizei von Orlando hat unterdessen ihr Vorgehen gegen Mateen verteidigt. Der Täter, der zu dem Zeitpunkt mit Dutzenden Geiseln in dem Nachtklub verschanzt gewesen sei, habe bei seinen Telefonkontakten über "Sprengstoffwesten, über Sprengstoff" gesprochen, daraufhin hätten er und seine Kollegen befürchtet, dass der Tod weiterer Menschen "unmittelbar bevorstand", sagte Orlandos Polizeichef John Mina am Montag.

"Wir wussten, dass wir das Richtige tun und glauben, dass wir viele, viele Menschenleben gerettet haben", betonte Mina. Auf seine Entscheidung hin sprengten die Polizisten ein Loch in eine Wand, das sie mit Hilfe eines gepanzerten Fahrzeugs vergrößerten, um sich Zugang zu dem Club zu verschaffen:
Bei dem Angriff in der Nacht zum Sonntag wurden 49 Menschen getötet. Die US-Behörden korrigierten ihre Zahl am Montag nach unten, da sie den Attentäter Omar Mateen ausdrücklich nicht zu den Opfern zählen. Mehr als 50 weitere Menschen wurden verletzt. Der 29-jährige Sohn afghanischer Einwanderer hatte sich vor dem Angriff in einem Anruf bei der Polizei zur Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Der IS bezeichnete Mateen als "Soldat des Kalifats".

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